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EINKAUF: Hartnäckige Plastiksäcke

Seit vergangenem Jahr verlangen Detailhändler 5 Rappen für Plastiksäcke an der Kasse. Der Verbrauch ist seither stark zurückgegangen. An anderen Orten wird aber weiter fleissig Plastik verbraucht.
Lukas Leuzinger
Der Verbrauch von Plastiksäcken ist im Vergleich zum Vorjahr um über 80 Prozent zurückgegangen. (Bild: Urs Bucher (St. Gallen, 15. August 2017))

Der Verbrauch von Plastiksäcken ist im Vergleich zum Vorjahr um über 80 Prozent zurückgegangen. (Bild: Urs Bucher (St. Gallen, 15. August 2017))

Lukas Leuzinger

Wer kennt das nicht: Auf dem Nachhauseweg geht man am Abend noch kurz im Supermarkt vorbei und kauft etwas zum Abendessen oder einen Liter Milch für den nächsten Morgen. Da man – natürlich – keine Einkaufstasche dabei hat, greift man ohne viel zu überlegen nach einem der Plastiksäcke, die an der Kasse abgegeben werden, trägt die Einkäufe nach Hause und entsorgt die dünne Tasche, die sowieso schon wieder ein Loch hat, im Abfall.

Seit vergangenem Herbst ist dieses Verhalten teuer geworden, und zwar um genau 5 Rappen. So viel verlangen die meisten Detailhändler seither für die Säckchen, die sie zuvor gratis abgegeben hatten. Die Branchenvereinigung kam damit einem generellen Verbot zuvor, mit dem das eidgenössische Parlament drohte. Die Wirkung ist erstaunlich: Über 80 Prozent weniger Säcke nehmen die Kunden von Coop, Migros und Co. seither mit. Zwar fallen 5 Rappen selbst bei kleineren Einkäufen kaum ins Gewicht. Psychologisch wirkt die Gebühr dennoch: Sobald etwas kostet, überlegt man sich, ob man es wirklich braucht – bei den Plastiksäcken scheint dies selten der Fall zu sein.

Papiertaschen sind nicht unbedingt besser

Der Detailhändler Lidl hat Plastiksäcke sogar ganz von seinen Kassen verbannt. Stattdessen gibt er Papiersäcke für 25 Rappen das Stück ab. Allerdings: Für die Umwelt sind Papiertaschen nicht unbedingt besser als Plastiktüten – im Gegenteil: Gemäss einer Studie der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt Empa aus dem Jahr 2014 schneiden Papiertaschen in der Ökobilanz noch schlechter ab als jene aus Plastik. Hauptgrund sind die negativen Wirkungen des Holzverbrauchs auf das Ökosystem. Um eine bessere Wirkung auf die Umwelt zu erzielen, muss man eine Papiertasche doppelt so lange verwendet werden wie eine Plastiktasche. Lidl gibt als Grund für die Abgabe von Papiertaschen an, dass diese ­stabiler seien und daher öfter verwendet würden. Gemäss der Empa-Studie sind Taschen aus Recyclingkunststoff am umweltfreundlichsten, am schlechtesten schneidet Baumwolle ab.

Insgesamt setzten die Schweizer Detailhändler vergangenes Jahr gemäss der Swiss Retail Fede­ration 427 Millionen Plastiksäcke ab, das entspricht 50 Stück pro Kopf. Gemessen am gesamten Plastikverbrauch von rund einer Million Tonnen sind die rund 3'000 Tonnen Plastiksäcke zwar nicht viel, doch letztlich trägt jedes Kilogramm zum Verbrauch bei. Durch die Einführung der Gebühr an den Supermarkt­kassen dürfte die Zahl der ab­gegebenen Säcke dieses Jahr sinken, auch wenn noch nicht alle Detailhändler die Umstellung vollzogen haben. Sie haben dazu noch bis Ende Jahr Zeit.

Allerdings gilt der Preisaufschlag nur für einen Teil der Säcke: Die Plastikbeutel in den Obst- und Gemüseabteilungen stehen nach wie vor gratis zur Verfügung. Und bei Lebensmitteln, die in Kunststoffverpackungen verkauft werden, ist der Plastikverbrauch schon inbegriffen, ohne dass der Konsument etwas dagegen tun könnte.

Bei Tüten für Früchte und Gemüse sei das Problem komplexer als bei jenen an der Kasse, sagt Roland Hischier, der Autor der Empa-Studie. «Die Säcke dienen nicht nur dem Transport, sondern auch dem Schutz der Lebensmittel.» Plastiksäcke können nicht beliebig oft verwendet werden, da Früchte und Gemüse Spuren hinterlassen. Diese können dazu führen, dass Produkte schneller verfaulen. «Wenn Gemüse und Früchte weggeworfen werden müssen, ist der Umwelt auch nicht geholfen», erklärt Studienautor Hischier.

Verwendung wichtiger als Material

Die Migros bietet inzwischen wiederverwendbare Beutel aus Polyester zum Verkauf an. Vier Stück kosten 10 Franken und können bei 30 Grad gewaschen werden. Allerdings machten bislang nur eine Minderheit der Kunden von dem Angebot Gebrauch. Ökobilanz-mässig seien solche Taschen erst dann sinnvoll, wenn sie wiederholt verwendet werden, sagt Hischier.

Allgemein sei weniger wichtig, aus welchem Material eine Tasche besteht, als vielmehr, wie oft sie verwendet werde. Auch die grünsten Taschen lohnen sich für die Umwelt nur dann, wenn man sie möglichst oft einsetzt und so den Verbrauch reduziert.

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