Die grössten Kontroversen um Bischof Vitus Huonder

Drucken
Teilen

Wahl 2007:Nach dem Rücktritt von Amédée Grab braucht das Bistum Chur einen neuen Bischof. Die Wahl wird durch das Domkapitel, einem Gremium bestehend aus 24 Priestern, durchgeführt. Zur Wahl stehen drei von Rom vorgeschlagene Kandidaten. Neben zwei unbekannten Kirchenmännern figuriert der Name des langjährigen Churer Generalvikars Vitus Huonder auf der Liste, dieser wird schliesslich gewählt. Kritiker sprechen von einer Farce und fürchten eine zweite Ära Haas. Die Amtszeit von Vitus Huonder steht von Anfang an unter einem schlechten Stern.

Göttliches Recht 2011:In einem Hirtenbrief zum Tag der Menschenrechte schrieb Bischof Vitus Huonder: «Die Kirche nimmt die Menschenrechtserklärung zur Kenntnis.» Den Menschenrechten voraus gehe immer das «göttliche Recht». Der Brief wurde von Huonders Kritikern dahingehend interpretiert, dass der Bischof göttliches Recht über weltliches Recht stelle. Der ehemalige Bundesrichter Giusep Nay sagte dazu, das sei ein «untauglicher Versuch, das Rad der Geschichte zurückzudrehen und der katholischen Kirche wieder eine staatsrechtliche Vorzugsstellung einräumen zu wollen».

Geschiedene Wiederverheiratete 2012:Wieder in einem Hirtenbrief stellt Huonder klar, dass geschiedene Wiederverheiratete von den Sakramenten ausgeschlossen sind. Diese Menschen lebten in «schwerer Sünde», so der Bischof. Der Brief sorgt für Unmut in den Pfarreien. Zahlreiche Priester weigern sich, das Schreiben des Bischofs am Sonntag ihrer Kirchgemeinde vorzulesen. Huonder kommentierte den Protest in einem Interview lapidar: «Beliebt waren auch die Zehn Gebote nie.»

Genderismus 2013:Auch zum Thema Gender äusserte sich der Bischof mittels Hirtenbrief. Er behauptete, dem sogenannten «Genderismus» gehe es vordergründig um die Gleichstellung der Geschlechter. In Wahrheit handle es sich aber um einen «Angriff auf Ehe und Familie als die tragenden Strukturen unserer Gesellschaft». Auch betrachte der «Genderismus» jede sexuelle Identität als gleichwertig. Der Brief wurde harsch kritisiert. «Mit heiligem Eifer gegen Homosexuelle», kommentierte etwa der «Tages-Anzeiger».

Der «Lesbensegner» 2014:Im Urner Dorf Bürglen segnet der Pfarrer Wendelin Bucheli ein lesbisches Paar. Der Fall macht schweizweit Schlagzeilen, der Boulevard bezeichnet Bucheli als den «Lesbensegner». Das passt Bischof Huonder gar nicht. Er verfügt die Versetzung des Pfarrers. «Sein Handeln hat über die Landesgrenzen hinaus Aufsehen erregt und bei vielen Gläubigen Ärgernis ausgelöst», sagte Huonders Sprecher Giuseppe Gracia. Doch die Bürgler Bevölkerung und die Kirchgemeinde stellen sich hinter Bucheli und wollen ihn nicht ziehen lassen. Schliesslich kommt es zu einer Einigung zwischen Huonder und dem aufmüpfigen Pfarrer: Bucheli darf in Bürglen bleiben, muss aber versprechen, künftig auf die Segnung von homosexuellen Paaren zu verzichten.

Homosexualität 2015:An einem Kirchenkongress im deutschen Fulda zitierte Huonder eine pikante Bibelstelle: «Schläft einer mit einem Mann, wie man mit einer Frau schläft, dann haben sie eine Gräueltat begangen. Beide werden mit dem Tod bestraft.» Was folgt, ist ein Sturm der Entrüstung. Der Homosexuellenverband Pink Cross erstattet Strafanzeige gegen Huonder. Markus Büchel, Bischof von St. Gallen, schreibt einen Brief an seine Mitarbeiter, der als Distanzierung von Huonder gelesen werden kann. Huonder selbst spricht von einem «Missverständnis».(dlw)