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Eine heisse Chance vertan

Trockenheit auf Rekordniveau - eigentlich ein Steilpass für Klimapolitiker. Doch grüne Parteien schweigen im unpolitischen Hitzesommer.
Eva Novak

Auch wenn die Tropenhitze für den Moment vorüber ist: In der Schweiz herrscht weiterhin Trockenheit. Statt sattgrüner Wiesen prägen zunehmend braune Flecken die Landschaft. Dem Vieh geht das Futter aus, Bauern jammern, Erwachsene dürfen den Holzkohlengrill nicht anwerfen, Kinder ihren Cervelat nicht über offenem Feuer brutzeln lassen. Seit April ist es nicht nur rekordtrocken, sondern auch unüblich warm.

So erlebbar war der Klima­effekt noch selten. Das ­Bundesamt für Umwelt taxiert den diesjährigen Sommer, der eigentlich schon im Frühling begonnen hat, denn auch als «Weckruf, der nicht ungehört verhallen darf». Und das ein gutes Jahr vor den eidgenössischen Wahlen.

Ein Steilpass für jene Parteien, die sich den Schutz des Klimas auf die Fahnen ­geschrieben haben. Für die Grünen und Grünliberalen als Verlierer der letzten Wahlen wäre es die Gelegenheit, Terrain gutzumachen und neue Wählerschichten zu erschliessen. Das könnte man zumindest meinen – und sich viel vorstellen. Sie könnten zum Beispiel autofreie Sonntage fordern, wie sie nach dem Erdölschock in den 1970er-Jahren wegen Benzinmangels verordnet wurden. Oder verlangen, dass wie in einigen Städten Europas an geraden Tagen nur Personenwagen mit geraden Nummern fahren dürfen, an ungeraden Tagen solche mit ungeraden. Oder dass Klimaanlagen nicht zu kalt eingestellt werden. Oder ein Verbot von Vergnügungsflügen an ozonbelasteten Tagen. Es gäbe viele Möglichkeiten, sich in die Schlagzeilen zu bringen, Initiativprojekte voranzutreiben und bis zu den Wahlen im Gespräch zu bleiben. Doch von da, wo man es erwarten würde, herrscht Stille.

Den Grünen sind die Lebensmittel wichtiger, sie stecken alle Kräfte in ihre Fair-Food-Initiative. Die SP macht sich für den Lohnschutz bei der Personenfreizügigkeit sowie für ein Bekenntnis zum Velo stark, die Grünliberalen kämpfen für sauberes Trinkwasser. Bis auf ein paar Beiträge in den sozialen Netzwerken gibt es zum Klimaschutz nichts. Keine Medienkonferenz, kein Communiqué und schon gar keinen Trommelwirbel.

Die einzige Partei, die auf den Hitzesommer reagiert, ist ausgerechnet die orange CVP von der anderen Seite des politischen Farbspektrums. Man solle nachhaltige Klimapolitik statt energieintensiver Klima­anlagen betreiben, liess sie die Medien zu Monatsbeginn per Communiqué wissen. Dass sich die SP auf den Schutz der Arbeitnehmer als ihr traditionell ureigenstes Thema konzentriert, ist nachvollziehbar. Doch warum lassen die Grünen und Grünliberalen die Chance, sich verstärkt ins Gespräch zu bringen, ungenutzt verstreichen? Darüber kann nur spekuliert werden. Haben sie resigniert, den Glauben an die eigene Kraft verloren? Fürchten sie, dass der kommende Sommer wieder kühl und verregnet wird und sich der Einsatz für den Klimaschutz als Bumerang erweist?

Vielleicht ist ihren Partei­exponenten ganz einfach zu heiss, um Politik zu betreiben. Das ist schade, denn so nachrichtenarm wie dieses Jahr war das Sommerloch selten. Die grünen Parteien haben sich in die Ferien abgemeldet und damit eine heisse Chance vertan. Die Quittung könnten sie im Herbst nächsten Jahres erhalten. Bürozeiten-Parteien gewinnen keine Wahlen.

Eva Novak

Eva Novak

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