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Keller-Sutters grösster Konkurrent hat ein Problem

Der umstrittene Verkauf der Valser Therme behindert Martin Schmids Ambitionen.
Roger Braun
Martin Schmid (Bild: Keystone)

Martin Schmid (Bild: Keystone)

Er gilt neben Karin Keller-Sutter als aussichtsreichster Bundesratskandidat der FDP: der Bündner Ständerat Martin Schmid. Im Parlament ist man des Lobes voll über den 49-Jährigen: Seriös sei er, arbeitsam, zuverlässig, dossiersicher und vor allem: blitzgescheit. Die Karriere Schmids ist atemberaubend. Mit 25 war er Kantonsrat, mit 33 Regierungsrat, mit 42 Ständerat. Schon in der Kantonsschule galt es als ausgemacht: Der Martin wird einmal Bundesrat.

Wäre da nicht diese Sache. Wer sich im Bündnerland umhört, kommt schnell auf Schmids Beziehung zum umstrittenen Immobilienhändler Remo Stoffel zu sprechen. Schmid und Stoffel kennen sich seit langen Jahren, wohnen im selben Quartier in Chur und haben Kinder in etwa demselben Alter. Doch was sie vor allem verbindet, ist ihr Bürgerort: das idyllisch gelegene Dorf Vals. Im März 2012 beschliesst die Gemeinde in einer hochemotionalen Versammlung, das Thermalbad sowie die dazugehörenden Hotels an Stoffel zu verkaufen. Bis heute behaupten die Gegner, es sei damals nicht mit rechten Dingen zugegangen. Dem Kanton werfen sie vor, unter der Führung des damaligen Regierungsrats Schmid über Gebühr Einfluss genommen zu haben, damit Stoffel die Therme unter Wert erwerben konnte.

Korruptionsexperten wundern sich über Knebelvertrag

Ungereimtheiten gibt es beim Verkauf zuhauf. Im Auftrag der Gemeinde verwaltete damals die Hotel- und Thermalbad Vals (Hoteba AG) den Betrieb. Im April 2011 schloss diese eine eigenartige Absichtserklärung ab. Der Verwaltungsrat sicherte Stoffel ein exklusives Verhandlungsrecht zu. Zudem verpflichtete er sich, Stoffels Unternehmen Stoffelpart eine halbe Million Franken zu bezahlen, sollte die Hoteba die Verhandlung abbrechen oder die Gemeindeversammlung das Angebot ablehnen. «Der Verwaltungsrat war bereit, sich an die Stoffelpart zu binden, noch bevor er deren Angebot kannte», kritisiert Strafrechtprofessor Mark Pieth, der zuhanden der Regierung ein Gutachten verfasst hat.

Auch die Informationspolitik des Verwaltungsrats stimmt den renommierten Korruptionsexperten skeptisch. Als sich eine alternative Käufergruppe um Thermenarchitekt Peter Zumthor für den Kauf interessierte, verweigerte ihnen der Verwaltungsrat einen vertieften Einblick in die Geschäftszahlen. Nicht einmal die damalige Gemeindepräsidentin war beim Verkauf über die finanziellen Verhältnisse im Bilde, was die Suche nach alternativen Käufern erschwerte. Der St. Galler Staatsrechtler Rainer Schweizer sagt: «Meiner Auffassung nach gehört der Verkauf der Therme zu den grossen Korruptionsfällen in Schweizer Gemeinden.» Er stützt sich dabei auch auf ein Gutachten einer Treuhandfirma, die millionenschwere stille Reserven in der Bilanz der Hoteba ausgemacht haben will.

Pieth empfahl der Bündner Regierung, Anzeige gegen unbekannt einzureichen, vor allem «was die Phase der Vorbereitung des Verkaufs betrifft». Es sei zu klären, ob sich jemand einen illegalen Vorteil verschafft habe. Die Regierung tat wie geheissen. Seit März 2017 untersucht ein ausserkantonaler Staatsanwalt die damaligen Vorgänge.

Schmid soll seinem Freund Stoffel den Weg geebnet haben

Martin Schmid war von 2008 bis 2011 Vorsteher des Departements Finanzen und Gemeinde, das ebenfalls in den Verkauf der Therme involviert war. Für den einstige Präsidenten der Therme-Baukommission, Peter Schmid, ist es ausgemachte Sache, dass der heutige Ständerat eine treibende Kraft hinter dem Handwechsel war. «Für die Tatsache, dass Martin Schmid beim Einfädeln der Übernahme die Fäden spann, gibt es zahlreiche klare Hinweise und Aussagen», sagt der Sprecher der «besorgten Bürger von Vals», die seit über sechs Jahren gegen den Verkauf ankämpfen. Kritisch über den Ständerat äussert sich auch die ehemalige Gemeindepräsidentin Margrit Walker-Tönz. «Martin Schmid hat hinter den Kulissen alles dafür getan, dass Remo Stoffel die Therme unter Wert übernehmen konnte, und damit Vals kaputtgemacht», sagt Walker-Tönz. Seither sei die Gästezahl in Vals um die Hälfte eingebrochen. Für die Parteilose ist klar: «Wenn dieses Schlitzohr Bundesrat wird, halte ich nichts mehr von unserer Landesregierung.»

Zwei Ereignisse zeigen für Walker-Tönz, dass Schmid in höchstem Masse involviert war. Er sei der Erste gewesen, der ihr bereits im Jahr 2010 von einem finanzkräftigen Investor erzählt habe. Auch erwähnt sie die Gemeindeversammlung, die über den Verkauf zu befinden hatte. Vorgesehen als Referent war auch Schmid – obschon dem Kanton schon damals angekreidet wurde, sich zu stark für Stoffel einzusetzen. Schliesslich verzichtete Schmid auf den Auftritt. Walker-Tönz sagt, er habe kalte Füsse bekommen wegen seiner damals anstehenden Ständeratskandidatur. Schmid war für keine Stellungnahme zu erreichen. Früher hatte er zum Verkauf gesagt: «Ich habe in dieser Entscheidungsfindung in keiner Art und Weise Einfluss genommen.» In Graubünden sagen viele, der Fall Vals sei typisch für die Karriere von Schmid. «Schmid ist zu vielseitig verbandelt, um ein glaubwürdiger Bundesrat zu sein», sagt der ehemalige Bündner SP-Nationalrat Andrea Hämmerle. Er verweist auf die 18 Mandate, die der Wirtschaftsanwalt derzeit innehat. «Falls er wider Erwarten Bundesrat werden sollte, droht ihm die Gefahr, von der Vergangenheit eingeholt zu werden.»

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