Schlachtfeier in Sempach mit besonderer Dernière – und Lob vom Bundesrat

Ein farbiger Umzug und mahnende Prediger prägen auch den 633. Jahrestag der Schlacht bei Sempach. Eine spezielle Rolle hatten der Kanton Glarus und der abtretende Luzerner Regierungspräsident Robert Küng inne.

Stephan Santschi
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Bundesrat Ignazio Cassis besucht die Gedenkfeier zur Schlacht von Sempach. (Bild: Urs Flüeler, Sempach, 30. Juni 2019)
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Der feierliche Einzug an die Gedenkfeier zur Schlacht von Sempach. (Bild: Urs Flüeler, Sempach, 30. Juni 2019)
Der feierliche Einzug an die Gedenkfeier zur Schlacht von Sempach. (Bild: Urs Flüeler, Sempach, 30. Juni 2019)
Bundesrat Ignazio Cassis beim Einmarsch in die Altstadt von Sempach. (Bild: Urs Flüeler, Sempach, 30. Juni 2019)
Der feierliche Einzug an die Gedenkfeier zur Schlacht von Sempach. (Bild: Urs Flüeler, Sempach, 30. Juni 2019)
Der feierliche Einzug an die Gedenkfeier zur Schlacht von Sempach. (Bild: Urs Flüeler, Sempach, 30. Juni 2019)
Teilnehmer des feierlichen Einzugs an die Gedenkfeier zur Schlacht von Sempach. (Bild: Urs Flüeler, Sempach, 30. Juni 2019)
Bundesrat Ignazio Cassis, Mitte, im Gespräch mit Teilnehmern der Gedenkfeier. (Bild: Urs Flüeler, Sempach, 30. Juni 2019)
Teilnehmer des feierlichen Einzugs an die Gedenkfeier zur Schlacht von Sempach. (Bild: Urs Flüeler, Sempach, 30. Juni 2019)
Der feierliche Einzug an die Gedenkfeier zur Schlacht von Sempach. (Bild: Urs Flüeler, Sempach, 30. Juni 2019)
Der feierliche Einzug an die Gedenkfeier zur Schlacht von Sempach. (Bild: Urs Flüeler, Sempach, 30. Juni 2019)
Erinnerung an einen Sieg der Eidgenossen: Helme und Hellebarden am Gedenktag zur Schlacht von Sempach. (Bild: Urs Flüeler, Sempach, 30. Juni 2019)
Bundesrat Ignazio Cassis, rechts, und Regierungsrat Paul Winiker an der Gedenkfeier in der Altstadt von Sempach. (Bild: Urs Flüeler, Sempach, 30. Juni 2019)
Bundesrat Ignazio Cassis im Städtchen Sempach anlässlich des 633. Jahrestages der Schlacht gegen die Habsburger. (Bild: Urs Flüeler, Sempach, 30. Juni 2019)
Bundesrat Ignazio Cassis, Mitte, hat sichtlich Freude an der Gendenkfeier. (Bild: Urs Flüeler, Sempach, 30. Juni 2019)

Bundesrat Ignazio Cassis besucht die Gedenkfeier zur Schlacht von Sempach. (Bild: Urs Flüeler, Sempach, 30. Juni 2019) 

Am 9. Juli 1386 nahmen die Eidgenossen im Meierholzwald das Morgenbrot ein, ehe sie sich den Habsburgern zur entscheidenden militärischen Schlacht stellten. Und so haben gestern wie jedes Jahr auch die Besucher der Gedenkfeier zunächst das morgendliche Brot verköstigt. Mittelalterlich gekleidete Frauen zogen durch das Sempacher Städtchen und verteilten 1100 Säckchen mit Brot, Käse, Butter und Konfitüre.

Schon vor neun Uhr sassen die Menschen auf den Terrassen der Restaurants, im Festzelt oder auf den Treppen am Strassenrand und assen ihr Frühstück. Luzerns neuer Regierungspräsident Paul Winiker (SVP) plauderte mit Polizisten, Sempachs Stadtpräsident Franz Schwegler (CVP) schüttelte viele Hände und Winikers Vorgänger Robert Küng lächelte mit Bundesrat Ignazio Cassis (beide FDP) für die Fotografen um die Wette.

«Weshalb gedenken wir dem Krieg im Gotteshaus?»

Auch nach 633 Jahren wird der Schlacht bei Sempach noch immer öffentlichkeitswirksam gedacht. Dass sich die Veranstaltung mit dem feierlichen Einzug der Sempacher Krieger, Fahnenträger und Musikformationen nicht auf ein Fest reduziert, dafür sorgen jeweils die Prediger am ökumenischen Gottesdienst in der bis auf den letzten Platz gefüllten Kirche St. Stefan. «Städtchen und Leute sind herausgeputzt, die Helme glänzen, alles ist farbig. Der Blick dahinter aber soll zeigen, dass die Schlacht auch gespaltene Helme und gebrochene Herzen zurückliess», mahnte Pfarrer Hans Weber. Und Pfarreileiter Bernhard Stadler hielt fest: «Die Jahrzeitfeier dient dem Gedenken an die Gefallenen.» Mindestens 200 Eidgenossen kamen damals ums Leben.

Festprediger Lukas Niederberger stellte daraufhin die Frage, weshalb man eines Krieges in einem Gotteshaus gedenke – Gott hatte sich wohl kaum auf die Seite der Eidgenossen gestellt. «Vielmehr beten wir darum, dass die Gewalt zur Problemlösung nach tausenden von Jahren endlich überwunden wird.» Als Geschäftsleiter der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft plädierte Niederberger für mehr Solidarität. «Die schwächsten Glieder sollten nicht entfernt, sondern gestärkt und gefördert werden. Die Stärke des Volks misst sich am Wohl der Armen.»

Viel Applaus für Robert Küng bei letztem Auftritt

Für eine Premiere sorgte die Wahl des Gastkantons, die mit Glarus erstmals auf einen Stand fiel, der sich in Sempach nicht dem Feind gestellt hatte. Für den abtretenden Luzerner Regierungspräsidenten Robert Küng kam es derweil zur Derniere. «Das ist heute mein letzter Arbeitstag», sagte er und erntete viel Beifall. Küng bezeichnete die Schweiz als «Willensnation», die zwar keine einheitliche Sprache und Religion habe, sich aber mit dem Drang nach Selbstbestimmung und politischer Freiheit eine. Er tadelte aber auch das Gebaren in der Politik, wo immer öfter Einzelinteressen über das Gemeinwohl gestellt würden.

Einen Dank für Küngs Polit-Karriere kam auch vom Schweizer Aussenminister Ignazio Cassis. Erstmals seit 2011 (Doris Leuthard) war wieder ein Bundesrat zugegen, womit die Festgemeinde auch um einige grimmige Security-Männer mit dunklen Anzügen und Sonnenbrillen bereichert wurde. Für ihn sei die Legende von Arnold Winkelried, der eine Lücke ins gegnerische Ritterheer geschlagen habe, zwar wenig real. «Real aber ist, für was sie steht», sagte Cassis: «Brüderlichkeit und Opferbereitschaft.»