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Die Luftwaffe ist zum Prügelknaben geworden

Bundeshausredaktorin Eva Novak über die Unfallserie bei der Schweizer Luftwaffe.
Eva Novak

Eva Novak

Schon wieder. Erneut hat diese Woche ein Pilot der Schweizer Luftwaffe bei einem Unfall mit einem Militärflugzeug das Leben verloren. Er ist mit einem PC-7-Trainingsflugzeug am vergangenen Dienstagmorgen am Schreckhorn oberhalb von Grindelwald abgestürzt.

Während die militärische Fliegerei weltweit sicherer wird, geschieht in der Schweiz das Gegenteil:Nach elf Jahren ohne tödlichen Unfall reiht sich seit 2013 Absturz an Absturz. Sechs Tote, zwei Verletzte, vier zerstörte Kampfjets und ein Transporthelikopter sind die traurige Bilanz. Ist die Luftwaffe von der Statistik eingeholt worden, wie ihr Kommandant Aldo C. Schellenberg sagt?

So einfach ist es leider nicht. Zwar hatte die Armee bis ins späte 20. Jahrhundert regelmässig Unfälle zu beklagen. Allerdings mit einem Vielfachen an Flugzeugen. Zu Beginn der 1980er-Jahre etwa, als sich die Unfälle ebenfalls häuften, zählte die Flotte weit über 600 Kampfjets, Trainingsflugzeuge und Helikopter. Heute sind es alles in allem noch 122. Gemessen an der Flottengrösse ist die aktuelle Unglücksserie beispiellos in ihrer Art.

Es gibt Hinweise, woran das liegen könnte.Da ist zum einen die garstige politische Grosswetterlage, die den verbliebenen Piloten zu schaffen macht. Die Luftwaffe ist zum Prügelknaben verkommen. Das Volk hat ihr neue Kampfjets verweigert, im Parlament ist von «Bubenspielen» die Rede, und auf Anfang kommenden Jahres wird die Teilstreitkraft Luftwaffe abgeschafft. Da liegt die Frage nahe: Wie ist in einer solchen «Firma» die Moral?

Zum anderen stellt sich die Frage nach einem gemeinsamen Nenner der jüngsten Unfälle. Zwar sind sowohl Berufs- als auch Milizpiloten betroffen, und die Umstände waren jedes Mal anders. Bei genauem Hinsehen aber gibt es Parallelen. Beim jüngsten Unglück etwa ist der Pilot im Sichtflug auf einer Höhe geflogen, in der keine Sichtflugbedingungen herrschten. Dazu war das Wetter zu schlecht.

Das erinnert an den Absturz des F/A-18 vor knapp vier Jahren am Lopper, der den Beginn der Unglücksserie markierte.Auch da flog der Pilot im Sichtflug, und auch da war die Sicht ausgesprochen schlecht. Welche Flugvorbereitung hatte er dem Flugdienstleiter vorlegen müssen? Wie gründlich wurde diese geprüft? Ähnliches gilt für fast alle Unfälle der letzten Jahre. Mutmassliche Defizite bei der Flugvorbereitung sind als roter Faden erkennbar, der sich durch die schwarze Serie zieht.

Es geht da um die Flight Safety, für die letztlich der Kommandant zu sorgen hat.Wenn ihm das nicht gelingt, zieht er die Konsequenzen. Als bei der US-Navy kürzlich zweimal hintereinander ein Zerstörer mit einem Handelsschiff kollidierte, wurde der Kommandant der siebten Flotte unmittelbar vor seiner Pensionierung abgelöst. Andere reagierten von sich aus, auch in der Schweiz. Nach dem Beinahe­zusammenstoss zwischen einem Tiger-Kampfjet und einer zivilen Crossair-Maschine trat der inzwischen verstorbene Luftwaffenchef Werner Jung 1992 zurück.

Er übernahm die Verantwortung, obwohl kein Mensch zu Schaden gekommen war. Damit hat er sich bis heute den Respekt aller Luftwaffenangehörigen gesichert. Obwohl er gar kein Pilot war – ganz wie der heutige Luftwaffenkommandant Aldo Schellenberg.

Eva Novak

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