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Die Quizfrage lautet: Fliegt der Gripen, oder fliegt er raus?

Hätte die Schweiz 2014 Ja zum Gripen E gesagt, müsste er heute schon in unserer Luftwaffe mitfliegen. Dabei ist der Jet immer noch in der Testphase. Fachleute rätseln, ob der Gripen überhaupt bereit sei für die anstehende Schweizer Evaluation.
Henry Habegger
Rollout eines Gripen E im Mai 2016 in Schweden. (Bild: EPA/ANDERS WIKLUND / TT SWEDEN OUT)

Rollout eines Gripen E im Mai 2016 in Schweden. (Bild: EPA/ANDERS WIKLUND / TT SWEDEN OUT)

Er war Testsieger. In der letzten Schweizer Kampjet-Evaluation 2012 noch unter Verteidigungsminister Ueli Maurer (SVP) schwang der schwedische Gripen obenaus. Er war günstiger als der Eurofighter (Airbus) und der Rafale (Dassault), die auch im Rennen waren.

Allerdings war der Gripen E noch gar nicht fertig entwickelt, er ging als «Papierflieger» in die Schweizer Kampfjetgeschichte ein. Warum genau dieser Jet wirklich obenaus schwang, wurde nie ganz klar.

Das spielte aber bald keine Rolle mehr: Das Stimmvolk erteilte dem Schweden-Jet eine Abfuhr. Im Mai 2014 stimmten 53,4 Prozent gegen das sogenannte Gripen-Fondsgesetz.

Jetzt ist der Gripen E erneut in der Ausmarchung um neue Kampfjets für die Schweiz. Aber auf die Frage, ob der Gripen E nun tatsächlich fliegt, sagte kürzlich im Bundeshaus ein ehemaliger Gripen-Lobbyist: «Das fragen wir uns auch.»

Noch immer nicht im Einsatz bei Luftwaffen

Zwar existieren nun einige Prototypen: Im letzten November, vor knapp einem halben Jahr, ging Prototyp Nummer 2 in die Luft. Aber in bewährtem Einsatz bei einer Luftwaffe ist er noch lange nicht. Dabei hatten Bundesrat Maurer und die Schweden beim letzten Mal versprochen, die ersten Jets für die Schweiz würden ab Mitte 2018 fertig sein.

Die Frage, die sich auch Vertreter der Konkurrenzfirmen stellen: Ist der Gripen E überhaupt bereit für die Flugtests durch das Schweizer Verteidigungsdepartement, die Ende Juni in Payerne VD stattfinden? Saab kann, so Beobachter, schon von Glück sprechen, dass der Gripen als letzter an die Reihe kommt bei den Tests. Dank des Kunstgriffes bei Armasuisse, wo entschieden wurde: Die Test finden in alphabetischer Reihenfolge der Herstellernamen statt. Und S wie Saab kommt, so ein Zufall, an letzter Stelle.

Spott der Konkurrenz

Mike Kelley, Geschäftsleiter von Lockheed Martin Schweiz, der dem Bundesrat seinen Tarnkappenbomber F-35 verkaufen will, frotzelte kürzlich im «Blick»:

«Beim Gripen E von Saab kennt den Preis noch niemand: Es fliegen ja erst drei Gripen E, und eine grosse Produktion gibt es auch noch nicht.»

Der US-Rüstungsriese Lockheed richtet mit der ganz grossen Kelle an. Er wird vier F-35 Jets der US-Streitkräfte in die Schweiz fliegen. Das einmotorige Flugzeug gibt es nur als Einsitzer. Airbus kam mit zwei der zweimotorigen Eurofighter in die Schweiz und hatte auch einen Zweisitzer dabei. Und der letztmalige Testsieger Gripen: Wie tritt er zum Wettbewerb an?

Saab kommt nur mit einem Jet

Christian Trottmann, Kommunikation Saab Schweiz, sagt: «Saab wird bei der Flug-Evaluation in Payerne ein Gripen E-Testflugzeug präsentieren. Dieses Testflugzeug ist ein Einsitzer.» Trottmann bestätigt, dass die verfügbare Zahl der Gripen E noch sehr beschränkt ist: «Derzeit gibt es drei fertige Gripen E, von denen zwei umfangreiche Testflüge absolvieren und bis Ende des Jahres bis zu acht Gripen E in der Luft sein werden. Die Gripen E-Serienproduktion für die ersten beiden Kunden, Brasilien und Schweden, läuft weiter.» Ab Ende dieses Jahres erfolge die Auslieferung der neuen Kampfjets.

In der jetzigen Evaluation ist vieles anders als in der letzten. Die Leute von VBS-Rüstungsarm Armasuisse sind unter der neuen Verteidigungsministerin Viola Amherd viel strenger als beim letzten Mal. Flugzeugtypen, die bei den Luft- und Bodentests in Payerne Anforderungen des Bundes nicht erfüllen, fallen aus dem Rennen. Vertröstungen auf später wie beim letzten Mal werden nicht akzeptiert.

Trottmann: «Wir werden Anforderungen erfüllen»

Saab-Sprecher Trottmann ist zuversichtlich: «Ja, wir werden die Anforderungen von Armasuisse erfüllen», sagt er. «Die Subsysteme befinden sich im Serienstandard des Gripen E.» Die Systeme des Gripen E würden jedoch weiterentwickelt, so dass «die Konfiguration zum Zeitpunkt der Auslieferung noch fortgeschrittener» sein werde als jene während der Flug-Evaluation.

Diese und nächste Woche wird in Payerne VD der zweite Kampfjet, die F/A-18 Super Hornet des US-Krisenkonzerns Boeing, getestet. Die beiden Testjets landeten gestern auf dem Militärflughafen.

Super Hornet gestern nach der Landung in Payerne. (Bild: VBS/DDPS)

Super Hornet gestern nach der Landung in Payerne. (Bild: VBS/DDPS)

Im Mai ist die französische Rafale der Herstellers Dassault an der Reihe. Am Schluss kommen die beiden einmotorigen Jets, der F-35 und eben der Gripen. Einige Beobachter glauben, dass die einmotorigen Kandidaten schlechte Karten haben. Ein Grund: Die Schweiz ist vor allem an Luftpolizei interessiert. Die Fraktion der zweimotorigen Vehikel gibt an, ihre Jets seien dank mehr Schub viel schneller auf der Höhe der Ziele, die es abzufangen gelte.

F-35 in den USA unter Beschuss

Saabs Trost dürfte sein: Auch die anderen Hersteller kämpfen immer wieder mit Problemen und Negativschlagzeilen. Der geschäftsführende US-Verteidigungsminister Pat Shanahan etwa soll den F-35 unlängst als «abgefucktes» Flugzeug bezeichnet haben.

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