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E-Zigarette aus den USA boomt auch in der Schweiz

In Amerika erreicht die E-Zigaretten-Marke Juul einen Marktanteil von 70 Prozent. Mit einem Kodex will der Bund die Ausbreitung unter Schweizer Jugendlichen verhindern. Ob das gelingt, ist fraglich.
Lorenz Honegger
Die E-Zigarette Juul sieht aus wie ein USB-Stick und ist in den USA bei Jugendlichen sehr beliebt. (Bild: Gabby Jones/Bloomberg)

Die E-Zigarette Juul sieht aus wie ein USB-Stick und ist in den USA bei Jugendlichen sehr beliebt. (Bild: Gabby Jones/Bloomberg)

Wer eine Suchmaschine benutzt, googelt. Wer an einer E-Zigarette zieht, juult – zumindest in den USA. Das Wort ist abgeleitet von der Marke Juul, die es erst seit 2015 gibt und heute bereits einen Marktwert von 16 Milliarden Dollar hat. Die E-Zigarette aus San Francisco sieht aus wie ein USB-Stick und verkauft sich aufgrund des trendigen Images rasend schnell: In den Vereinigten Staaten beträgt der Marktanteil schon 70 Prozent. Die Geschmacksrichtungen reichen von Minzekaugummi, Nektarine bis zu Vanillecrème. Weil Juul bei Jugendlichen besonders grossen Anklang findet, untersucht inzwischen die Gesundheitsbehörde FDA die Marketing-Praktiken des Unternehmens.

1000 Verkäufe pro Woche

Trotzdem hat der Siegeszug von Juul auch in der Schweiz begonnen. Offiziell lanciert das Unternehmen aus Kalifornien sein Produkt hierzulande gemäss Branchenkennern erst diesen Herbst. Hiesige Onlineshops vertreiben die Geräte zum Teil seit der Einführung vor drei Jahren. Der Betreiber eines grösseren Schweizer E-Zigaretten-Portals verkauft laut eigenen Angaben über 1000 Juul-Produkte pro Woche, darunter mehrere hundert Pod-Packungen mit Nikotin-Flüssigkeit sowie rund 300 bis 400 Dampfgeräte. Zurzeit importiert er die Produkte aus England. Vom hiesigen Markteintritt von Juul erhofft er sich tiefere Einkaufspreise und kürzere Lieferfristen. Schon in den vergangenen sechs Monaten habe die Nachfrage stark zugenommen. In Kantonen, in denen für Zigaretten das Abgabealter 16 gilt, verkauft der Shop-Betreiber die Juul-Produkte (und andere Marken) auch an unter 18-Jährige.

Er handelt damit völlig legal, aber nicht im Sinn der Behörden: Nachdem das Bundesverwaltungsgericht im April den Verkauf von nikotinhaltigen E-Liquids in der Schweiz überraschend zugelassen hatte, lud das zuständige Bundesamt für Lebensmittelsicherheit in einer kurzfristigen Aktion Tabakproduzenten, Detailhändler und E-Zigaretten-Vertreter zu einem runden Tisch in Bern ein. Das Ziel lautete, dass sich möglichst viele Händler zu einem freiwilligen Kodex bekennen und E-Dampfgeräte sowie Liquids nur an Volljährige verkaufen; denn nach dem Richterspruch vom April sind die Produkte zwar legal, aber es fehlt ein gesetzliches Mindestalter. Vergangene Woche unterschrieben die Teilnehmer den Kodex. «Mit diesem Resultat wurde das erklärte gemeinsame Ziel erreicht und der Jugendschutz in Bezug auf das Abgabealter und Werbe-Einschränkungen deutlich verbessert», teilte das Bundesamt mit. Was es nicht erwähnte: Kein Händler kann gezwungen werden, den Kodex zu unterschreiben. Und nicht alle sind glücklich mit der vorliegenden Lösung.

Der Verband der E-Zigaretten-Branche – die Swiss Vape Trade Association – machte sich bei den Gesprächen in Bern laut eigenen Angaben dafür stark, dass das Mindestalter von 18 Jahren im Kodex auch für reguläre Zigaretten gilt, zumal das Rauchen von Tabak erwiesenermassen um ein Vielfaches schädlicher sei als das Inhalieren von Nikotin-Dampf. Die Tabakmultis Japan Tobacco International, British American Tobacco und Philip Morris hätten sich jedoch lediglich auf eine Absichtserklärung ohne fixen Zeitplan festlegen lassen. Aus Protest beschloss der Verband deshalb in einem eigenen Kodex, nikotinfreie Auffüllflüssigkeit für Dampfgeräte weiterhin an Minderjährige zu verkaufen. Obwohl die eigene Zielgruppe ohnehin eher im Alterssegment ab 30 zu finden sei. Eine definitive Lösung punkto Abgabealter von E-Zigaretten wird es erst in einigen Jahren geben, wenn das Parlament das Tabakproduktegesetz verabschiedet. In einer ersten Beratung hat die Bundesversammlung das Regelwerk an den Bundesrat zur Überarbeitung zurückgewiesen.

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