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Die Milch ernährt viele Bauern nicht mehr

Preiszerfall
Richard Clavadetscher

Die Schweiz ist ein Milchland. Das verwundert weiter nicht, denn sowohl die klimatischen als auch die topografischen Verhältnisse machen sie dazu; sie eignen sich für die Gras- und Raufutterproduktion. Folgerichtig hat die Kuhmilch seit dem Mittelalter bis heute in der landwirtschaftlichen Produktion grosses Gewicht. Fast die Hälfte der Schweizer Landwirtschaftsbetriebe ist denn auch in diesem Sektor tätig. Da die produzierte Milchmenge die Absatzmöglichkeiten im Inland übersteigt, kommt dem Export von Milchprodukten (Käse) grosse Bedeutung zu.

Heute aber leiden viele Milchproduzenten. Denn vorbei sind jene Zeiten, in denen staatliche Preis- und Absatzgarantien sowie das Korsett der einzelbetrieblichen Milchkontingentierung den Milchbauern ein im Vergleich zu heute recht sorgenfreies Leben bescherten. Stattdessen erodiert der Milchpreis in einem teilliberalisierten Markt seit Jahren und zwingt jährlich rund 800 Milchproduzenten zum Aufgeben. Hauptgrund für den Preiszerfall ist einerseits die gestiegene Milchmenge. Anderseits wirkten sich die Entwicklungen auf den internationalen Märkten negativ auf die Preise aus. Das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage in Europa und weltweit, aber auch die Frankenstärke waren es in erster Linie, die die Produzentenpreise drückten.

Folge der Aufhebung der Milchquote in der EU

Besondere Bedeutung für den Preiszerfall der Milch in der Schweiz hatte zweifellos die Aufhebung der Milchquote in der Europäischen Union (EU) am 1. April 2015. Seither können dort die Bauern so viel Milch produzieren, wie ihnen beliebt. Das taten sie denn auch – mit der Folge, dass die Preise massiv sanken.

Dies wiederum blieb nicht ohne Folgen für die Schweiz. Wegen des Käsefreihandels mit der Europäischen Union unterliegt laut Experten etwa die Hälfte der hiesigen Milchmenge den Preisentwicklungen in der EU. Betroffen davon sind in erster Linie Produzenten von Molkereimilch und Industriemilch. Weniger betroffen vom Preiszerfall sind Landwirte, die Milch für die Produktion von auch im Ausland bekannten und beliebten Käsesorten liefern. Sie erhalten nach wie vor Produzentenpreise, die gegen einen Drittel höher liegen als jene für die Industriemilch. Ähnliches, wenn auch in geringerem Umfang, gilt für die Produzenten von Biomilch.

Auf den Preiszerfall reagierten die Schweizer Bauern zuerst wie schon die Landwirte in der EU: Um dieselben Erträge zu erzielen wie bis anhin, weiteten sie die Milchproduktion aus. Doch das erhöhte den Druck auf den Preis zusätzlich. So sah sich die Organisation der Milchproduzenten im Januar letzten Jahres zum Aufruf an ihre Mitglieder genötigt, die Milchproduktion um drei Prozent zu drosseln. Die Milchmenge ist seit längerem tatsächlich rückläufig. Zudem hat sich die Marktlage auf den internationalen Milchmärkten inzwischen wesentlich verbessert. Die Produzentenpreise in der Europäischen Union sind im vergangen Jahr um 10–18 Rappen pro Kilogramm gestiegen, die Butterpreise sind international auf Rekordniveau. Doch geholfen hat dies nicht wirklich. Der Produzentenpreis für Molkereimilch verharrt seit Monaten auf sehr tiefem Niveau – zwischen 50 und 60 Rappen pro Kilogramm.

Mit dem gegenwärtigen Erlös aus der Milchproduktion vermögen betroffene Landwirte laut Martin Rufer vom Schweizer Bauernverband ihre Kosten nicht zu decken. Folge davon ist, dass viele Bauern die Milchproduktion aufgegeben haben oder planen, sie in naher Zukunft aufzugeben. Diese Entwicklung spiegelt sich gemäss Bauernverband bereits in der Menge der abgelieferten Milch. Diese lag im ersten Halbjahr 2017 denn auch 2,6 Prozent unter jener des Vorjahrs. Die Butterlager hätten im Vorjahresvergleich gar um 40 Prozent abgenommen.

Richard Clavadetscher

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