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«Die Ungewissheit ist schwierig für die Paare»

Nachgefragt bei Brigit Stähelin, diplomierte Heilpädagogin.

Brigit Stähelin*, die Zahl der Adoptionen in der Schweiz sinkt. Ist Adoptieren hierzulande out?

Das würde ich so nicht sagen, auch wenn die Zahl der Adoptionen tatsächlich abnimmt. Es gibt noch immer viele Familien, die sich für eine Adoption interessieren. Die Hürden und die Kosten sind jedoch sehr hoch, darum gibt es auch viele interessierte Paare, die es schliesslich sein lassen. Das erlebe ich bei meinen Beratungen und Vorbereitungskursen immer wieder.

Wieso entscheiden sich Paare überhaupt für eine Adoption?

Es sind oft Menschen, die schon auf alle anderen Arten versucht haben, eine Familie mit Kindern zu gründen – damit aber gescheitert sind. Die Adoption ist sozusagen ihre letzte Hoffnung. Ich hatte beruflich vereinzelt aber auch schon mit Paaren zu tun, die bereits leibliche Kinder hatten und sich dann bewusst dafür entschieden haben, beispielsweise noch ein Kind mit Down-Syndrom zu adoptieren.

Welche Eigenschaften müssen künftige Adoptiveltern denn mitbringen?

Das Wichtigste ist, dass sie sich für die Gedanken und Gefühle des adoptierten Kindes interessieren und sich in seine Lage versetzen können. Die Paare müssen nicht perfekt sein, sie müssen aber Geduld haben und bereit sein, viel Zeit mit dem Kind zu verbringen und andere Teile ihres Lebens dessen Bedürfnissen unterzuordnen. Dies erhöht die Chancen, dass die Bindungs- und Identitätsentwicklung gut gelingt.

Was muss beachtet werden, wenn ein Kind aus dem Ausland, vielleicht sogar aus einem anderen Kulturkreis, adoptiert wird?

Ganz grundsätzlich muss ich betonen, dass auch bei der Adoption aus dem Ausland die Bindung zwischen Eltern und Kind genau gleich eng werden kann wie beim leiblichen Nachwuchs. Wichtig ist aber, dass die Eltern dem Kind zeigen, dass es zur Schweiz gehört und gleichzeitig auch betonen, dass es stolz sein kann auf seine Herkunft. Das bedingt natürlich, dass sich die Eltern auch mit dem Herkunftsland des Kindes auseinandersetzen, neugierig sind und diese Fragen offen diskutieren. Denn mit seiner Herkunft wird das Kind im Alltag zwangsläufig konfrontiert werden. Zudem kann es sein, dass ein Adoptivkind aus dem Ausland unter schwierigen Bedingungen, beispielsweise in einem Heim, aufgewachsen ist und dadurch mehr Geduld und auch Betreuung benötigt.

Mit welchen Schwierigkeiten sind Adoptiveltern sonst noch konfrontiert?

Eine Adoption ist ein Prozess, bei dem man am Anfang nicht weiss, wie er endet. Diese Ungewissheit ist schwierig für die Paare. Viele von ihnen sind zudem allein mit dieser Ungewissheit, wissen oft auch nicht recht, an wen sie sich bei Problemen wenden sollen. (mbu)

* Brigit Stähelin ist diplomierte Heilpädagogin. Sie unterstützt und berät Familien vor, während und nach dem Adoptionsprozess. Sie wohnt in Bern und ist Mutter von drei adoptierten Kindern.

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