Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Zugang zur Filmförderung:
Die Sinnfrage genügt

Religiöse Filme kommen in die Kinos zurück. Dies, da die Wächter ihre Zutrittskriterien stark gelockert haben.
Eva Meienberg

«Grenzenlose Weltoffenheit» heisst das Motto des 33. «Festival International de Films de Fribourg». Es ist auch ein Leitmotiv ökumenischer Jurys, wie sie an vielen Festivals anzutreffen sind. Zahlreiche neue Filme wie «Wolkenbruch» oder «Zwingli» legen den Schluss nahe, dass Religion in die Kinosäle zurückgekehrt ist.

Schon in den Anfängen des Kinos erkannte die katholische Gesellschaft die Macht der bewegten Bilder. Die anfängliche Ablehnung wich bald dem Versuch, sie für eigene Zwecke zu nutzen. Alsbald engagierten sich auch die Protestanten als Wächter des guten Films. Im Nachgang des Zweiten Vatikanischen Konzils wurde 1973 am Filmfestival Locarno die erste ökumenische Jury eingerichtet. Zwölf Jahre später kam es zum Eklat, als Fredi M. Murer für seinen Film «Höhenfeuer» den ökumenischen Filmpreis ablehnte. «Ich hatte den Eindruck, dass die Berufs-Christen mir nur ein Kruzifixchen ans Revers heften wollten, um progressiv zu erscheinen», erklärte er sich später. Die Begründung der Jury, der Film zeige in eindrücklichen Bildern, wie eine irregeleitete Erziehung in die Katastrophe führe, war dem Regisseur zu moralisch.

Interreligiöse statt ökumenische Jury

Als 2017 John Caroll Lynch für seinen Film «Lucky», ebenfalls in Locarno, den ökumenischen Filmpreis empfing, sagte er im eklatanten Kontrast zu Murer: «Es bewegt mich sehr, dass dieser Film, der so offensichtlich atheistisch ist, einen solchen Preis erhält.» Die Jury würdigte Lynchs Behandlung der Sinnfrage. Warum konnte sich Lynch über den Preis freuen, der bei Murer nur Ärger auslöste? Haben die ökumenischen Jurys so viel an Profil verloren?

Die Frage führe in die Irre, findet Pfarrer und Religionspädagoge Hans Hodel, der sich seit 1989 leidenschaftlich für die ökumenischen Jurys engagiert. Der religiöse Hintergrund der Jury-Mitglieder habe seine Bedeutung nicht verloren, und interkonfessionelle Differenzen müssten immer wieder ausgetragen werden. Inwiefern sich die Jurymitglieder aber als kirchliche Akteure verstünden, sei eine gute Frage, meint Hodel, lässt sie aber unbeantwortet.

Dennoch: Mit der Neukonzipierung von «vision du réel» in Nyon im Jahr 2005 war die ökumenische Jury dort nicht mehr gefragt. Nach einigem Hin und Her einigte man sich auf eine interreligiöse Jury mit jüdischer und muslimischer Beteiligung. Die Beurteilungskriterien wurden in einem Punkt angepasst. Der Bezug auf das Evangelium musste weichen und machte Platz für religiöse Traditionen im Allgemeinen. Eine moralische Begründung, wie sie Fredi M. Murer 1985 bekommen hat, ist unter diesen Prämissen kaum mehr vorstellbar.

Schon die Frage nach dem Sinn des Lebens wird zum Transzendenzbezug und «Lucky» so zum religiösen Film – selbst dann, wenn sein Macher diesen als atheistisch bezeichnet. So wird auch verständlicher, warum der religiöse Film sein Comeback feiert. Die institutionalisierte Religion steht neuen Formen gegenüber. Damit hat sich auch die Deutungsmacht verlagert, was Religion überhaupt sei.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.