Die neue Lust am Campen

Campen ist in der Schweiz so gefragt wie schon lange nicht mehr.
Dies eröffnet ganz neue Möglichkeiten.

Dominik Buholzer
Drucken
Teilen
Camping – die altbewährte Ferienform ist wieder hoch im Kurs.Bild: Getty

Camping – die altbewährte Ferienform ist wieder hoch im Kurs.Bild: Getty

Bereits 2017 war ein ausserordentliches Jahr. Mit 3,2 Millionen Übernachtungen verzeichneten die Campingplätze in der Schweiz einen Rekord. Dies entspricht einem Plus von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wie das europäische Onlineportal camping.info unlängst bekannt gab. Die Zahlen von camping.info beruhen auf den Angaben der 406 vom Portal erfassten Plätze und decken sich mit jenen des Bundesamtes für Statistik.

Heuer könnte dieses Ergebnis übertroffen werden. «Wir wollen nichts verschreien. Aber wir sind auf Rekordkurs», sagt Oliver Grützner, Leiter Tourismus und Freizeit des TCS. Der TCS ist mit 23 eigenen Plätzen mit Abstand der grösste Campingplatzbetreiber in der Schweiz. Das Salz in der Suppe sind nicht nur die Sommermonate, sondern auch der Frühling. In diesem lief heuer das Geschäft ausser an Ostern überdurchschnittlich gut.

Der Campingboom widerspiegelt sich auch im Verkauf von Wohnmobilen. Im ersten Halbjahr 2018 wurden laut Auto Schweiz, der Vereinigung der Schweizer Autoimporteure, 2635 Camper neu angemeldet, dies sind 78 mehr als im Vorjahr. Im zweiten Quartal seien die Zahlen regelrecht durch die Decke gegangen, schreibt Auto Schweiz. Generell wurden in den vergangenen fünf Jahren immer mehr Camper in der Schweiz in Verkehr gesetzt.

«Wir konkurrenzieren mit Drei-Sterne-Hotels»

Der Erfolg kommt nicht von ungefähr. Allen voran der TCS hat in den vergangenen Jahren viel in die Infrastruktur seiner Plätze investiert. Der modernste befindet sich derzeit in Buochs im Kanton Nidwalden. Der Platz direkt am Vierwaldstättersee wurde 2017 vergrössert und modernisiert. Kostenpunkt: rund 6 Millionen Franken, die Hälfte da- von steuerte die Genossenkorporation Buochs bei, auf deren Land sich der Campingplatz befindet. «Es braucht heute nicht nur grössere Parzellen und breite Wege für die Wohnmobile, sondern auch Sanitäranlagen auf Hotelniveau und kostenloses Wi-Fi», umschreibt Grützner die Anforderungen. Ergänzt wird das Ganze durch Glamping, luxuriös ausgestattete Zelte, Chalets oder zweistöckige Zeltunterkünfte, sogenannte Airlodges, welche über Küche, Bad und eine Terrasse verfügen. Nicht umsonst beteuert Grützner: «Wir konkurrenzieren mit Drei-Sterne-Hotels.»

Nächstes Jahr bekommen Camper eigene Buchungsplattform

Grützners Aussage bezieht sich auf die Infrastruktur, preislich bewegen sich die Campingplätze sowieso in einer anderen Liga. Eine Nacht im Freien für zwei Erwachsene inklusive Stellplatz und Gebühren kostet in der Schweiz laut camping.info rund 41.80 Franken – so viel wie in keinem anderen europäischen Land. Allerdings legt man in Italien und Spanien schon fast gleich viel auf den Tisch (41.20 Franken beziehungsweise 36.80 Franken). Den Ton geben auf den nationalen Campingplätzen die Schweizer an. Sie machen gut drei Viertel aller Gäste aus, dahinter folgen die Camper aus Deutschland und den Niederlanden. Weil aber bei den Schweizer Gästen in den vergangenen Jahren das grösste Wachstum registriert worden ist, lancierte der TCS auf diese Saison hin die Onlineplattform camping-insider.ch. Und sie entspricht ganz offensichtlich einem Bedürfnis. Bereits über 82000 Personen haben sich für den Newsletter angemeldet (Stand Ende Juli 2018).

Zu der Plattform gehören unter anderem ein digitaler Campingführer für die Schweiz und Europa, Informationen rund ums Campen sowie ein Ratgeber. Im kommenden Jahr soll die Webseite durch eine Buchungsplattform ergänzt werden. Ziel ist es, dass Schweizer Camper über das Portal Plätze in ganz Europa buchen können. Zur Auswahl stehen also nicht nur die TCS-eigenen Plätze. Grützner: «Es gibt europaweit über 30 000 Plätze. Wie wollen Sie da noch wissen, welcher Platz der richtige für Sie ist? Hier möchten wir mit unserem Know-how Hilfe leisten.»

Grossanlässe im Visier

Dieses Wissen will Grützner aber auch noch anderen anbieten: den Organisatoren von Festivals und weiteren Gross­anlässen. Pop-up-Camping nennt sich das, und die Idee dahinter: Der TCS betreibt während der Dauer eines Grossanlasses einen Campingplatz unter anderem mit kleinen, abschliessbaren Häuschen mit Dusche und WC. Beim diesjährigen Open Air St. Gallen kam das Modell erstmals zum Zuge und stiess bei Festivalbesuchern auf ein positives Echo. Bei den Summerdays in Arbon von Ende August betreibt der TCS ebenfalls einen solchen Campingplatz auf Zeit.

Der TCS ist am Prüfen, ob er eine ähnliche Zusammenarbeit nicht auch mit ausgewählten Alphirten eingehen will. Grützner ist überzeugt: «Mit Glamping können wir uns eine neue Zielgruppe erschliessen. Das sind Personen, die gerne im Freien übernachten, aber Wert auf einen gewissen Standard legen, dafür aber auch gerne ein wenig mehr bezahlen.» Der Campingboom dürfte so schnell also nicht vorbei sein.