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Der Vaterschaftsurlaub gilt bereits wieder als veraltet

Eine Koalition von SP, GLP und Grünen fordert einen Elternschaftsurlaub von total 38 Wochen.
Tobias Bär
Väter sollen sich nach der Geburt auch ums Baby kümmern können. Bild: Keystone (Bild: Gaetan Bally / Keystone)

Väter sollen sich nach der Geburt auch ums Baby kümmern können. Bild: Keystone (Bild: Gaetan Bally / Keystone)

Dass viele frischgebackene Väter in der Schweiz nicht mehr als einen Tag Urlaub bekämen, sei «unglaublich rückständig» – dies liessen die Urheber der Initiative für einen vierwöchigen Vaterschaftsurlaub vor zwei Jahren verlauten. Die Initiative sowie ein Gegenvorschlag, der einen zweiwöchigen Urlaub für Väter vorsieht, sind heute Thema im Nationalrat.

Inzwischen wird aber bereits über Vorschläge diskutiert, die deutlich über die Forderungen der Initiative hinausgehen. So wurden aus den Reihen der GLP und der BDP im Juni Vorstösse für eine Elternzeit von je 14 Wochen eingereicht. Der bisherige Mutterschaftsurlaub von mindestens 14 Wochen soll also durch einen ebenso langen Vaterschaftsurlaub ergänzt werden – sofern beide Eltern erwerbstätig sind. Dieselbe Forderung war vor genau zwei Jahren vom Nationalrat deutlich abgelehnt worden.

Noch weiter geht ein Vorstoss der SP: Dieser fordert ebenfalls je 14 Wochen und zusätzlich noch 10 Wochen, die sich die Eltern aufteilen können. Also insgesamt 38 Wochen. Solche Elternzeit-Ideen bezeichnete Adrian Wüthrich, SP-Nationalrat und Präsident des Vereins hinter der Vaterschaftsurlaub-Initiative, noch vor drei Jahren als «politisch chancenlos».

Heute sei das Umfeld ein anderes, sagt Wüthrich. Als Katalysator gewirkt habe neben der eigenen Initiative auch der Frauenstreik von Mitte Juni, der sich unter anderem gegen die ungleiche Verteilung der Betreuungsarbeit richtete. «Wenn wir die Initiative für einen vierwöchigen Vaterschaftsurlaub an die Urne bringen und es ein Nein gibt, dann würde die Bewegung wieder gebremst», sagt Wüthrich.

Dieses Szenario spricht gemäss dem SP-Nationalrat für einen Rückzug der Initiative, sollte das Parlament dem Gegenvorschlag zustimmen. «Es gibt aber auch viele Argumente, die dagegen sprechen», sagt Wüthrich. Anfang Oktober trifft sich der Verein, um über das weitere Vorgehen zu beraten.

Vertreter von SP, Grünen und GLP werden die Idee eines 38-wöchigen-Elternurlaubs bereits bei der heutigen Debatte einbringen. Ein anderer Vorschlag von SP und Grünen sieht gar 52 Wochen vor. Zudem hat die SP die Lancierung einer Volksinitiative für das 38-Wochen-Modell angekündigt. Im November sollen die Delegierten über das weitere Vorgehen entscheiden.

Ebenfalls Initiativpläne schmiedet der Verein Public Beta, dem eine Elternzeit von je 15 Wochen für Mütter und Väter vorschwebt. «Wir stehen mit einer breiten Koalition in Kontakt, unter anderem auch mit der SP», sagt Che Wagner, Mitgründer von Public Beta.

Auch die Sozialdemokraten wollen die Elternzeit-Initiative «möglichst gemeinsam mit Partnerorganisationen lancieren». Während Che Wagner sagt, Fragen wie jene zur Finanzierung müssten noch geklärt werden, sagt SP-Sprecher Nicolas Haesler: «Wir orientieren uns bei der Finanzierung am Modell der Eidgenössischen Kommission für Familienfragen.»

Diese hatte bereits 2018 einen Elternurlaub von insgesamt 38 Wochen ins Spiel gebracht. Zur Finanzierung schlug die Kommission entweder einen höheren Lohnbeitrag von Arbeitnehmern und Arbeitgebern an die Erwerbsersatzordnung vor, über die heute schon der Mutterschaftsurlaub bezahlt wird – oder aber eine Erhöhung der Mehrwertsteuer.

Bundesrat weibelt für Status quo

Das Bundesamt für Sozialversicherungen liefert auf Anfrage Angaben zu den Kosten der vorgeschlagenen Modelle: Eine 38-wöchige Elternzeit brächte demnach jährliche Zusatzkosten von 2,3 bis 2,8 Milliarden Franken mit sich – je nachdem, wie sich die Mütter und Väter die Elternzeit aufteilen.

Bei einer Finanzierung über die Erwerbsersatzordnung müsste der Lohnbeitrag von heute 0,45 Prozent auf bis zu 1,15 Prozent angehoben werden. Eine Elternzeit von je 15 Wochen würde gemäss den Berechnungen des Bundesamtes zu Mehrkosten von 1,8 Milliarden Franken pro Jahr führen.

Zum Vergleich: Ein zweiwöchiger Vaterschaftsurlaub würde pro Jahr 230 Millionen Franken kosten. Bei vier Wochen wären es 460 Millionen Franken, wie das Bundesamt für Sozialversicherungen festhält. Dem Bundesrat ist auch das zu viel: Ein Vaterschafts- oder Elternurlaub würde die Wirtschaft mit zusätzlichen Abgaben belasten, hält die Landesregierung fest. Die Urlaubsregeln für Väter sollten deshalb weiterhin in der Verantwortung der Arbeitgeber und der Sozialpartner liegen.

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