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Ein bissiger Basler für die Unternehmensethik

Ex-SP-Nationalrat Rudolf Rechsteiner soll neuer Ethos-Präsident werden. Mit ihm bekäme die Anlagestiftung einen Vorkämpfer für nachhaltiges Wirtschaften.
Stefan Welzel
SP-Urgestein: Rudolf Rechsteiner. Bild: Gaëtan Bally/ Keystone

SP-Urgestein: Rudolf Rechsteiner. Bild: Gaëtan Bally/ Keystone

Seit Ende Januar ist bekannt, dass Dominique Biedermann seine beiden Mandate als Präsident der Anlagestiftung Ethos sowie der Ethos Services AG niederlegt. Der Genfer geht nicht ganz freiwillig. Biedermann stolperte über sein Doppelmandat, das gemäss Kritikern gegen exakt diejenigen Regeln verstösst, die er selbst immer einforderte. Bemängelt wurde auch der Umstand, dass Biedermanns Frau Yola in der Geschäftsleitung von Ethos Services sitzt. Nun soll Mitte Juni auf den als etwas eitel wahrgenommenen Biedermann das Basler SP-Urgestein Rudolf Rechsteiner als Ethos-Präsident folgen.

Der 59-jährige Ökonom gilt als intellektuelles Arbeitstier und Mastermind zahlreicher Vorstösse, Initiativen und Gesetze. Unter anderem war er eine der treibenden Kräfte hinter der Kosa-Initiative, die 2006 forderte, die Gewinne der Nationalbank in die AHV umzuleiten. Sein erstes poli­tisches Mandat trat der ver­heiratete Vater zweier Söhne als Mitglied im Grossen Rat des Kantons Basel-Stadt an. Diesem Parlament gehörte er von 1988 bis 1999 an. 1995 wurde Rechsteiner in den Nationalrat gewählt, aus dem er 2010 zurücktrat. Sein thematisches Steckenpferd bildet seit seiner engagierten Jugend die Energiepolitik. Aber auch als Experte für die Altersvorsorge hat er sich einen Namen gemacht.

2017 beendete Rechsteiner eine zweite Amtszeit im Basler Grossen Rat und widmet sich seither der Tätigkeit als Berater sowie als Dozent an der ETH Zürich und der Universität Basel. Ein Credo Rechstei­ners lautet, das «Ökologische mit dem Ökonomischen zu verbinden». Der Basler ist extrem fleissig und hartnäckig und folgt einem ideologisch kalibrierten Kompass. Verbeisst sich der passionierte Wanderer einmal in ein Thema – oder einen Gegner –, lässt er nicht so schnell wieder los. Dieser Wesenszug hat Rechsteiner in seiner langen Karriere den Ruf eines harten Verhandlers und unerbittlichen Diskussionspartners eingetragen. Dabei oszillierte Rechsteiners Rolle stets zwischen ausgefuchstem Realpolitiker und linkem Ökoidealisten.

Dieselben Eigenschaften würde er auch mit in die Arbeit als Präsident von Ethos einbringen. Was die Stiftung als ethische Leitplanken für nachhaltiges Anlegen ausgibt, verfolgt das Unternehmen Ethos Services im Rahmen seiner Beratungs- und Vermögensverwaltungsmandate. In den vergangenen Jahren hat Ethos seine Aufgaben bei Generalversammlungen in Form von Vertretungen und Abstimmungsempfehlungen unter Dominique Biedermann sehr offensiv bis aggressiv interpretiert. Man blieb jedoch stets innerhalb der Leitplanken des Systems. Mit dem ideologisch orientierten Rechsteiner könnte diese Strategie um politische Grundsatzdebatten erweitert werden. Ethos würde mit dem grünen Sozialdemokraten erneut einen dominanten Charakterkopf ins Haus holen. Es wäre eine spannende Mischung – und nicht ganz ohne Risiko für Ethos.

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