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Der Zufall macht Politik

Jede Stimme zählt. Auch wenn manchmal der Zufall Politik macht.
Sven Altermatt
Sven Altermatt

Sven Altermatt

Zu den abgedroschenen Politikerphrasen gehört ein Satz, den Kandidaten in Wahlkämpfen gerne bemühen: «Jede Stimme zählt.» Einen tiefen Sinn mögen darin die wenigsten erkennen. Im Gegenteil ist immer wieder von Stimmbürgern zu hören, dass sie nicht etwa aus Bequemlichkeit auf ihr Wahlrecht verzichten, sondern weil ja von vornherein schon alles klar sei.

Nun gut. Eine Wahl in Deutschland demonstriert dieser Tage eindrucksvoll, wie viel jeder Einzelne bewirken kann: Die FDP schafft den Einzug in den Thüringer Landtag doch noch. Ausschlaggebend dafür sind 73 Stimmen über der Fünf-Prozent-Sperrklausel. Ein Plus von 0,007 Prozent. Die fünf liberalen Abgeordneten könnten bei der schwierigen Regierungsbildung im ostdeutschen Bundesland nun eine wichtige Rolle spielen.

Zitterparteien bei Urnengängen gibt es zuweilen auch hierzulande. Bei den jüngsten Nationalratswahlen holte sich die Bündner SP ihr zweites Mandat mit gerade mal 64 Stimmen Vorsprung auf die GLP. In Luzern war es gerade umgekehrt: 280 Listenstimmen waren ausschlaggebend dafür, dass ein Nationalratssitz an die GLP und nicht an die SP ging. Unvergessen ist die wohl kurioseste Wahl aller Zeiten in der Schweiz.

Bei den Nationalratswahlen 2011 erhielten zwei Tessiner CVP-Kandidaten jeweils exakt 23'979 Stimmen. Das Los entschied über die Vergabe – Marco Romano hatte das Glück in der Wahllotterie auf seiner Seite. Jede Stimme zählt. Auch wenn manchmal der Zufall Politik macht.

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