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EDI RAMA: Der künstlerische Politiker

Zum ersten Mal seit 27 Jahren besucht heute ein albanischer Regierungschef die Schweiz. Der Gast ist nicht nur wegen seiner Körpergrösse eine auffällige Figur.
Livio Brandenberg
Edi Rama (rechts). (Bild: Getty)

Edi Rama (rechts). (Bild: Getty)

Es gibt viele beeindruckende Präsidenten- und Regierungsbüros auf der Welt: das Oval Office im Weissen Haus, eingerichtet wie das Wohnzimmer einer wohlhabenden Familie, das Büro des französischen Präsidenten im Elysée-Palast mit seinen vergoldeten Wänden oder das schlicht-modern gestaltete Büro der Kanzlerin im Kanzleramt in Berlin.Kaum ein Regierungsbüro dürfte aber spezieller sein als das des albanischen Ministerpräsidenten Edi Rama in der albanischen Hauptstadt Tirana. Im Eingangsbereich ist dort ein Basketballkorb installiert. Die Wände sind über grosse Flächen zu­tapeziert mit bunten Malereien.

Es sind die Werke von Edi Rama persönlich. Denn der sozialistische Regierungschef ist ausgebildeter Künstler. Während der letzten Monate der kommunistischen Diktatur in Albanien Anfang der Neunzigerjahre wurde er Dozent für Malerei an der Akademie der Künste in Tirana. In dieser Zeit nahm er auch an den Protesten gegen das Regime teil. Seine Leidenschaft führte ihn kurz darauf nach Paris, wo er ein Stipendium erhielt, für mehrere Jahre lebte und seine Bilder ausstellte.

Der Einstieg in die Politik kam für den heute 52-Jährigen zufällig: Als er 1998 für die Beerdigung seines Vaters in der Heimat weilte, rief ihn der damalige Ministerpräsident Fatos Nano an und bot ihm den Job als Kulturminister an. Rama nahm an und wurde zwei Jahre später als unabhängiger Kandidat zum Bürgermeister von Tirana gewählt.

Elf Jahre lang übte er dieses Amt aus und erlangte als Politexzentriker lokalen Kultstatus. So liess er die düsteren grauen Fassaden der Hauptstadt farbig anmalen, um das Stadtbild aufzuheitern. Und auch sonst konnte er auf dem politischen Parkett seine künstlerische Herkunft nicht verleugnen. Schon in seiner Zeit als Kulturminister begann er etwa, während Sitzungen zu malen – was er bis heute tut. «Das Malen half mir zuzuhören», sagte Rama letztes Jahr. Nur Lob gab es über die Jahre allerdings nicht. Kritiker warfen Rama vor, zusehends arroganter und machtbewusster zu werden. Auch verhallen Vorwürfe bis heute nicht, er, der selbst gepriesene Korruptionsbekämpfer, habe sich bisweilen auch opportunistisch mit bekanntlich korrupten Politikern eingelassen. Nach seiner Wahl zum Regierungschef 2013 schrieb die NZZ, der «originelle Schöngeist» habe nach seiner Wahlniederlage vier Jahre zuvor, als er noch dem langjährigen Premier Sali Berisha unterlag, Strassendemonstrationen organisiert und das Parlament boykottiert, was eine politische Lähmung verursachte und den verarmten Balkanstaat noch weiter zurückgeworfen habe.

Apropos Werfen: Der Basketballkorb hängt nicht einfach als Dekoration hoch über dem Türrahmen in Edi Ramas Büro. Der ehemalige Basketball-Halbprofi wirft zur Entspannung regelmässig ein paar Körbe. Der 2-Meter-Hüne brachte es in den Achtzigerjahren bis ins albanische Nationalteam. In dieser Zeit waren die Reisen mit der Mannschaft für den kunstbegeisterten Rama die einzige Möglichkeit, aus dem Land zu kommen und die Welt zu sehen. Denn unter dem kommunistischen Regime galt ein striktes Reiseverbot. Nun reist Edi Rama auf Einladung von Bundespräsidentin Doris Leuthard also in die Schweiz. Es ist der erste offizielle Besuch eines albanischen Regierungschefs in der Schweiz seit dem Sturz der kommunistischen Diktatur.

Livio Brandenberg

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