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Bundesratswahlen: Quereinsteiger Ettlin zögert noch

Der Ständerat Erich Ettlin aus Obwalden ist die Personifizierung seiner Partei. Kommende Woche will der CVP-Politiker bekannt geben, ob er für den Bundesrat kandidiert.
Eva Novak
CVP-Ständerat Erich Ettlin. (Bild: Anthony Anex/Keystone)

CVP-Ständerat Erich Ettlin. (Bild: Anthony Anex/Keystone)

Den Mann bringt anscheinend nichts aus der Ruhe. Egal, wie mühsam die Frage – er gibt stets freundlich, eloquent und witzig Antwort. Nur wenn es um die politische Positionierung geht, hebt er kaum merklich die Stimme. Die NZZ habe ihn im Parlamentarierrating leicht links der Mitte verortet, bemängelt Erich Ettlin. Selber sieht er sich weder links noch rechts, sondern «in der Mitte der Mitte der Mitte». Der Ständerat aus Obwalden ist die Personifizierung seiner Partei. Die CVP, die Partei der Mitte.

Er gilt als aussichtsreicher Kandidat für die Nachfolge von Bundesrätin Doris Leuthard, obwohl er noch keine ganze Legislatur als eidgenössischer Parlamentarier absolviert hat. «Plötzlich loben alle Erich Ettlin», titelte der «Blick», und erklärte den Zentralschweizer zusammen mit der Ostschweizer FDP-Ständerätin Karin Keller-Sutter zum «Traumpaar vom 5. Dezember».

Gleich nach der ersten Session Gegenvorschlag gezimmert

Wobei das gar nicht so «plötzlich» kommt. Es stimmt zwar, dass der 56-Jährige erst seit drei Jahren im Stöckli politisiert, und das ziemlich diskret. Ebenso richtig ist aber, dass er schon länger durch seine Fachkenntnisse auffällt. Zurzeit vorab im Gesundheitswesen. Ettlin sei Architekt der Kostenbremse-Initiative, welche die CVP-Delegierten kommenden Samstag in Luzern lancieren werden, um die Prämienexplosion zu stoppen, sagt Parteipräsident Gerhard Pfister. Die Initiative habe viele Väter, er habe nur mitgeholfen, sagt Ettlin selbst. Erstmals aktiv wurde er wenige Wochen nach dem Start seiner politischen Karriere «z Bärn obe» – wo die ungeschriebene Regel lautet, dass sich Neulinge während ihrer ersten Session ruhig zu halten haben, besser noch während zweier oder dreier Sessionen. Der Obwaldner Standesherr und Steuerfachmann ergriff gleich das Wort zur Unternehmenssteuerreform. Kurz darauf zimmerte er einen Gegenvorschlag zur Matter-Initiative für den Schutz des Bankgeheimnisses, der im Nationalrat eine Mehrheit fand.

«Senkrechtstarter», titelte damals der «Tagesanzeiger», während sich die «Neue Obwaldner Zeitung» in grossen Lettern bei ihrem Mann in der Kleinen Kammer erkundigte: «Sind Sie bald unser zweiter Bundesrat?» Er hege keinerlei Absichten, in die Spuren Ludwig von Moos’ zu treten, antwortete dieser, und befand, derlei Spekulationen seien «eher eine Art Fingerübung für Journalisten im Sommerloch». Er hingegen möchte «einfach mich selbst bleiben». Das heisst, einer, dem die Mitte sozusagen in die Wiege gelegt wurde, als viertem von sieben Kindern. Seine Eltern sammelten Milch und mästeten Schweine. Ein Kleinbetrieb ausserhalb von Kerns, die Verhältnisse waren einfach. Es gab «die Mehrbesseren», wie die Eltern es nannten. Die Ettlins gehörten zu den anderen. Daher sein Verständnis für die sozial Schwächeren, auf die es Rücksicht zu nehmen gilt. Auch wenn er umgekehrt gelernt hat: «Alles ist möglich, du musst es nur selber machen.» Beruflich hat das Mitte-Kind die Lektion beherzigt, sich vom KV-Stift im Ofen- und Cheminéebau-Betrieb zum Steuerverwalter seines Kantons und danach in die Geschäftsleitung einer Treuhandfirma mit über 1000 Angestellten hinaufgearbeitet. Dazu hat er sich Schritt für Schritt weitergebildet – zuerst zum Betriebsökonomen HWV, dann Wirtschaftsprüfer und schliesslich zum eidgenössisch diplomierten Steuerexperten. Wenn Ettlin von seinem Beruf spricht, gerät er ins Schwärmen. Er sei Steuerberater mit Leib und Seele, denn da gehe es um Gerechtigkeit – was eine philosophische Grundfrage sei. Er muss es wissen, da er mit Vorliebe philosophische und historische Bücher liest und im Gespräch immer wieder daraus zitiert, sei’s die jüdische Philosophin Hannah Arendt oder den ehemaligen deutschen Bundespräsidenten Roman Herzog.

Politik macht er erst seit kurzem, politisiert wurde er aber schon in jungen ­Jahren, als Kanzlist in der Gemeindeverwaltung von Kerns. Seit dem Alter von 24 sitzt Erich Ettlin ununterbrochen in einer Kommission, wie die Fachgremien in den Obwaldner Gemeinden heissen, und fast so lang ist er Mitglied der CVP. Dennoch – oder vielleicht deswegen – bekam er schlaflose Nächte, als die Anfrage für die Ständeratskandidatur kam. Dass es gleich auf Anhieb geklappt hat, führt der Vater zweier erwachsener Kinder darauf zurück, dass er ein Konsensmensch sei. Einer, der meist nicht anecke. In seinem Kanton kennt man ihn als den Bruder der Hebamme. Als einen, der eine «ausnehmend breite Akzeptanz» geniesst, wie es der Obwaldner CSP-Nationalrat Karl Vogler formuliert. Ein «gmögiger» sei der Erich, sagt Albert Siegrist, Ehrenpräsident der Obwaldner SVP. Einer, mit dem man gut sprechen könne – auch wenn er in 80 Prozent der Fälle politisch eine andere Meinung vertrete.

«Sehr schnell in Bern Einfluss verschafft»

Ähnlich enthusiastisch klingt es im Parlament. Der Mann, der aus dem politischen Niemandsland kam, bekommt von rechts bis links nur Lob. «Mit seinem gewinnenden Wesen und seinen kommunikativen Fähigkeiten hat er sich sehr schnell in Bern Einfluss verschafft», bringt es Parteipräsident Pfister auf den Punkt. Die Frage, ob er in den Bundesrat wolle, beantwortete Ettlin in der letzten Session noch seufzend mit «eher nicht». Er sehe keinen Auftrag, frotzelte er, und betonte immer wieder, wie gerne er der zwölfte Ständerat seines Kantons seit 1848 sei. Kommende Woche will Ettlin bekannt geben, ob er antritt. Er wäre der perfekte Kandidat. So er denn will.

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