EINBÜRGERUNGEN: Wirbel um Sprachtests im Kanton Schwyz

Der Kanton Schwyz müsse wegen des neuen eidgenössischen Bürgerrechtsgesetzes die Anforderungen an Einbürgerungskandidaten runterschrauben, fordert Andy Tschümperlin. Das Bundesamt für Migration widerspricht.

Eva Novak
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Der Schweizer Nationalspieler Josip Drmic. (Bild: EPA/Peter Klaunzer)

Der Schweizer Nationalspieler Josip Drmic. (Bild: EPA/Peter Klaunzer)

Wer im Kanton Schwyz eingebürgert werden will, muss die deutsche Sprache gut beherrschen. «Der Gesuchsteller muss mindestens über schriftliche Deutschkenntnisse auf Referenzniveau B1 und mündliche Deutschkenntnisse auf Referenzniveau B2 des gemeinsamen europäischen Referenzrahmens für Sprachen des Europarates verfügen», heisst es in der entsprechenden Verordnung.

Einfacher gesagt: Den roten Pass bekommt nur, wer den Akkusativ vom Dativ unterscheiden kann und weiss, wann er ein «bei», wann ein «auf» und wann ein «über» zu setzen hat (siehe auch Beispiele oben). An dieser Aufgabe scheitern im Alltag viele Schweizerinnen und Schweizer. So ist es wenig erstaunlich, dass es Ausländer gibt, die bereits zum fünften Mal durch die Prüfung gerasselt sind, wie Michael Kälin vom Berufsbildungszentrum Pfäffikon bestätigt.

«Büezer» hat «null Chancen»

Im Kanton hat sich das offenbar herumgesprochen: Zu den «Schweizermachern» nach Pfäffikon wagen sich nur noch Ausländer aus gut situierten Verhältnissen, die bereits in ihrem Herkunftsland studiert hatten. Oder solche, die schon sehr lange da sind, wie Kälin berichtet. Ein portugiesischer «Büezer» jedoch, der seit zwölf Jahren auf Schweizer Baustellen arbeite, habe «null Chancen», die Prüfung zu bestehen. Denn bei der aktuellen Prüfung spiele nicht nur das Sprachverständnis eine Rolle, sondern auch der Intellekt.

Das werde nun ändern, freut sich Andy Tschümperlin. Der Schwyzer Nationalrat und SP-Fraktionschef bezieht sich auf das neue Bürgerrechtsgesetz, das die eidgenössischen Räte nach jahrelangem Seilziehen in der vergangenen Sommersession verabschiedet haben. Dieses Gesetz soll die Anforderungen an den Erwerb des Schweizer Passes landesweit vereinheitlichen. Um eingebürgert zu werden, soll in Zukunft genügen, sich «im Alltag in Wort und Schrift in einer Landessprache zu verständigen». Also müsse sein Kanton die übermässig strenge Praxis lockern, fordert Tschümperlin.

Das Bundesamt für Migration (BFM) widerspricht. Für das ordentliche Einbürgerungsverfahren seien die Kantone zuständig, erläutert Sprecherin Léa Wertheimer. In diesem Bereich seien die neuen Bundesvorschriften lediglich Mindestanforderungen, die Kantone dürften zusätzliche Voraussetzungen aufstellen. «Somit muss der Kanton Schwyz mit Blick auf das neue Bundesrecht seine strengeren Einbürgerungsvorschriften nicht anpassen», so Wertheimer.

Harmonisieren statt verschärfen

Das könne nicht angehen, ärgert sich Tschümperlin. Während der Beratungen im Parlament habe man stundenlang um die Integrationskriterien gefeilscht. Und dabei immer wieder betont, das Ziel der Bürgerrechtsrevision sei eine Harmonisierung, gibt der SP-Fraktionschef zu bedenken und fügt hinzu, gerade die Kantone hätten das gewünscht. Nun könne man sich nicht einfach davon verabschieden und zulassen, dass einzelne Kantone eine härtere Gangart einschlagen. «Harmonisieren heisst harmonisieren, nicht einfach einseitig verschärfen», findet Tschümperlin. Und kündigt Vorstösse im Kantonsrat an.