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Die Liebe war stärker

Pfarrer Marcel Köhle aus Brigels will heiraten und seine Liebe öffentlich leben. Die Kirchgemeinde setzt sich für ihren Seelsorger ein. Der Ausgang ist ungewiss.
Balz Bruder
Der Pfarrer von Brigels, Marcel Köhle (Bild: PD)

Der Pfarrer von Brigels, Marcel Köhle (Bild: PD)

Es ist nicht so, dass sich die Geschichte anderswo nicht auch schon zugetragen hätte. Da verliebt sich ein katholischer Priester in eine Frau, kommt mit dem Pflichtzölibat in Konflikt, soll aus Amt und Würden ausscheiden – und dann regt sich Widerstand in der Gemeinde. Eben so geschehen auf der wunderbaren Brigelser Sonnenterrasse in der Surselva, wo Pfarrer Marcel Köhle (35) bis vor kurzem beliebter Pfarrer war. Nicht gegen die verbotene Liebe des Pfarrers lehnt sich die Dorfbevölkerung auf, sondern gegen das «grauenhafte Gesetz» von 1139, in dem das zweite Laterankonzil das Versprechen zur Verpflichtung der Ehelosigkeit festschrieb.

Bistum erwirkt Berufsverbot

Der dies grauenhaft findet, ist der Theologe Josef Hochstrasser, der vor vier Jahrzehnten Gleiches erlebt hatte. Zuerst erwirkte das Bistum ein Berufsverbot gegen ihn, dann trat er der Reformierten Kirche bei und war lange als Pfarrer tätig. Der bekannte Buchautor nimmt das Jesuswort vom «Gesetz, das im Dienst des Menschen steht und nicht umgekehrt» wörtlich. Heiraten sei ein Menschenrecht, sagt Hochstrasser und ermutigt die Brigelser in der «Südostschweiz», für ihren heiratswilligen Pfarrer am Hof des Churer Bischofs einzustehen.

Kein einfaches Unterfangen. Und eines, das mit Risiken für die Kirchgemeinde behaftet ist. Bis zum Ausschluss aus dem Bistum. Doch das ficht Kirchgemeindepräsident Sep Cathomas nicht an. Das Pflichtzölibat sei «unwürdig und unchristlich», sagt er. Dies, nachdem Köhle der verdutzten Kirchgemeinde in der Sonntagsmesse eröffnet hatte, es sei ihm klar geworden, die Liebe zu einer Frau auch öffentlich leben zu wollen. Cathomas bedauert den Schritt von Köhle nicht nur aus Unverständnis für eine überkommene katholische Regel, sondern auch und vor allem, weil Köhle ein äusserst beliebter Pfarrer ist.

Brigelser bedauern seinen Abgang

Er ist jung, aufgeschlossen, ist einer, der frei und wunderbar predigen kann. «Man hatte das Gefühl, dass er aus dem Vollen schöpfen kann, er sprudelte vor Ideen und konnte dies am Sonntag wiedergeben, ohne etwas von einem Zettel abzulesen», schwärmt der Kirchgemeindepräsident. Das Bedauern der Brigelser ist denn auch gross: «Ich bin enttäuscht. Der Pfarrer ist ein guter Mann, und wir hatten ihn sehr gerne. Aber das ist sein Entscheid.» Lieber jetzt so, als wenn er irgendwann unglücklich wäre, fasste ein älterer Mann die Befindlichkeit gegenüber der lokalen Zeitungsreporterin zusammen.

Dass Jesus vorgesehen habe, einem Priester solche Gewissenskonflikte aufzuladen, wie sie der Pfarrer von Brigels mit sich austragen musste, glaubt Sep Cathomas nicht. «Ich verstehe, wenn Gläubige jetzt aus der Kirche austreten, und es würde mich nicht wundern, wenn es in Brigels dazu kommt», sagt er. Vielleicht, vielleicht kommt aber doch noch alles ganz anders. Wird Marcel Köhle von seinen priesterlichen Verpflichtungen befreit, ist es grundsätzlich denkbar, dass er nach der Dispens als Pastoralassistent im Laienstand tätig wird. Voraussetzung dafür wäre allerdings, dass das Bistum seinen Segen zur seelsorgerlichen Tätigkeit gibt.

Ob die Brigelser ihre Hoffnungen ausgerechnet auf den Bischof von Chur setzen mögen, ist die eine Frage. Die andere: Wer hat die Zeit, auf Rom und die Aufhebung des Pflichtzölibates zu warten? Marcel Köhle beantwortete die Frage für sich so: «Die ständige Auseinandersetzung mit dem Zölibatsversprechen und der Frage, was ich mit meinem Leben will, haben mir persönlich gezeigt, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist, diesen Schritt zu machen und einen Neuanfang zu wagen.»

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