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DROGEN: Hanf-Boom stellt die Polizei vor ein Problem

Der Boom legalen Hanfs stellt die Polizei vor ein Problem: Sie kann erlaubtes nicht mehr von verbotenem Cannabis unterscheiden. Abhilfe schaffen könnte ein Schnelltest, doch dieser lässt auf sich warten.
Roger Braun
THC- und CBD-Hanf (rechts) lassen sich mit blossem Auge nicht immer einfach unterscheiden. (Bilder: APA/Keystone)

THC- und CBD-Hanf (rechts) lassen sich mit blossem Auge nicht immer einfach unterscheiden. (Bilder: APA/Keystone)

Roger Braun

Die Einführung eines Schnelltests zur Unterscheidung von legalem und illegalem Hanf verzögert sich. Im Februar hatte die Firma Medictest Diagnostik angekündigt, innert zweier Monate einen Schnelltest zu importieren. Daraus wird jedoch nichts: «Noch immer gibt es keinen Schnelltest auf dem Markt, der eine genügend tiefe Fehlerquote hat», sagt Geschäftsführer Davide Iuorno. Derzeit evaluiert Medictest zwei Anbieter vertieft – Erfolgschancen ungewiss.

Das bringt die Schweizer Polizisten in eine schwierige Situation. Denn verbotener und erlaubter Hanf sehen nicht nur gleich aus, sondern riechen auch gleich. Die Wirkung jedoch ist sehr verschieden. Der illegale Hanf mit einem hohen Anteil an THC versetzt die Konsumenten in einen euphorischen Rausch. Der legale Hanf mit hohen Anteilen an CBD hingegen wirkt beruhigend und entspannend.

Labortests sind umständlich und teuer

Einst war der Cannabisduft in der Luft ein untrügliches Zeichen dafür, dass jemand einen verbotenen Joint rauchte. Diese Zeiten seien vorbei, sagt Max Hofmann, Generalsekretär des Verbands Schweizer Polizeibeamter: «Für die Polizistinnen und Polizisten ist es ein fundamentales Problem, dass sie unsicher sind, was sie in der Hand halten, wenn sie eine Hanfblüte sicherstellen.» Streitet der Konsument ab, dass es sich um illegales Cannabis handelt, steckt der Polizist im Dilemma. Entweder er glaubt der Person und riskiert, einen Drogenbesitzer laufen zu lassen. Oder aber er konfisziert das Gras mit dem Risiko, dass es sich tatsächlich um legalen Hanf handelt.

Im zweiten Fall ist nicht nur die gesamte Mühe umsonst, er löst auch Mehrkosten aus. Ein heutiger Labortest kostet zwischen 150 und 500 Franken. Zu tragen ist er bei einem negativen Resultat vom Steuerzahler. «Für die Polizisten ist diese Situation sehr undankbar», sagt Max Hofmann. Er vermisst die nötige Klarheit, die für die Polizeiarbeit entscheidend sei. Er sagt: «Wir wollen nicht politisieren. Aber was wir brauchen, sind klare Regeln und die nötigen Instrumente, um unsere Arbeit korrekt zu erledigen.»

Konkret verlangt Hofmann, dass so rasch wie möglich ein Schnelltest eingeführt wird, mit dem Polizisten an Ort und Stelle abklären können, ob es sich um legales oder illegales Gras handelt. Andernfalls müsse das Gesetz so angepasst werden, dass sämtlicher Hanf gleich behandelt werde, sagt Hofmann.

Die Funktionsweise der Schnelltests ist meist dieselbe: Der Polizist gibt ein wenig Cannabis in eine Ampulle und beobachtet, wie sich die Farbe der Flüssigkeit verändert. An der Verfärbung lässt sich erkennen, wie viel THC das Cannabis enthält. Iuorno von Medictest geht davon aus, dass eine einzelne Probe einst zwischen 15 und 30 Franken kosten wird. Das wäre etwa ein Zehntel des heutigen Preises für eine Untersuchung in einem medizinischen Labor. Wann die Tests zur Verfügung stehen werden, ist derzeit aber ungewiss: Auf eine Prognose lässt sich Iuorno nicht mehr ein.

Polizisten müssen auf Intuition vertrauen

In der Zwischenzeit versuchen sich die Polizisten in Psychologie. Sie sprechen die Personen an und versuchen auszumachen, ob jemand bekifft ist. «Mit der Zeit weiss man, wer regelmässig Drogenhanf raucht», sagt der Sprecher der Kantonspolizei St. Gallen, Gian Andrea Rezzoli. Relativierend hält er auch fest, dass der Konsument ebenfalls kein Interesse an administrativen Scherereien hat. «Wenn jemand Drogenhanf raucht, gibt dieser es in der Regel zu, da er bei einem positiven Test zusätzlich zur Busse die Auswertungskosten übernehmen muss», sagt er. Ist eine Person geständig, kommt sie meist mit einer Ordnungsbusse von 100 Franken davon.

Trotzdem wartet man auch in St. Gallen auf den Schnelltest. «Das würde die Aufgabe der Polizistinnen und Polizisten deutlich vereinfachen», sagt Rezzoli. Die Konsumenten von CBD-Hanf würden ebenfalls profitieren. Sie würden nicht mehr kriminalisiert, wie dies heute zum Teil der Fall ist.

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