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Die FDP ruft ins Trainingscamp

Ein Intensivkurs für Wahlkämpfer und Kandidaten, dazu ein neues Tür-zu-Tür-Konzept: Die FDP kämpft mit neuen Methoden um zusätzliche Stimmen.
Othmar von Matt
Die FDP will ihr Wählerpotenzial besser ausschöpfen. (Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone (Freiburg, 15. März 2018))

Die FDP will ihr Wählerpotenzial besser ausschöpfen. (Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone (Freiburg, 15. März 2018))

Eine höfliche Anfrage per E-Mail reichte aus. Und schon reiste die Wahlkampf-Crew der europäischen Allianz der Liberalen und Demokraten (Alde) im Sommer 2018 gratis nach Bern. Das Ziel: Sie sollte der FDP Schweiz – ein Alde-Mitglied – helfen, ein Konzept für den Wahlkampf «Door-to-Door», von «Tür-zu-Tür» zu erstellen. Dieses Konzept steht inzwischen. Für ihren «Tür-zu-Tür»-Wahlkampf hat die FDP in den kommenden kantonalen Wahlen zehn Pilotgemeinden ausgesucht, in denen Erfahrungen für die nationalen Wahlen gemacht werden sollen.

Die Idee: Freiwillige, sogenannte Türler, sollen möglichst viele «Tür-zu-Tür»-Kontakte mit potenziellen Wählern machen. Übertragen auf die Wahlen 2019 kann man sagen: Schafft die Crew 8000 neue persönliche Kontakte, sind das zwei Prozent der 400 000 FDP-Wähler von 2015. Damit würde die FDP ein Prozent zulegen. «‹Tür-zu-Tür› ist ein wesentlicher Teil unserer Mobilisierungskampagne», sagt Matthias Leitner, Verantwortlicher des FDP-Wahlkampfs. «Es geht um Türklinkenputzen. Aber nicht um klassisches, sondern um datenbasiertes Türklinkenputzen.» Noch vor vier Jahren wäre es undenkbar gewesen, dass Freisinnige an Türen geklingelt und sich als FDPler geoutet hätten, glaubt er. «Heute sind die Leute stolz, Flagge zu zeigen.»

Junge Amerikanerin hilft der FDP

Das nutzt die FDP. Ihr neues «Tür-zu-Tür»-Konzept stellt sie Wahlkämpfern und Kandidaten in einem Trainingscamp vom 1. bis 3. Februar vor. Die Besucher können da unter 18 Modulen wählen: von Social Media (Marketing, Datenanalyse) über Bearbeitung von Fotos und Videos bis hin zu Debattentraining und Fundraising. Kern des Camps sind die Schulungen zu «Door-to-Door» und zum US-Tool Nationbuilder, einem der modernsten Online-Kampagnen-Werkzeuge. Barack Obama und Emmanuel Macron gewannen ihre Wahlen damit. Eigens für das Trainingscamp reist die Wahlkampf-Crew der Allianz der Liberalen erneut aus Brüssel an. Eine Schlüsselrednerin wird Laura Laussade sein, eine junge Europa-Amerikanerin, die unter anderem in Philadelphia bei Hillary Clinton Erfahrungen im «Tür-zu-Tür»-Wahlkampf gesammelt hat. Zu den Nationbuilder-Anwendungen referiert Laura Owen, Alde-Engagement-Spezialistin. Über Strategie und Datenanalyse bei Social Media spricht Katrin Grothe. Sie war während des Bundestagswahlkampfs 2017 verantwortlich für die Social-Media-Kanäle des Parteivorsitzenden Christian Lindner. Er hat auf Twitter 318 000 Follower. Dass eine Partei ihre Freiwilligen und Kandidaten so umfassend auf den Wahlkampf vorbereitet, ist neu. «Ausbildung, Technologie und Spezialwissen sind heute sehr gefragt», sagt Leitner dazu. «Wir wollen den Leuten Inspirationen und Ideen geben. Und wir versprechen uns mit dem Trainingscamp auch eine interne Mobilisierung.»

Die FDP hat hier Nachholbedarf. Die Selects-Studie zu den Wahlen 2015 zeigt: Die FDP konnte zwischen 2011 und 2015 das Wählerpotenzial am deutlichsten von allen Parteien steigern, von nur gerade 20 Prozent potenzieller Wähler auf 34 Prozent. Sie gaben an, mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit FDP zu wählen. Leitner: «Bisher schöpfen wir nur gerade 16,4 Prozent aus.» Das will die FDP mit dem «Tür-zu-Tür»-Wahlkampf ändern.

Per App in die FDP-Strassen

Bei der Datenanalyse stützt sich die Partei auf die Sinus-Milieus. Das Sinus-Institut hat 2013 die Schweizer Lebenswelten von Bürgern und Konsumenten in zehn Milieus aufgeteilt: von Arrivierten über digitale Kosmopoliten, Gehoben-Bürgerliche bis hin zu Genügsam-Traditionellen. Unternehmen und NGOs stützen sich bei Marketing-Aktionen darauf. Das GfS-Forschungsinstitut hat die Sinus-Milieus für die FDP auf das politische Milieu umgerechnet. Vor allem aber hat GfS berechnet, wo in den Pilotgemeinden die Strassen mit dem höchsten FDP-Potenzial liegen. Diese Strassen werden den Wahlkämpfern auf einer neuen App grün angezeigt, Strassen mit mittlerem Potenzial orange und Strassen mit tiefem Rot.

Es geht dabei um die Ecanvasser-App, ein Tool, das einen effizienten «Tür-zu-Tür-Wahlkampf» ermöglicht, mit direkter Kommunikation auf die App aus der Zentrale. An der Haustüre lassen sich Informationen auch in die App eingeben. «Doch wir schulen und sensibilisieren unsere Freiwilligen auf den Datenschutz», sagt Leitner. Auf der App selbst tauchen nur die Strassen und die Hausadressen auf. Namen werden keine verwendet.

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