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Die tödliche Gefahr aus der Dusche

Die Legionärskrankheit breitet sich in der Schweiz aus. Dieses Jahr dürften mehr Fälle registriert werden als je zuvor. Die Gründe für den Anstieg sind unklar. Der Bund trifft nun Massnahmen.
Michel Burtscher
Legionellen sind nur gefährlich, wenn man etwa beim Duschen verseuchtes Wasser einatmet. (Bild: Getty)

Legionellen sind nur gefährlich, wenn man etwa beim Duschen verseuchtes Wasser einatmet. (Bild: Getty)

Die Gefahr lauert im Wasser. Und sie wird grösser. Immer mehr Menschen erkranken in der Schweiz an der Legionärskrankheit. Dieses Jahr waren es bereits 294, wie die aktuellsten Zahlen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) zeigen. Damit wurden 2018 nach rund einem halben Jahr schon mehr Fälle gemeldet als im ganzen 2014 (siehe Grafik). Beim BAG zeigt man sich denn auch «beunruhigt» über den steten Anstieg der Fallzahlen, wie es auf Anfrage schreibt.

Und diese sind nur die Spitze des Eisbergs, denn die Dunkelziffer ist hoch. Beim BAG werden vor allem Fälle mit schwerem Verlauf gemeldet, bei denen es zu einer Lungenentzündung kommt und die mit einem Spitalaufenhalt enden. Leichte Verlaufsformen werden jedoch nicht erfasst und deren Zahl kann das BAG auch nicht abschätzen. «Wir haben die Lage nicht mehr im Griff», sagte Daniel Koch, Leiter der Abteilung für übertragbare Krankheiten beim BAG, Anfang dieses Jahres zum «Sonntagsblick».

Bakterien im Duschkopf

Bei der Legionärskrankheit, in der Fachsprache Legionellose genannt, handelt es sich um eine potenziell tödliche Erkrankung der Atemwege. Laut dem BAG sterben schätzungsweise fünf bis zehn Prozent der Betroffenen trotz einer Antibiotika-Behandlung. Verursacht wird die Krankheit durch Bakterien, den Legionellen, die sich natürlicherweise im Wasser befinden. Ab einer gewissen Konzentration werden sie gefährlich für die Gesundheit.

Die Bakterien vermehren sich gern in von Menschen geschaffenen nassen oder feuchten Orten, an denen das Wasser stehend und zwischen 25 und 45 Grad warm ist. Das betrifft insbesondere Wasserleitungen, Wasserhähne, Duschköpfe, Whirlpools oder Klimaanlagen. Man steckt sich durch das Einatmen von zerstäubten Wassertröpfchen an.

Im Jahr 1976 entdeckt

Die Legionärskrankheit wurde erstmals 1976 beschrieben und hat ihren Namen von der «American Legion», einer US-amerikanischen Veteranenorganisation. Nach einem Jahrestreffen der Vereinigung erkrankten 182 Personen an einer akuten Lungenentzündung, 29 von ihnen starben. Die Untersuchung ergab, dass die Klimaanlage eines der Hotels, in dem die Kongressteilnehmer wohnten, die Ansteckung verursacht hatte. (mbu)

Gründe für den Anstieg sind unbekannt

Der Bund hat auf die besorgniserregende Entwicklung reagiert und eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die sich des Problems annimmt. Es werde ämterübergreifend daran gearbeitet, den Anstieg der Krankheitsfälle zu stoppen, so das BAG. Beteiligt daran ist auch das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen. Die Behörden haben mehrere Studien in Auftrag gegeben, um die Problematik besser zu verstehen - sowohl auf der technischen Ebene wie auch bei der Erkrankung selbst.

Denn warum die Fallzahlen stetig zunehmen, weiss das BAG nicht genau. Es sei anzunehmen, dass mehrere Faktoren dazu beitragen. So etwa die Klimaerwärmung und die damit verbundene Zunahme von Klimaanlagen. Die saisonale und regionale Verteilung der Fälle lasse zudem darauf schliessen, dass das Infektionsrisiko vom Wetter beeinflusst werde. Eine andere Ursache könnten laut dem BAG aber auch Energiesparmassnahmen sein. Viele Schweizer senken deswegen die Wassertemperatur in den Boilern. Doch dadurch können sich die Bakterien besser vermehren.

Neue Broschüre mit Empfehlungen

Seit rund einem Jahr schreibt der Bund neu Legionellen-Höchstwerte für das Dusch- und Badewasser vor. Diese betreffen jedoch nur öffentliche Einrichtungen wie Schwimmbäder oder solche, die nicht ausschliesslich privat zugänglich sind - wie beispielsweise Pflegeheime oder Hotels. Seither können die Kantonschemiker Sanierungen verlangen oder ein Dusch- und Badeverbot durchsetzen, wenn der Höchstwert überschritten wird. Voraussichtlich Ende Sommer veröffentlicht der Bund zudem eine neue Broschüre, die Empfehlungen und Hinweise auf rechtliche Vorschriften und Normen zusammenfasst. Diese richtet sich primär an Personen, die beruflich mit der Problematik zu tun haben - also beispielsweise Sanitärplaner, Klimatechniker, Hotelbetreiber, Hausbesitzer oder Ärzte und Spitalverantwortliche.

Doch auch Privatpersonen können gewisse Vorkehrungen treffen, um das Risiko einer Infektion zu vermindern. Das BAG empfiehlt, eine Heisswassertemperatur von 60 Grad am Boilerausgang sowie von 50 Grad am Hahn sicher zu stellen. Werden sanitäre Anlagen während längerer Zeit nicht benutzt, sollten die Leitungen durchgespült werden. Das BAG betont, dass vor allem immungeschwächte und ältere Personen gefährdet sind. Deshalb müssten sich vor allem öffentliche Institutionen wie beispielsweise Spitäler der Problematik bewusst sein.

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