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Einen Sitz der SP weggeschnappt und einen Bisherigen verdrängt: FDP gelingt der Konter in der Romandie

Im zweiten Wahlgang für den Ständerat obsiegt die FDP in der Waadt gegenüber der SP – und in Fribourg schaffte eine junge Freisinnige die Sensation.
Benjamin Weinmann aus Genf
Schafft die Sensation: Johanna Gapany kann sich gegen den Bisherigen Beat Vonlanthen durchsetzen. (Bild: Keystone, 10.11.2019)

Schafft die Sensation: Johanna Gapany kann sich gegen den Bisherigen Beat Vonlanthen durchsetzen. (Bild: Keystone, 10.11.2019)

Die Frage stellte sich: Wird die Romandie praktisch nur noch von Mitte-Links im Ständerat vertreten? In den drei bereits entschiedenen Kantonen Jura, Neuenburg und Wallis konnte die SP zwei Sitze ergattern, die CVP drei, die FDP gerade mal einen. Am Sonntag beim zweiten Wahlgang in Fribourg, Genf und Waadt war es ein realistisches Szenario, dass die FDP auch drei Wochen nach der grünen Welle bei den Eidgenössischen Wahlen auf diesem einen Sitz verharren würde.

Auch, weil in Genf wie erwartet das linke Ticket mit Lisa Mazzone (Grüne) und Carlo Sommaruga (SP) deutlich obenauf schwang. Ihr einzig ernsthafter Gegner Hugues Hiltpold von der FDP konnte den grossen Rückstand aus dem ersten Wahlgang nicht wettmachen. Er blieb im Wahlkampf zu blass, zu vage, um den Erfolg des rot-grünen Duos gefährden zu können.

Der Freiburger Thriller vor dem Coup der jungen FDP-Frau

Anders im Kanton Fribourg, wo es zu einer Sensation kommt. Sowohl SP-Präsident Christian Levrat als auch CVP-Ständerat Beat Vonlanthen mussten sich erneut dem Votum des Volks stellen, da sie im ersten Wahlgang nicht das absolute Mehr erreicht hatten. Herausgefordert wurden sie von der jungen Freisinnigen Johanna Gapany.

Levrat gab sich keine Blösse und wurde klar wiedergewählt. Bald einmal nach dem Eintreffen der ersten Resultate aus den Gemeinden wurde aber klar, was sich in den Wochen zuvor abgezeichnet hatte: Zwischen dem 62-jährigen, Deutsch sprechenden Vonlanthen und der 31-jährigen, frankophonen Gapany würde es knapp werden. Sehr knapp sogar. Gegen 14 Uhr bahnte sich der FDP-Triumph an; die Gemeinderätin von Bulle und Grossrätin lag mit 1400 Stimmen vor dem Bisherigen CVPler.

Im Stammlokal der Freiburger FDP, dem Café du Midi nahe des Bahnhofs, kam beim Eintreffen Gapanys denn auch bereits Feststimmung auf. Doch plötzlich herrschte Ungewissheit. Die Staatskanzlei bestätigte Gerüchte, wonach es Informatikprobleme beim Zählen der Stimmen gibt. Banges Warten bei beiden Parteien und im Wahlzentrum, das in der Aula der Universität Fribourg eingerichtet wurde.

Um 15.20 wartete die Zeitung «Liberté» mit einer eigenen Zählung auf. Demnach lag Gapany nur noch 132 Stimmen vor Vonlanthen. Die Anspannung wurde noch grösser. Erst spätabends dann die Gewissheit: Gapany setzt sich im Fotofinish mit nur 158 Stimmen mehr durch. Doch bei diesem knappen Resultat ist es gut möglich, dass es zu Einsprachen kommen wird.

Starker Wahlkampf in den sozialen Medien

Mit der Wahl Gapanys zieht die erste Frau für den Kanton Freiburg in die kleine Kammer ein. Bereits im Vorfeld hatten Politkenner der jungen Betriebsökonomin aus dem Greyerzbezirk einen starken Wahlkampf attestiert. Sie investierte in ihre Social-Media-Präsenz und positionierte sich als Vertreterin der jüngeren Generation. Damit konnte sie auch einige Stimmen aus dem linken Lager für sich gewinnen, obwohl sie zum Beispiel in Familien- und Klimapolitik konservativer argumentiert als Vonlanthen. Weniger überraschend ist es insofern, dass Gapany auch einige SVP-Stimmen für sich verbuchen konnte.

Niederlage für die SP im Kanton Waadt

Den zweiten überraschenden Erfolg an diesem Wahlsonntag heimste die FDP im Kanton Waadt ein. Nach dem ersten Wahlgang hatte der Freisinnige Olivier Français hinter der Grünen Adèle Thorens und der SPlerin Ada Marra gelegen. In Runde Zwei überholte der bisherige Ständerat die beiden Frauen aber nicht nur, er hängte sie mit 86000 Stimmen auch klar ab und landete auf dem ersten Platz. Hinter ihm positionierte sich die Grüne Thorens mit 83000 Stimmen. Marra hingegen schaffte den Sprung ins Stöckli nicht. Damit ist die SP Waadt erstmals in diesem Jahrtausend nicht mehr im Ständerat vertreten.

In den USA würde man dem 64-Jährigen – mal abgesehen von seinem Alter – nach diesem Erfolg den Titel des «Comeback Kid» verleihen. Denn bereits vor vier Jahren war es Français gelungen, nach einem dritten Platz im ersten Wahlgang, in Runde Zwei den Rückstand aufzuholen. Damals verdrängte er den Grünen Luc Recordon. Bei einer Nichtwahl hätte sich Français aus der Politik zurückgezogen.

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