Dialogverweigerung? Diesen Vorwurf der Klimajugend kann die Credit Suisse nicht nachvollziehen

Sie setze auf den Dialog mit Klimaschützern, mit denen ein konstruktiver Dialog möglich sei, schreibt die CS in einer Stellungnahme. Hausbesetzungen oder Sachbeschädigungen nehme sie aber nicht hin. 

Othmar von Matt
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Das historische Bankgebäude der Credit Suisse am Zürcher Paradeplatz.

Das historische Bankgebäude der Credit Suisse am Zürcher Paradeplatz.

Keystone

Bis jetzt hat die Credit Suisse seit 2017 Strafanzeigen «im einstelligen Bereich» eingereicht im Zusammenhang mit Klimaaktionen. Das schreibt die Bank in einer ausführlichen schriftlichen Stellungnahmen zu Fragen der «Schweiz am Wochenende». Erstmals nimmt die CS auch detailliert Stellung zur Studie «Banking on Climate Change» von 2019 von Nichtregierungsorganisationen. Sie zeigt auf, dass die CS weltweit auf Rang 14 jener Banken liegt, die in Unternehmen investieren, die mit fossilen Brennstoffen arbeiten. Es geht hier nicht nur um Kredite, betont die CS, sondern auch um Emissionstätigkeiten.

Klimaaktivisten sagen, die CS habe über Jahre hinweg den Dialog verweigert. Weshalb?

Die Credit Suisse steht in regelmässigem Austausch mit verschiedenen Anspruchsgruppen, gerade auch zu Umwelt- und Klimathemen. Deswegen hat uns der Vorwurf der Dialogverweigerung erstaunt. Seit 2018 hat sich die Credit Suisse über 50 Mal mit schweizerischen oder internationalen Nichtregierungsorganisationen (NGOs) persönlich getroffen oder sich telefonisch beziehungsweise brieflich ausgetauscht, beispielsweise mit Greenpeace, WWF, Rainforest Action Network, BankTrack und anderen NGOs.

Die CS war im November 2019 auch nicht bereit, den Brief symbolisch zu übernehmen, den die Klimajugend an 300 Banken und Versicherungen verschickte. Weshalb nicht?

Wir haben den Brief nicht entgegengenommen, weil er sich an 300 Banken und Finanzdienstleister richtet, die unterschiedliche Geschäfte tätigen und Interessen besitzen. Die Credit Suisse kann nicht stellvertretend für eine heterogene Gruppe von Unternehmen und Organisationen die Anliegen Dritter entgegennehmen – unabhängig davon, von wem das Schreiben kommt.

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Im Faktenpapier, das die CS am Montag publizierte, betont sie: «Die Credit Suisse heisst den Dialog mit allen Stakeholdern willkommen und ist in regelmässigem Kontakt mit Organisationen, die konstruktive Kritik äussern.» Zählt die CS die Klimastreik-Bewegung nicht zu den Stakeholdern, die konstruktive Kritik äussern?

Die geäusserten Anliegen sind wichtig, und auch Credit Suisse übernimmt im Kampf gegen den Klimawandel eine aktive Rolle. Wir schätzen den transparenten Austausch mit allen, die sich konstruktiv mit dem komplexen Thema auseinandersetzen – dazu gehört unserer Ansicht nach auch, dass man sich mit den Anstrengungen der Finanzindustrie beschäftigt. Wir setzen auf den Dialog mit jenen Klimaschützern, mit denen ein konstruktiver Dialog möglich ist. Hausbesetzungen oder Sachbeschädigungen auf unsere Filialen führen nicht zu einem konstruktiven Dialog und wollen wir nicht hinnehmen. Hier ist es auch die Aufgabe der Bank, ihre Kunden und Mitarbeiter vor Schaden zu bewahren und zu schützen. Es bleibt unsere Überzeugung, dass wirksame Massnahmen für den Klimaschutz gegenseitigen Respekt und die Einhaltung der Gesetze und Regeln erfordern.

Wieviele Strafklagen hat die CS in der Schweiz seit 2017 gegen Aktivisten des Klimastreiks eingereicht und mit welchen Tatbeständen? 

