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Die Berufsrisiken eines Botschafters

Michel Burtscher

Protest Zuerst musste Vize-Botschafterin Nathalie Marti im türkischen Aussenministerium antraben, später dann auch noch Botschafter Walter Haffner. Sie wurden am Wochenende von den Behörden in Ankara «einbestellt», wie es im diplomatischen Jargon heisst. Die Türkei protestierte so offiziell bei der Schweiz gegen das Anti-Erdogan-Plakat an einer Demonstration in Bern. «Diese Reaktion von Ankara darf nicht überbewertet werden», sagt der langjährige Schweizer Diplomat Max Schweizer.

Die Einbestellung des Botschafters ist in der Diplomatie eines von mehreren Mitteln, mit denen Staaten ihrem Ärger Luft machen können – und dabei eines der harmloseren. Die sanfteste Form der Kritik ist die Einladung des Diplomaten zu einem Gespräch ins Aussenministerium. Ist der Ärger grösser, kommt es zur Einbestellung. Es ist eine schärfere diplomatische Geste – und weil sie öffentlich gemacht wird, ist auch die Wirkung grösser. Wobei dies laut Schweizer nur in Ausnahmefällen an einem Wochenende passiert. Damit ist das diplomatische Arsenal aber noch lange nicht ausgeschöpft. Verschärft sich der Konflikt weiter, kann ein Staat den eigenen Botschafter im anderen Land zu Konsultationen einbestellen oder sogar abberufen. Zudem können diplomatische Vertreter aufgefordert werden, das Land zu verlassen. So ist es im Wiener Übereinkommen über diplomatische Beziehungen geregelt.

Die Diplomaten geben sich die Klinke in die Hand

Die Einbestellung des Botschafters ist laut Schweizer das diplomatische Mittel, zu dem die Türkei gerade im Vergleich zu westeuropäischen Ländern oft und gerne greift. Im Aussenministerium in Ankara geben sich die ausländischen Diplomaten in letzter Zeit tatsächlich die Klinke in die Hand. In den vergangenen Wochen wurden auch die Botschafter von Deutschland, Norwegen und der Niederlande einbestellt. «Der türkische Präsident lässt das gerne machen, um der Welt seinen Ärger zu zeigen», sagt Schweizer. Das müsse nicht zwingend weitere Konsequenzen haben für die Beziehung zwischen den Ländern.

Für den Botschafter selbst sei es aber trotzdem keine angenehme Situation, sagt Schweizer. Der Ex-Diplomat spricht aus eigener Erfahrung. Er war zwischen 2003 und 2007 in der Türkei stationiert – und wurde in dieser Zeit als Vize-Botschafter selbst einmal einbestellt. Streitpunkt damals war das Thema Armenien. Im Aussenministerium in Ankara hätten hochrangige Diplomaten dann ein «intensives Gespräch» mit ihm geführt, erinnert sich Schweizer. Damit müsse man umgehen können, sagt er.

Mehrere Aussenpolitiker ärgern sich jedoch über die Einbestellung der zwei Schweizer Diplomaten. «Diese Reaktion der Türkei ist nicht nur eine Demütigung für den Botschafter, es ist ein Witz», sagte Roland Rino Büchel, St. Galler SVP-Nationalrat und der Präsident der Aussenpolitischen Kommission, dem «Blick». Diese Einschätzung teilt Schweizer nicht: Das sei keine Demütigung, sondern gehöre zum Beruf. Er hält auch nicht viel von einer schärferen Reaktion der Schweiz. Die Türkei ziehe im Moment eine innen- und aussenpolitische Show ab, sagt der Ex-Diplomat. «Wir sollten ihr keinen Grund geben, die Situation eskalieren zu lassen», so Schweizer. In der jüngeren Vergangenheit ist es immer wieder zu diplomatischen Verstimmungen gekommen zwischen der Schweiz und der Türkei. 2003 beispielsweise sah sich die Schweiz gezwungen, den türkischen Botschafter in Bern einzubestellen. Dies als Reaktion auf die kurzfristige Absage eines offiziellen Arbeitsbesuchs der damaligen Aussenministerin Micheline Calmy-Rey in der Türkei. Die dortigen Behörden begründeten die Ausladung mit einem Entscheid des Waadtländer Kantonsparlaments, das kurz zuvor einem Vorstoss zum Völkermord an den Armeniern zugestimmt und so offiziell den Völkermord anerkannt hatte. Als erste Reaktion hatte Ankara den Schweizer Botschafter einbestellt.

Michel Burtscher

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