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Die Milchbranche führt ein neues
Öko-Label ein – was bringt das?

Schweizer Milch wird nachhaltiger – und drei Rappen teurer. Der Konsumentenschutz kritisiert, Tierschützer sind erfreut. Was bringt das neue Label?
Doris Kleck
Der Mehrwert des neuen Label ist umstritten. (Bild: Keystone)

Der Mehrwert des neuen Label ist umstritten. (Bild: Keystone)

Noch bevor die Party mit Birchermüesli im Bundeshaus begonnen hatte, kam das erste Störmanöver. «Überflüssiges Milchlabel, titelte die Stiftung Konsumentenschutz in einer Medienmitteilung. «Die grüne Schweizer Milch», welche das Label in Aussicht stelle, entspreche nicht der Realität. «Angesichts des Inhalts, der Aufmachung und der bereits bestehenden unüberschaubaren Labelvielfalt bei Milchprodukten ist auch dieses Label absolut überflüssig und bietet den Konsumenten keinen Mehrwert», wird Geschäftsführerin Sara Stalder zitiert.

Ausgerechnet die grösste Konsumentenorganisation der Schweiz reagiert erbost. Dabei war in den Ansprachen im Bundeshaus so viel von den Konsumenten und ihren Erwartungen die Rede — und dem neuen Branchenstandard «swissmilk green» als Antwort darauf.

Drei Rappen mehr für die Bauern

Fünf Jahre lang hatte die Milchbranche an diesem Standard gearbeitet. Involviert waren die Akteure der gesamten Wertschöpfungskette: Von den Bauern über die Verarbeiter bis hin zu den Detailhändlern. Die Milchbranche, nicht gerade für Harmonie bekannt, hat sich in diesem Prozess auf gemeinsame Kriterien für nachhaltige Schweizer Milch geeinigt. Dazu gehören Anforderungen zum Tierwohl, die über das Gesetz hinausgehen: Die Kühe müssen entweder Auslauf ins Freie haben oder besonders tierfreundlich im Stall gehalten werden. Das Futter muss frei von Palmfett oder Palmöl sein und Sojaschrott muss aus nachhaltigem Anbau stammen. Antibiotika wiederum dürfen nicht ohne tierärztliche Anordnung verabreicht werden. Die Milchbauern müssen zwölf Kriterien erfüllen. Dafür bekommen sie 3 Rappen mehr pro Liter Milch. Der Zuschlag werde auf den Konsumenten überwälzt, wie Roland Frevel vom Detailhändler Coop sagt.

Sichtbar gemacht wird der Standard mit dem neuen Label «Swissmilk green». Ab dem 1. September werden die ersten Produkte in den Regalen der Grossverteiler stehen. Bestehende Marken wie Bio- oder Wiesenmilch werden aber nicht ersetzt, sondern zusätzlich ausgezeichnet. Der neue Standard schaffe «Orientierung, nicht Verwirrung», sagt Frevel. Er glaubt zwar nicht, dass der Milchkonsum damit gesteigert werden kann. Aber Coop verbindet mit dem Label die Hoffnung, dass mehr zu Schweizer Milchprodukten gegriffen wird. Markus Willimann von Emmi Schweiz nannte den Standard die beste Antwort auf den Einkaufstourismus und Importprodukte. Peter Hegglin, Zuger CVP-Ständerat und Präsident des Vereins Branchenorganisation Milch sprach von einem «Start in eine neue Zukunft.» Der neue Standard setzte er mit dem Rütlischwur gleich. Gar Bundespräsident Ueli Maurer sprach von einem «Leuchtturmprojekt.»

89 Prozent der Bauern erfüllen die Kriterien

Nur: Nicht alle teilten diese eitel Freude. Die Stiftung für Konsumentenschutz hält den neuen Standard für zu wenig ambitioniert, das Resultat überzeuge nicht. Denn die Anforderungen an «Swissmilk green» würden kaum über die gesetzlichen Standards hinausgehen. Es werde vermutlich Jahre dauern, bis überfällige Vorgaben wie der Verzicht auf präventiven Antibiotikaeinsatz in den Standard integriert werden. Stefan Kohler, Geschäftsführer der Branchenorganisation, kennt diese Kritik. Er sprach von realistischen Zielsetzungen. Die Flughöhe des Teppices sei tief, dafür seien viele Produzenten und Verarbeiter mit dabei. Schritt für Schritt wolle man die Flughöhe steigern.

Tatsächlich erfüllen 89 Prozent der Schweizer Milchbauern die Kriterien für den neuen Standard. Die übrigen zwölf Produzent haben vier Jahre Zeit, sich anzupassen. Wenn nicht, werden sie wohl aus der Milchproduktion gedrängt, weil sie keine Abnehmer mehr finden. Stefan Flückiger, Geschäftsführer vom Schweizer Tierschutz geht davon aus, dass das neue Label die Situation von rund 50’000 Kühen verbessern werde, weil sie sich künftig frei bewegen können. Seine Organisation hat bei der Entwicklung des Standards mitgearbeitet und die Charta für die Schweizer Milch mitunterzeichnet. Sie enthält das Bekenntnis, dass der Branchenstandard aufgrund der Bedürfnisse der Konsumenten und der Gesellschaft stets weiterentwickelt wird. «Der neue Standard ist ok, doch jetzt muss der zweite Schritt kommen», sagt Flückiger. Er fordert konkret, eine Weidepflicht für alle Kühe.

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