Kommentar

Meyer und Wermuth als neue SP-Führung: Eine Frage des Stils

Aller Voraussicht nach wird das frühere Juso-Präsidium Mattea Meyer und Cédric Wermuth die SP in die Zukunft führen.

Anna Wanner
Drucken
Teilen
Anna Wanner

Anna Wanner

Als SP-Chef Christian Levrat letztes Jahr seinen Rücktritt erklärte, war vielen klar: Jetzt gehört eine Frau an die Spitze der Sozialdemokraten. Doch die Suche nach einer neuen Präsidentin gestaltete sich schwierig. Viele kompetente SP-Frauen meldeten sich ab, kein Interesse. Immerhin die beiden Zürcherinnen Mattea Meyer und Priska Seiler Graf zeigten sich bereit, die Partei in die Zukunft zu führen - allerdings nur unter der Bedingung eines Co-Präsidiums.

Nun hat Seiler Grafs Partner einen Rückzieher gemacht: Mathias Reynard will für den Walliser Staatsrat kandidieren und den frei werdenden SP-Sitz verteidigen. Er lässt seine Partnerin fürs SP-Präsidium im Regen stehen und macht so den Weg frei für die Konkurrenz, für Mattea Meyer und Cédric Wermuth.

Mattea Meyer und Cedric Wermuth.

Mattea Meyer und Cedric Wermuth.

Bild: Urs Flüeler/Keystone

Dass es nicht zur gewünschten Kampfwahl kommt, mag man bedauern. Denn eine solche Wahl zwingt eine Partei zu einer inhaltlichen Auseinandersetzung. Gerade nach den Wahlverlusten im Oktober 2019 hätte das innerhalb der SP reinigend wirken können.

Doch muss man sich auch nichts vormachen: Die beiden Teams lagen inhaltlich nicht so weit auseinander, wie sich das mancher einbildete oder wünschte. Flügelkämpfe in der SP sind selten geworden, der sozialliberale Flügel ist seit den letzten Wahlen praktisch tot. Eine neue Gangart zeichnet sich trotzdem ab. Mit dem Duo Meyer/Wermuth setzt sich aller Voraussicht nach die ehemalige Juso-Spitze durch, die in der Vergangenheit mit Provokationen und extremen Forderungen Erfolge verbuchen konnte. Insofern unterscheiden sich die beiden Teams weniger im politischen Inhalt als im Stil.