Die Bekämpfung des Klimawandels ist wichtig. Wir halten an dieser Stelle noch einmal fest: Die Credit Suisse reichte nicht Strafanzeige ein, weil sich Personen für den Klimaschutz oder gegen die Geschäfte der Credit Suisse einsetzen – sondern weil sie den Geschäftsbetrieb einschränkten (zum Beispiel Lausanne und Protest am Paradeplatz), Sachbeschädigung begingen (Genf) oder die Sicherheit unserer Aktionäre gefährdeten (GV). Die Zahl der Strafanzeigen bewegt sich im einstelligen Bereich.

«Die Zahl der Strafanzeigen bewegt sich im einstelligen Bereich.»

Verfolgt die CS bei Aktionen gegen ihre Banken wie in Lausanne, als es um zivilen Ungehorsam ging, weiterhin eine Strategie der Nulltoleranz?

Wir unterstützen den Dialog und sind überzeugt, dass dieser ohne Sachbeschädigung, Störung des Geschäftsbetriebs oder Gefährdung der Sicherheit Dritter geführt werden kann. Im Grundsatz gilt, dass wir unrechtmässige Handlungen im Interesse unserer Mitarbeiter, Kunden und Aktionären nicht hinnehmen. Über konkrete Schritte entscheiden wir von Fall zu Fall.

Die NGO-Studie «Banking on Climat Change» von 2019 zeigt, dass die CS bei Krediten an Unternehmen, die mit fossilen Brennstoffen arbeiten, weltweit auf Rang 14 aller Banken liegt. Sie investierte in den Jahren 2016 bis 2018 57,4 Milliarden Dollar. Wie viel Gewinn bringt das der CS?

Wir halten fest, dass es sich bei den 57 Milliarden US Dollar innerhalb von drei Jahren nicht nur um Kredite handelt, sondern auch Emissionstätigkeiten (Eigen- und Fremdkapital) eingerechnet sind. Als global tätiger Vermögensverwalter mit ausgeprägten Kompetenzen im Investment Banking hat die Credit Suisse ein anderes Geschäftsmodell als Banken, die beispielsweise nur in der Schweiz oder nur in der Vermögensverwaltung tätig sind. Bedeutend ist auch der Kontext, in dem solche Finanzierungen stattfinden: Nach wie vor basiert der grösste Teil der Energieversorgung (Strom, Heizung), des Transports (Personen und Waren auf Wasser, Strasse, Schiene, Luft), der Industrie (Stahl-, Zementherstellung, Alltagsgüter), der Landwirtschaft (Dünger, Treibstoffe) oder des Baus von Gebäuden auf Öl, Gas und Kohle. Während für gewisse dieser Bereiche bereits technische Alternativen bestehen, sind diese in anderen Fällen erst in Entwicklung. Diese Transformation der gesamten Wirtschaft benötigt Zeit und Kapital. Die Credit Suisse unterstützt ihre Kunden im Rahmen dieser Transition zu nachhaltigen Geschäftsmodellen. So haben wir beispielsweise seit 2010 über 110 Transaktionen mit einem Volumen von 94 Milliarden US-Dollar im Bereich der erneuerbaren Energien durchgeführt, und haben für unsere Kunden von 2013 bis 2019 die Emission von Green Bonds im Wert von 28 Milliarden US-Dollar begleitet. Was den Gewinn anbelangt: Wir weisen nicht aus, wie hoch der Gewinn in einzelnen Industrien ausfällt.

«Wir haben seit 2010 über 110 Transaktionen mit einem Volumen von 94 Milliarden US-Dollar im Bereich der erneuerbaren Energien durchgeführt.»

Die CS schreibt in ihrem Faktenpapier, das sie am Montag publizierte, der Prozentsatz der Kredite an Unternehmen im fossilen Bereich liege im «tiefen einstelligen Prozentbereich». Ist für Sie ein totaler Ausstieg aus diesem Bereich ein Thema?

Als globales Finanzinstitut anerkennt die Credit Suisse ihren Teil der Verantwortung bei der Bekämpfung des Klimawandels durch die Unterstützung des Übergangs zu einer kohlenstoffarmen und klimaschonenden Wirtschaft. Wir wollen bei der Bekämpfung des Klimawandels eine führende Rolle spielen und haben im Sommer 2019 eine Klima-Risiko-Strategie definiert und eingeführt. Im Rahmen dessen gaben wir jüngst bekannt, dass wir keine neuen Kohlekraftwerke mehr finanzieren. Ausserdem wollen wir unser Kreditportfolio an den Vereinbarungen des Pariser Klimaabkommens ausrichten.

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