Alpstein
Die schönsten Flecken rund um den Säntis

Auch wenn die Schwebebahn auf den Säntis derzeit stillsteht: Es gibt um den 2502 Meter hohen Voralpengipfel viele weitere aussergewöhnlicher Orte, die man gesehen haben muss – vom Instagram-Spot über das Ofenloch bis zur Insel Helgoland.

Silvia Schaub*
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Schöne Flecken um den Säntis
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Das sind unsere Top-5-Tipps: Das Ofenloch befindet sich bei Hemberg. Wer ins Ofenloch will, muss die richtige Jahreszeit wählen, am besten den Sommer. Der Frühling ist ganz schlecht, weil der junge Necker, der hier entspringt, bei Schneeschmelze oft viel Wasser führt. Wer von Hemberg her in die Schlucht schreitet, lässt die Welt hinter sich und taucht in eine urzeitliche Landschaft ein. Geröll und Felsen haben sich im Ofenloch zu meterhohen Nagelfluh-Wänden verbunden. Kleine Wasserfälle stürzen von den Felswänden in die Tiefe. Man wandert vorbei an Findlingen, umgefallenen Bäumen, Farn und Moos. Am Ende der Welt sozusagen klafft im Kessel ein grosses Loch: das Ofenloch. Deshalb wird die Schlucht oft «Grand Canyon der Ostschweiz» genannt.
Kleines Paradies bei Nesslau-Neu St. Johann. Wer will schon an die raue Nordsee reisen, wenn «Helgoland» gleich vor der Haustür liegt? Zwar findet man auf der 1808 Quadratmeter grossen Insel keine Sandstrände, dafür liegt sie paradiesisch schön mitten in der Thur bei Nesslau-Neu St. Johann. Zu ihrem Namen kam sie, als das nahe gelegene Kloster während des Ersten Weltkriegs Flüchtlingskinder aus Norddeutschland aufnahm. «Helgoland» sollte ihnen symbolisch ein Stück Heimat geben. Lange Zeit war das «Inseli» ein Sondergebiet – und nur für Mitarbeiter und Bewohner des damals noch katholisch geführten Johanneums zugänglich. Inzwischen steht es mit der kleinen weissen Kapelle längst allen offen und wird als Ausflugsort rege besucht.
Nirgends ist es kälter als am Gräppelensee bei Unterwasser. Verwunschen und idyllisch liegt er da: der Gräppelensee oberhalb von Unterwasser. Im Sommer lädt er zu einem erfrischenden Bad ein, im Winter hingegen wagt sich kaum jemand dahin. Ausser Stephan Vogt. Der Erdwissenschaftler ist stets auf der Suche nach den kältesten Orten der Schweiz und hat nahe beim See eine Messstation aufgebaut. Und siehe da! Im Winter 2016/17 war es an keinem Ort der Schweiz kälter als dort: Minus 38,2 Grad. Wenn die Luftmassen über dem Alpstein kalt und trocken, die Nächte klar und windstill sind und der Schnee frisch gefallen ist, rechnet er mit Temperaturen von bis zu minus 45 Grad. Kein Wunder, hat der Ort den Namen «Sibirien der Ostschweiz» erhalten.
Bei der Saxer Lücke zücken viele ihr Handy. Der Alpstein sei das vielleicht schönste Gebirge der Welt, meinte Geologe Albert Heim (1849–1937). Besonders gut nachvollziehbar ist seine Aussage bei der Saxer Lücke. Während es zu Heims Zeiten bei wortreichen Schwärmereien und vielleicht dem einen oder anderen Foto oder Gemälde blieb, zückt man heute das Handy. Es ist verständlich: Die Aussicht aufs Rheintal, hinauf zu den Kreuzbergen und in die Pracht des Alpsteins verleitet zum Knipsen. Die Position oberhalb der Lücke auf dem Bergweg garantiert fast in jedem Fall ein schönes Bild. Und ein ebenso interessantes: Der Bruch zieht sich von Sax im Rheintal bis Schwende im Appenzellischen durch den Alpstein.
In solchen Hütten wurde einst Torf gelagert. Wer heute durch die liebliche Landschaft um Gonten wandert, wird sich über die gut ein Dutzend alter Hütten wundern. Es sind sogenannte Toobeschopfe: Hütten, die man noch bis Ende des Zweiten Weltkriegs für die Lagerung von Torfziegeln benutzte. Sie sind nach Norden und Westen hin geschlossen, nach Süden und Osten mit offenen Zwischenräumen, damit der Wind durchblasen und die Torfstücke trocknen konnte. Einblick in das für die Gegend einst so wichtige Handwerk erhält man in einem kleinen Museum, das mitten in der Landschaft steht. Am besten wandert man ohne Schuhe und Socken auf dem Barfussweg ab Jakobsbad zum Museum. Kontakt: Tel. +41 71 788 96 41 oder www.appenzell.ch.

