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Die Nato, der Bundesrat und die Atombombe

Im Parlament wächst der Unmut. Trotz Auftrag weigert sich die Landesregierung, das Abkommen über ein Atomwaffenverbot zu unterschreiben.
Henry Habegger
Aussenminister Ignazio Cassis setzt auf schwedische Experten - und nervt damit Schweizer Parlamentarier . (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Aussenminister Ignazio Cassis setzt auf schwedische Experten - und nervt damit Schweizer Parlamentarier . (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Vertreter aller Parteien unterschrieben im Dezember 2017 den parlamentarischen Vorstoss des Genfer SP-Nationalrats Carlo Sommaruga. Die Motion forderte die Schweizer Landesregierung damals auf, «den Atomwaffenverbotsvertrag zu unterzeichnen und zu ratifizieren».

Ein Jahr später, im Dezember 2018, stimmte nach der grossen Kammer auch der Ständerat dem Vorstoss zu. Gegen den Widerstand der Landesregierung. Aber das bedeutete: Der Bundesrat fasste den Auftrag, das UNO-Abkommen zu unterzeichnen.

«Bundesrat spielt auf Zeit»

Passiert ist bisher allerdings nichts. In der Fragestunde vom Montag doppelte Carlo Sommaruga nach und wollte wissen, war­um der in dieser Frage von Aussenminister Ignazio Cassis (FDP) vertretene Bundesrat den Auftrag des Parlaments missachte. Der Bundesrat nehme «den Willen des Parlaments ernst» und wolle die «verschiedenen Optionen sorgfältig prüfen», schreibt Aussenminister Cassis in seiner schriftlichen Antwort. Der Bundesrat werde sich «im Lauf des Frühlings 2019 nun erneut über das Abkommen beugen mit dem Ziel zu entscheiden, wie er in angemessener Weise auf die Motion antworten kann».

Cassis wies zudem darauf hin, dass in Schweden ein Expertenbericht zum Schluss gekommen sei, dass die dortige Re­gierung das Abkommen in der vorliegenden Form nicht unterzeichnen solle. Sommaruga staunt nur noch: «Was die Schweden sagen, ist dem Bundesrat offenbar wichtiger als das, was das Bundesparlament sagt.» Der Bundesrat spiele «auf Zeit», jetzt wolle er sogar noch eine Vernehmlassung durchführen. «Ich verstehe nicht, welches Spiel Bundesrat Cassis spielt, aber er verspielt seine Glaubwürdigkeit. Sein Slogan ‹Aussenpolitik ist Innenpolitik› wird zur leeren Worthülse.»

Im Hintergrund, davon ist nicht nur Sommaruga überzeugt, geht es um die Nato. Beziehungsweise um deren atomaren Schutzschild von Interkontinentalraketen, Bombern und Ähnlichem, den das Verteidigungsbündnis unter US-Ägide aufgezogen hat. Sommaruga: «Wenn der Bundesrat den Verbotsvertrag nicht ratifiziert, gibt er jenem Teil der Armeeführung recht, der ­einen atomaren Abwehrschirm über der Schweiz will. Von autonomer Verteidigung und Neutralität kann dann aber keine Rede mehr sein.» Konsequenterweise könnte man das Armeebudget auf 2 oder 2,5 Milliarden reduzieren, wenn ja ohnehin die Nato den Grossteil der Verteidigung übernehme.

Kritik an fehlender Transparenz

Dass der Bundesrat das Atomwaffenverbot aus Rücksicht auf die Nato nicht unterzeichnet, kam Mitte 2018 bereits in einem Bericht einer EDA-Arbeitsgruppe zum Ausdruck. Und jetzt wieder in einer Antwort, die Cassis im Zusammenhang mit dem neuen nuklearen Wettrüsten auf eine Frage von SP-Nationalrat Fabian Molina (ZH) gab: «Die sicherheitspolitischen Partnerschaften der Schweiz werden wichtiger», hielt er fest.

Für Molina ist klar: «Unsere einzige solche Partnerschaft ist die Nato-Partnerschaft für den Frieden. Der Bundesrat verlässt sich also auf den atomaren Schutzschild, und die Nato wird für ihn wichtiger. Weil er nicht gleichzeitig für eine atomwaffenfreie Welt sein kann, will er den Atomwaffenverbotsvertrag nicht unterzeichnen.» Molina kritisiert: «Es wäre ehrlich vom Bundesrat, mit offenem Visier zu kämpfen, aber das tut er nicht.»

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