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Silvia Bar ist die unbekannte Strippenzieherin bei der SVP

Sie zieht bei der SVP im Hintergrund die Fäden: Die Bernerin Silvia Bär gilt als graue Eminenz in der SVP-Zentrale - und wurde auch schon als «Feldweibel» bezeichnet. Nun hat ihr neuer Chef nach wenigen Tagen das Handtuch geworfen. Wegen ihr?
Maja Briner
Silvia Bär, stellvertretende SVP-Generalsekretärin, spricht an einer Delegiertenversammlung der Partei mit SVP-Bundesrat Ueli Maurer. (Bild: Patrick Huerlimann, Keystone (23. Juni 2018)).

Silvia Bär, stellvertretende SVP-Generalsekretärin, spricht an einer Delegiertenversammlung der Partei mit SVP-Bundesrat Ueli Maurer. (Bild: Patrick Huerlimann, Keystone (23. Juni 2018)).

Und wieder macht sie den Job, wenn ein anderer den Bettel hinschmeisst. Überraschend hat der neue SVP-Generalsekretär Dominique Steiner nach wenigen Tagen seine Kündigung eingereicht. Es übernimmt: Silvia Bär, seit über einem Jahrzehnt die Nummer Zwei im Generalsekretariat der grössten Partei der Schweiz.

In der Öffentlichkeit ist die Bernerin kaum bekannt. Was aber nicht heisst, dass sie keinen Einfluss hat – im Gegenteil. Sie gilt als Vertraute der Familie Blocher und als Strippenzieherin im Hintergrund. «Sie hat wesentlich dazu beigetragen, dass die Partei so gewachsen ist», sagt etwa SVP-Nationalrat Werner Salzmann (BE).


Vorübergehend leitet Bär nun die Parteizentrale mit gut einem Dutzend Mitarbeitenden – wie schon bei früheren Vakanzen. Sie gilt als kompetent und fleissig, aber auch als dominant und resolut. Der Luzerner SVP-Nationalrat Felix Müri bezeichnete sie einst als «Feldweibel».

«Es gab keine Auseinandersetzung»

Bei solchen Worten braucht es wenig Fantasie, um sich auszumalen, dass es auf dem SVP-Generalsekretariat ab und zu ruppig zu- und hergeht. Als mehrere Angestellte kündigten, berichtete der «Sonntagsblick» unter Berufung auf einen Mitarbeitenden, das liege an Bär.

Auch nun gibt es Gerüchte. Gemäss SVP reichte der Steiner aus «persönlichen Gründen» nach nur vier Arbeitstagen die Kündigung ein. Die «Sonntagszeitung» berichtete indes, parteiintern werde sein Abgang mit einem Streit mit Bär in Verbindung gebracht. Sie sagt, das seien falsche Anschuldigungen: «Es gab keinerlei Auseinandersetzung zwischen uns.» SVP-Präsident Albert Rösti erklärt, Steiner habe ihm gegenüber bestätigt, dass der Abgang «nichts mit den Leuten auf dem Generalsekretariat zu tun hat». Steiner selbst äusserte sich nicht dazu.

Dass Bär auch mal deutliche Worte findet, sagen auch jene, die sie unterstützen. Nationalrätin Nadja Pieren etwa, die als Bernerin und frühere SVP-Vizepräsidentin Bär gut kennt, sagt: «Für diesen Job braucht es jemanden, der ab und zu Klartext redet. Silvia Bär macht das in einer respektvollen Art.»

Von ihrer Erfahrung her hätte Bär eigentlich beste Voraussetzungen, selbst Generalsekretärin zu werden. Doch sie will nicht, wie sie sagt: «Ich arbeite sehr gerne im Hintergrund für die Partei und mache die Projektarbeit von Abstimmungs- und Wahlkampagnen.» Deshalb wolle sie den Posten des Generalsekretärs nur vorübergehend übernehmen.

Wegen Blocher gekündigt

Über sich selbst mag die 49-Jährige nicht gross sprechen. «Ich bin eigentlich eine offene Person», sagt sie. In der Öffentlichkeit stehe sie aber nur aufgrund ihrer Funktion: «Meine Person ist dabei nicht wesentlich.» Daher ist auch nur wenig über sie bekannt, etwa, dass die Bauerntochter und Politologin früher für den ehemaligen Thurgauer SVP-Nationalrat Peter Spuhler gearbeitet hat; sie war Sprecherin bei seiner Firma Stadler Rail. Heute wohnt sie im bernischen Seedorf und präsidiert dort den Kirchgemeinderat.

Ihre enge Verbundenheit zu Christoph Blocher zeigt eine Episode aus dem Jahr 2007: Bär nahm damals eine Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Justiz- und Polizeidepartement an, dem der SVP-Doyen zu der Zeit vorstand. Wie der «Blick» berichtete, kündigte sie noch in der Probezeit – weil Blocher abgewählt wurde.

Für grössere Schlagzeilen sorgte Bär nur einmal: Vergangenes Jahr wurde sie vom Bundesgericht wegen des SVP-Inserats «Kosovaren schlitzen Schweizer auf» wegen Rassendiskriminierung verurteilt, ebenso wie der frühere SVP-Generalsekretär Martin Baltisser.

Heikler Zeitpunkt für Vakanz

Geschadet hat ihr das nicht. Und für die SVP ist Bär nach dem überstürzten Abgang von Steiner noch wichtiger. Bis ein neuer Generalsekretär die Stelle antritt und sich eingearbeitet hat, dauert es Monate. Und bereits in etwas mehr als einem Jahr stehen die nationalen Wahlen an, für deren Vorbereitung der Generalsekretär eine wichtige Rolle spielt.

Die SVP-Spitze will darin zwar kein Problem sehen. Präsident Rösti verweist auf Bärs langjährige Erfahrung. Der Parteileitungsausschuss habe ihr das volle Vertrauen ausgesprochen. Und: Bär werde verstärkt durch qualifizierte wissenschaftliche Mitarbeitende. «Die Prozesse sind sichergestellt», erklärt er.

Manche SVPler äussern sich hinter vorgehaltener Hand allerdings beunruhigt. Dass mit Bär eine erfahrene Person da ist, die die Zügel in der Hand habe, reiche nicht, sagt ein SVP-Mitglied: Es brauche jemanden, der offiziell die Verantwortung übernehme – auch auf dem Papier.

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