Schöne Flecken um den Säntis

Switzerland Tourism

Wie nur kommt der alte Waldstätter Bahnhof in einen Wald in Urnäsch? Es war eine kurze Notiz in einer Broschüre mit einer groben Wegbeschreibung, die mich auf den Ort aufmerksam machte – und sogleich meine Neugier weckte. Den Brunnen auf der Gross Gerstengschwend in Urnäsch finde ich ziemlich schnell. Aber welchen Weg muss ich nun einschlagen, um ans Ziel zu gelangen? Ich steige über die Matte zum Waldrand. Aber leider zu weit nach links. Zweiter Versuch. Endlich finde ich den Weg und später auch die kleine Treppe, die mich direkt in eine herrliche Lichtung führt. Und da steht das gesuchte Objekt im Niemandsland: einsam und verlassen, ohne Gleise. Die Geschichte dahinter finden Interessierte im Buch «111 Orte rund um den Säntis, die man gesehen haben muss».

Zusammen mit Co-Autorin Nina Kobelt bin ich «rond om de Sentis» zuhauf auf solch wundersame Geschichten gestossen. Die Gegend um den markanten Berg in der Ostschweiz ist gesegnet mit einer bezaubernden Naturkulisse und reizvollen Ecken, die entdeckt werden wollen. Wieso es uns gerade in diese Gegend verschlagen hat? Für Nina Kobelt ist es ein Heimspiel, sie ist in Wattwil im Toggenburg aufgewachsen. Den Säntis nahm sie in Gedanken mit, als sie nach der Schulzeit das Toggenburg Richtung Westen verliess. Und ich pendle seit fünf Jahren zwischen dem Mittelland und dem Toggenburg, dort mit direktem Blick auf den Säntis.

Satt gesehen habe ich mich an diesem Berg, der unter Napoleon einst Namensgeber für einen Kanton war, noch längst nicht. Und auch nicht an den lieblichen Hügellandschaften, den schroffen Felswänden und den tiefblauen Bergseen um den Säntis. Zu zweit sind wir in diese Welt eingetaucht – mit unterschiedlichen Sichtweisen. Während Nina Kobelt die Welt rund um den Säntis mit einem manchmal verklärten Blick der Einheimischen betrachtet, kann ich meiner neuen zweiten Heimat mit unbelasteter Neugier begegnen.

Wann fährt die Gondel wieder?

Der Säntis sei das Gesicht des Alpsteins, sagt man. Aber der 2502 Meter hohe Gipfel mit seiner exponierten, solitären Lage ist weit mehr: Wetterberg, Leuchtturm und Aussichtsziel. Entsprechend betroffen macht derzeit die Tatsache, dass nach dem Lawinenniedergang im Januar die Schwebebahn immer noch stillsteht. Wann sie wieder fährt, soll bald bekannt gegeben werden. Doch es gibt mindestens 110 weitere Orte zu entdecken! Einen Überblick verschafft man sich natürlich auf dem Säntis. Erhaben fühlt sich, wer auf dem Gipfel steht: das Rheintal, der Bodensee und die Alpenkette in der Ferne, gleich zu Füssen die sanften Hügel mit den bewaldeten Kuppen und ihren Streusiedlungen, die diese Gegend so einzigartig machen. Wieso hier die Häuser so verstreut stehen, hat vielleicht tatsächlich mit der Legende vom Riesen zu tun, der einst mit einem Sack voller Häuser durchs Toggenburg und Appenzellerland zog und hie und da eines durch einen Riss im Sack verlor.

Die Zeit ist hier dennoch nicht stehen geblieben, auch wenn die Region gelegentlich als Disneyland oder «grosses Freilichttheater» bezeichnet wird. Hier leben innovative Unternehmer wie die Rasenmacher aus Urnäsch oder die Vegi-Pioniere aus Ebnat-Kappel, fingerfertige Handwerker wie der Ziseleur Roger Dörig aus Appenzell oder der Hackbrettbauer Johannes Fuchs aus Meistersrüte und warmherzige Beizer wie die Specks von der «Krone» in Hundwil oder die Kollers vom Bergrestaurant Gamplüt in Wildhaus. Sie haben ihre Spuren hinterlassen, an überraschenden, skurrilen oder einfach wunderschönen Orten.

*Die Autorin hat mit der Journalistin Nina Kobelt das Buch «111 Orte rund um den Säntis, die man gesehen haben muss» geschrieben, das kürzlich im Emons Verlag Köln herausgekommen ist.

«111 Orte rund um den Säntis, die man gesehen haben muss», Emons Verlag Köln.   

«111 Orte rund um den Säntis, die man gesehen haben muss», Emons Verlag Köln.   

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