Krieg

Droht der Schweiz ein neuer Krieg?

Geht es nach André Blattmann, dem höchsten Soldaten des Landes, steht der Schweiz eine neue Schlacht bevor - die Schlacht im Netz. Experten halten die Gefahr eines Cyber-Wars jedoch für gering.

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Armeechef André Blattmann (Archiv)

Armeechef André Blattmann (Archiv)

Keystone

Benno Tuchschmid

Der Schweiz droht ein neuer Krieg: die grosse Schlacht im Netz, der Cyber-War. Dies jedenfalls behauptet der höchste Soldat des Landes, Korpskommandant André Blattmann. In einem Interview mit dem «Migros-Magazin» vom 6. September sagte er: «Ich halte Cyber-War für die aktuell gefährlichste Bedrohung.» Eine Aussage, die bei Experten Kopfschütteln auslöst. Myriam Dunn, Cyber-War-Expertin an der ETH Zürich, sagt: «Mich hat diese Aussage überrascht.

Aus meiner Sicht ist die Gefahr einer kriegerischen Auseinandersetzung im Netz gering.» Doch in der Politik ist das Schlagwort längst angekommen, heute behandelt der Nationalrat eine Motion der Sicherheitspolitischen Kommission (SiK) zum Thema. Diese fordert gesetzliche Grundlagen für Massnahmen zur Verteidigung von Datennetzwerken.

Die Armee muss sich selbst schützen

Klar ist: Die moderne Informationsgesellschaft ist vom Cyberspace abhängig. Von der Finanzwelt über die Steuerung der Energieversorgung bis zur Bedienung von Waffensystemen: Es gibt kaum einen Bereich in einer modernen Gesellschaft, der ohne das Web funktioniert. Wer diese Netze angreifen und ausschalten kann, der hat eine mächtige Waffe. Der Schutz dieser Systeme ist wichtig, sagt Dunn.

Aber: Die Rolle der Armee im Schutz vor Computer-Attacken ist verschwindend klein. «Die Armee muss sich auf den Schutz ihrer eigenen Systeme konzentrieren», so Dunn.

Kompetent und gut gerüstet

Mit anderen Worten: Die Armee muss sich selbst verteidigen können, und damit hat es sich. Und auch dies schafft sie nur in Zusammenarbeit mit zivilen Stellen. «Ein Staat kann sich nicht mit einer Milizarmee gegen Netzwerkangriffe wehren», sagt Dunn.

Im zivilen Bereich ist die Schweiz für Konflikte im Netz gerüstet. Die Melde- und Analysestelle Informationssicherung (Melani) und die Schweizerische Koordinationsstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (Kobik) gelten als kompetent und gut gerüstet. So oder so glaubt Myriam Dunn nicht an einen Krieg im Cyberspace. «Die Folgen wären zerstörerisch für die Weltwirtschaft. Daran hat kein Staat Interesse.»