Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Kommentar

Donald Trump ist der Meister der Subversion

Wo US-Präsident Donald Trump durchgeht, bleibt kein Stein auf dem anderen. Wieder mal klar wurde dies bei seiner Europa-Tour diese Woche.
Remo Hess, Brüssel

Sowohl beim Nato-Gipfel in Brüssel und später bei seinem Besuch im Vereinigten Königreich hinterliess er eine Schneise der Verwüstung – zumindest im atmosphärischen Sinne.

Doch es wäre falsch zu meinen, Trump würde sich aus reiner Ungeschicktheit wie der Elefant im diplomatischen Porzellanladen benehmen. Das Chaos, das er anrichtet, scheint durchaus System zu haben.

Vielleicht ein Blick zurück: In den 80er-Jahren hat Trump vergeblich versucht, einen Posten als Unterhändler gegenüber der Sowjetunion in den Gesprächen zur nuklearen Abrüstung zu erhalten, wie das US-Magazin «New Yorker» berichtet. Als er einige Jahre später jenen Mann traf, dem die Aufgabe schlussendlich zugefallen ist, habe er ihm erklärt, wie er selbst an die Verhandlungen herangegangen wäre. Trump hätte die russische Delegation äusserst warm empfangen und alles dafür getan, dass sie sich wohl fühlt. Dann wäre er plötzlich vom Verhandlungstisch aufgestanden, hätte ihnen gesagt «Leckt mich!» («Fuck you!») und wäre davongelaufen.

Ganz ähnlich bipolar geht Trump nun mit seinen europäischen «Freunden» um. Zuerst beleidigt er die deutsche Kanzlerin Angela Merkel, eine Geisel des russischen Präsidenten Wladimir Putin zu sein. Wenig später begegnet er ihr im Vieraugengespräch geradezu zuvorkommend und bewundernd, nur um am Folgetag wiederum mit dem Austritt aus der Nato zu drohen, wenn Deutschland nicht umgehend seine Rechnungen bezahle. Bei Premierministerin Theresa May dasselbe: Beim Staatsbesuch lässt er sich zum Dinner auf Schloss Blenheim einladen, dem Geburtsort von Winston Churchill. Zeitgleich erscheint ein Interview in der Zeitung «The Sun», wo er May vorwirft, den Brexit «verbockt» zu haben, und ihren Intimfeind Boris Johnson als «exzellenten Premierminister» portiert. An der Pressekonferenz am nächsten Tag erklärt Trump dann alles zu «Fake News». Er habe eine «sehr, sehr starke Beziehung» zu Theresa May, die einen «fantastischen Job» mache.

Ob gewollt oder nicht: Trump zeigt sich als Meister der Subversion. Die Verwirrung und Verunsicherung, die er stiftet, wirkt wie Gift. Opfer der Destabilisierung sind die bereits kräftig angeschlagene britische Premierministerin und die ebenso unter Druck stehende deutsche Bundeskanzlerin. Fallen diese beiden Politikerinnen, verschlimmert sich gleichzeitig die Krise der Europäischen Union, die Trump als Machtblock ohnehin ein Dorn im Auge ist. Man muss kein Verschwörungstheoretiker sein, um zu begreifen, dass das Trump nicht ungelegen kommt: Einzelne Staaten ausserhalb einer multilateralen Weltordnung kann der «Dealmaker» viel besser nach seiner Pfeife tanzen lassen.

Unter diesen Voraussetzungen ist für das Treffen von Trump und Russlands Präsident Wladimir Putin von Montag in Helsinki zumindest aus Sicht der Europäer nichts Gutes zu erwarten. Die turbulente Woche hat gezeigt, dass man durchaus mit dem Schlimmsten rechnen darf. Das wäre in hier eine direkte oder auch indirekte Anerkennung der Krim-Annexion von 2014 und der Ukraine-Politik des Kremls im Allgemeinen. So oder so scheint Putin durch die Negativschlagzeilen der letzten Tage bereits als Gewinner festzustehen. Vor allem in Osteuropa und im Baltikum wird man die Begegnung mit Argusaugen beobachten.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.