Eine höhere Alkoholsteuer ist unnötig

Fabian Fellmann, Leiter Bundeshausredaktion, über eine höhere Biersteuer.
Fabian Fellmann
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Ein Glas Wein oder Bier gehört für viele in der Schweiz zum Alltag. 86 Prozent der Menschen über 15 Jahre in diesem Land trinken Alkohol, wie das neue Suchtbarometer von Sucht Schweiz zeigt. Die Stiftung kritisiert nun, Alkohol sei aus Präventionssicht zu billig. Ein halber Liter Bier etwa koste weniger als ein Butter­brot. Höhere Alkoholsteuern könnten hier dafür sorgen, dass weniger getrunken wird und die damit verbundenen sozialen Folge­kosten abnehmen.

Die Forderung ist kontrovers. In der Präventionswissenschaft unbestritten ist, dass Preis­erhöhungen das stärkste Mittel sind, um den Alkoholkonsum zu senken. Doch greift der Staat mit der Besteuerung in die Freiheit und die Eigenverantwortung der Bürger ein. Die Frage stellt sich, ob der Eingriff verhältnismässig ist – und wo das Ziel liegt.

Seit Jahrzehnten bereits trinken die Schweizer Jahr für Jahr weniger Bier, Wein und gebrannte Wasser, aktuell fast die Hälfte weniger als noch 1970. Der vernünftige Umgang mit dem Alkohol nimmt langfristig zu – und das, obwohl die Preise gefallen sind.

Spezielles Augenmerk ver­dienen die Jugendlichen. Sie dürften auf Preiserhöhungen am empfindlichsten reagieren, wie Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen. Doch auch ihr Konsum ist stabil. Zudem wurden beim Jugendschutz in den vergangenen Jahren Fortschritte erzielt. Kontrollen sorgen etwa dafür, dass das Schutzalter beim Alkoholverkauf besser eingehalten wird – und es bleibt noch einiges zu verbessern. Aber unter diesen Verhältnissen erscheint eine Steuererhöhung, die alle Konsumenten trifft, keineswegs als dringlich.

Fabian Fellmann

fabian.fellmann@luzernerzeitung.ch

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