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Die Schweiz wählt, die Welt gähnt: Warum interessieren unsere Wahlen im Ausland nicht?

Die eidgenössischen Wahlen sind das wichtigste Politikereignis der Schweiz. Nur offenbar interessiert das im Ausland niemanden. Warum eigentlich?
Pascal Ritter
Über die Schweizer Wahlen gab es in ausländischen Medien kaum Berichte. (Archivbild: AZ)

Über die Schweizer Wahlen gab es in ausländischen Medien kaum Berichte. (Archivbild: AZ)

Wenn in anderen Ländern nationale Wahlen stattfinden, berichten Zeitungen und TV-Stationen im Voraus ausgiebig darüber. Wenn in der Schweiz gewählt wird, gähnt die Welt. Es gab kaum Berichte vor der Wahl.

Nehmen wir als Beispiel Österreich. Unsere östlichen Nachbarn sind uns in vielem ähnlich. Das Land zählt ungefähr gleich viele Einwohner (etwa 8,8 Millionen) und die Mehrheit spricht eine Variante des Deutschen, welche vom grossen Nachbarland Deutschland gerne belächelt wird. Und der Zufall will es, dass die grosse Kammer in beiden Ländern «Nationalrat» heisst. Während die Nationalratswahlen in Österreich die Presse elektrisierte, ist das Interesse an den Schweizer Wahlen – sagen wir mal: bescheiden.

Kuhhörner passen besser zum Klischee

Dem alten und neuen Bundeskanzler Kurz reisten die deutschen Medien von «Süddeutscher» bis «Spiegel» nach und schrieben einfühlsame Reportagen. Der Kanzler gab Interviews. Und wer spricht mit dem Präsident der grössten Schweizer Partei, Albert Rösti? Immerhin die in Konstanz beheimatete Lokalzeitung «Südkurier».

Zugegeben, in Österreich gab es einiges, das die Aufmerksamkeit auf sich zog: der jüngste Kanzler aller Zeiten etwa oder ein Skandalvideo aus Ibiza, dessen Inhalt die Kraft hatte eine Koalition zu sprengen. Aber fescher Kanzler hin und Skandalvideo her. Ist die Schweiz von ihrer Wirtschaftsleistung und der Bedeutung ihres Finanzplatzes nicht viel wichtiger als Österreich?

Zudem ist es ja nicht so, als interessierte sich die internationale Presse grundsätzlich nicht für die Schweiz. Über die Hornkuhinitiative wusste etwa der britische «Guardian» im Jahr 2016 zu berichten, die Schweizer Wähler seien «ready to take the cow by the horns».

Die Initiative wurde mit 54,7 Prozent der Stimmen bachab geschickt. Zu den bevorstehenden Wahlen schwieg die Zeitung bisher. Kuhhörner passen wohl einfach besser zum Schweiz-Klischee als ein Land, das Verschiebungen im einstelligen Prozentbereich entgegenfiebert.

Als das Stimmvolk kurz nach der Hornkuhinitiative über die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens befand, berichtet sogar das «New York Times Magazine» über «Switzerland’s Proposal to Pay People for Being Alive». Der Vorschlag wurde mit 76,9 Prozent Nein-Stimmen gebodigt. Switzerlands Wahlen waren in der «New York Times» bisher kein Thema.

«Die Wahlen hauen niemanden vom Hocker»

Ist die Schweiz denn wirklich so langweilig? Einer der es wissen muss, ist Johannes Ritter, seit fünf Jahren Korrespondent der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» in der Schweiz. Auf die Frage, wie spannend die Wahlen in der Schweiz auf einer Skala von eins bis zehn sind, bekundet er Mühe, sich zwischen dem Wert zwei und drei zu entscheiden. «Unsere Leser interessieren sich aber grundsätzlich sehr für die Schweiz», beteuert er.

Seine Artikel würden meist sehr gut geklickt auf der Webseite der Zeitung. Die Redaktion in Frankfurt nehme zudem seine Vorschläge immer gerne an. Aber die Schweizer Wahlen, die hauten nun wirklich niemanden vom Hocker, denn: «Wahlen, bei denen sich danach nichts an der Regierungszusammensetzung ändert, sind grundsätzlich nicht sehr spannend», sagt Ritter.

Ja gut, trotz Spekulationen über einen grün-grünliberalen Bundesrat wird sich wohl tatsächlich nichts an der Zusammensetzung ändern. Aber in Österreich war ja auch schon von Anfang an klar, dass Sebastian Kurz wieder Kanzler würde. Sind es vielleicht doch die Skandale, welche die Aufmerksamkeit bringen?

Ein Hinweis in diese Richtung ist der Nachbarschaftsstreit zwischen zwei Bankern, der es im Gegensatz zum hiesigen Wahlkampfs sehr wohl in die internationale Presse geschafft hat. Und wer weiss. Wäre Petra Gössi neben Blochers Villa in Herrliberg eingezogen und hätte dort ein paar Bäume gepflanzt, vielleicht wären dann auch die Schweizer Wahlen der internationalen Presse ein paar Zeilen mehr wert.

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