Kommentar

Eine Lanze für den Ex-Mister Corona: Herr Koch, lassen Sie sich nicht mundtot machen!

Der ehemalige Leiter der Abteilung Übertragbare Krankheiten des BAG wird zum Schweigen aufgefordert. Dabei hat Daniel Koch viel zu sagen. Das zeigt auch sein neuestes Interview, das Sie hier im Video anschauen können.

Bruno Knellwolf
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Bruno Knellwolf.

Bruno Knellwolf.

Wie ein Kapitän auf wilder See hat der ehemalige Covid-19-Sonderbeauftragte Daniel Koch die Schweiz durch die erste Welle der Pandemie navigiert. Als Mr. Corona wurde er zum Gesicht des moderaten Schweizer Wegs aus der ersten Coronakrise. Danach konnte der Berner in den verdienten und hinausgeschobenen Ruhestand treten – und feierte das mit einem prominent abgelichteten Sprung in die Aare.

Seit er dem Fluss wieder entstiegen ist, wird der zuerst Gefeierte nun dauerkritisiert. Jüngst im Pendlerblatt «20 Minuten», das einen Tweet von GLP-Nationalrat Martin Bäumle publiziert hat, indem dieser Koch auffordert, nun einfach zu schweigen.

Grund für den Angriff war Kochs Auftritt am Swiss Media Forum in Zürich, in dem er die alarmistischen Prognosen gewisser Taskforce-Experten als wenig hilfreich bezeichnete - das Interview können Sie hier nachschauen:

Koch sagte an dem Kongress, es gehöre nicht zur guten Krisenkommunikation, dauernd wieder Zehntausende von Toten vorauszusagen. Eine zweifellos richtige Aussage! Wiederholt falsche Prognosen erweisen der Wissenschaft einen schlechten Dienst, weil sie das Vertrauen in sie schwächen.

Gescholten wird Koch immer wieder auch für seine Maskenskepsis im Frühling. Diese Ansicht, die von vielen Experten geteilt wurde, hält er im Lichte des damaligen Wissenstands immer noch für richtig. Es ist das Wesen der Wissenschaft, neue Erkenntnisse zu berücksichtigen und diese dann umzusetzen. Deshalb bezeichnet Koch die aktuelle Maskenstrategie nun als sinnvoll.

Er ist ein gefragter Mann, weil er kompetent ist und Klartext spricht

Koch hält nicht zurück mit seiner Meinung und ist somit auf vielen Kanälen ein gefragter Mann. Auch daran stören sich einige - und sehen seine Glaubwürdigkeit geschmälert, weil er sich angeblich als «Promi» inszeniert. Der Sprung in die Aare lässt grüssen.

Ironie der Geschichte: Kritisiert wird Koch für seine Präsenz in den Medien von ebendiesen Medien, die ihn dauernd um seine Meinung fragen. Seine Reaktion auf diese Kritik:

«Soll ich denen keine Antwort geben?»

Tatsächlich gibt es keinen Grund, auf das Wissen eines solchen Experten zu verzichten, nur weil er nicht mehr im Beamtenstatus steht. Bei aller Kritik bleibt sich Koch seiner Linie treu. Er selbst sieht sich nicht als «Promi» und stört sich nicht an der früheren Glorifizierung wie auch am aktuellen Bashing. Die einen sehen ihn als Verharmloser, gleichzeitig wird er von Coronaskeptikern angepöbelt.

Das bestätigt den einst für das IKRK tätigen Arzt darin, die Balance gefunden zu haben. Sachlich und ruhig geht er von Coronapunkt zu Coronapunkt, ohne sich darum zu scheren, ob seine Aussagen dem Publikum gefallen. Und wer ihm genau zuhört, bemerkt, dass er Sars-CoV-2 nicht kleinredet, aber auch nicht zu einem auf ewige Zeit wütenden Monster macht.

Immer hat er vermeiden wollen, dass die Angst vor dem Virus Gesellschaft und Politik dominiert und lähmt. Laufend macht er den Menschen Hoffnung, dass mit dem richtigen Verhalten des Einzelnen, irgendwann bessere Zeiten kommen werden. Ohne sich dabei auf eine Zeitprognose zu versteifen.