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Abstimmung nach Skandalen: Die Kaderschmiede HSG will mehr Platz

Spesenskandal, umstrittene Nebenjobs von Professoren – die Universität St. Gallen hat ereignisreiche Monate hinter sich. Ausgerechnet jetzt stimmen die St. Galler über Ausbaupläne der HSG ab.
Dominic Wirth
In den Gebäuden der Universität St. Gallen auf dem Rosenberg herrscht Platznot. Ein Ausbau soll Abhilfe schaffen. (Bild: Adriana Ortiz Cardozo)

In den Gebäuden der Universität St. Gallen auf dem Rosenberg herrscht Platznot. Ein Ausbau soll Abhilfe schaffen. (Bild: Adriana Ortiz Cardozo)

Kaderschmiede der Wirtschaft, Leuchtturm einer ganzen Region, internationale Spitzenhochschule: Wenn es um die Universität St. Gallen geht, dann wird es schnell einmal überschwänglich. Doch damit ist es seit einiger Zeit vorbei. In den letzten Monaten erschütterte die HSG, wie sie im Volksmund nur heisst, eine ganze Reihe von Krisen. Und das zu einer Zeit, in der in St. Gallen gerade entscheidende Weichen für die Zukunft der Hochschule gestellt werden.

Ihren Anfang nahm die schwarze HSG-Serie im März 2018. Damals trat einer ihrer Professoren, Johannes Rüegg-Stürm, im Zuge der Affäre um den Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz als Verwaltungsratspräsident der Bank zurück. Die Finanzmarktaufsicht warf ihm später vor, seine Aufsichtspflichten bei Raiffeisen vernachlässigt zu haben. Das bedeutete auch für die HSG, an der Rüegg-Stürm das Institut für systemisches Management und Public Governance leitet, einen Imageschaden. Und löste in der St. Galler Politik eine Debatte über die Nebenjobs von HSG-Exponenten aus. Diese wurde weiter angefacht, als auch Rektor Thomas Bieger im Zusammenhang mit seinem VR-Mandat bei den Jungfraubahnen in die Schlagzeilen geriet.

Kanton soll 160 Millionen zum Ausbau beisteuern

Weiteres Ungemach brachte der Spesenmissbrauch an einem der HSG-Institute. Der Universitätsrat eröffnete im Juni letzten Jahres eine Administrativuntersuchung. Die Geschichte zog sich über Monate hin – und endete mit einer Strafanzeige gegen den fehlbaren Professor, Peter Sester, der daraufhin zurücktrat. Im Raum steht eine Schadensumme von 100 000 bis 120 000 Franken. Wenig später enthüllte das «St. Galler Tagblatt», dass auch an anderen Instituten grosszügig Spesen verrechnet worden waren. Das führte zu empörten Reaktionen – und einem von der Universität eilig vorgestellten Massnahmenplan.

Ausgerechnet in diesen turbulenten Zeiten muss nun das St. Galler Stimmvolk am Sonntag über Ausbaupläne der HSG befinden. Die Universität leidet an ihrem Standort auf dem Rosenberg schon seit längerem unter akuter Platznot. Diese soll ein Neubau nahe der St. Galler Altstadt beheben. Rund 200 Millionen Franken wird das Projekt, das Raum für 3000 Studierende und Dozierende bietet, kosten – einen Grossteil davon, 160 Millionen, soll der Kanton beisteuern. Es geht also um viel für die HSG, und angesichts der Vorgeschichte erstaunt es nicht, dass bei HSG-Exponenten vor der Abstimmung eine gewisse Nervosität spürbar ist. Die Beziehung der St. Galler zur HSG ist seit jeher keine innige. Das gilt für die ländlichen Regionen, wo man sich wenig für die Universität interessiert. Und es gilt auch für die Stadt, in der viele ein wenig fremdeln mit der Eliteuni auf dem Berg. Die trägt zwar den Namen St. Gallens in die Welt hinaus, ist im täglichen Leben aber wenig spürbar. Die Studenten bleiben oft unter sich – und ziehen in den meisten Fällen wieder weg, sobald sie ihren Abschluss in der Tasche haben.

Es spricht wenig für einen Denkzettel

Trotz allem spricht aber wenig dafür, dass die St. Galler der HSG am Sonntag einen Denkzettel verpassen. Der Abstimmungskampf ist lau. Nur die Juso wollen vom hauptsächlich kantonal finanzierten HSG-Ausbau nichts wissen, «Nein zum Geld für Bonzen-Uni» heisst es bei ihnen. Alle anderen Parteien von links bis rechts werben Seite an Seite für ein Ja.

Das gilt auch für die Sozialdemokraten, die der HSG eigentlich nur schon aus ideologischen Gründen stets mit einer gewissen Skepsis begegnet sind. Max Lemmenmeier, der Präsident der SP-Kantonalpartei, sagt, man müsse differenzieren. «Beim Campus-Ausbau geht es um eine Verbesserung der Lern- und Lehrbedingungen. Die braucht es angesichts der engen Platzverhältnisse dringend», so Lemmenmeier. Zudem sei das Projekt auch aus städtebaulicher Sicht zu begrüssen: «Ich hoffe, dass die Universität dank ihrem neuen Standort in Zukunft in der Stadt mehr zu spüren sein wird.»

Die Zeichen stehen am Sonntag also auf Ja. Doch die HSG-Debatte ist in St. Gallen noch lange nicht zu Ende. Bald steht die Revision des Universitätsgesetzes an. Und SP-Präsident Lemmenmeier macht deutlich, dass seine Partei auf eine stärkere Kontrolle der HSG pochen wird. Er denkt an klarere Regeln bezüglich der Nebenjobs oder dem Lehrstuhl-Sponsoring. FDP-Fraktionschef Beat Tinner, der wiederholt mit Kritik an der HSG aufgefallen war, sagt, er erachte Nebenbeschäftigungen «nicht grundsätzlich als problematisch». Es brauche aber «selbstverständlich klare Regeln». Ganz folgenlos dürften die jüngste HSG-Krise für die Universität also nicht bleiben.

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