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EM: «Die Schweiz hat zwei Teams am Start»

In der Schweiz leben rund 200 000 Albaner. Der Journalist Bashkim Iseni erklärt, was das heutige EM-Spiel gegen die Schweiz für sie bedeutet. Und er sagt, wieso man heute Abend nur gewinnen kann.
Interview Roman Schenkel
Schweizer und Albaner Fans vereint beim WM-Qualifikationsspiel am 11. September 2012 in der Swissporarena in Luzern. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

Schweizer und Albaner Fans vereint beim WM-Qualifikationsspiel am 11. September 2012 in der Swissporarena in Luzern. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

Interview Roman Schenkel

Bashkim Iseni, den heutigen Match zwischen der Schweiz und Albanien werden Sie sich sicher nicht entgehen lassen.

Bashkim Iseni*: Natürlich nicht. Der Termin ist schon seit langer Zeit rot in der Agenda angestrichen. Ich gehe den Match mit meinem Sohn schauen. Er ist 14 Jahre alt, spielt Fussball und ist ein riesiger Fan der albanischen Nationalmannschaft.

Und Sie?

Iseni: Ich bin völlig geteilt. Das zeigt auch mein Shirt, das ich heute Abend tragen werde. Es ist in der Mitte geteilt und zeigt auf der einen Seite ein halbes Schweizer Kreuz und auf der anderen einen halben albanischen Adler. Es wird ein komischer Match für mich. Für die Schweizer Nati habe ich riesigen Respekt. Der Schweiz ist es gelungen, verschiedene Kulturen in die Mannschaft zu integrieren und noch wichtiger: sie zu einer Einheit zu formen, zu einer starken Mannschaft. Im Fussball hat es die Schweiz geschafft, die Migration in etwas Positives umzuwandeln. Oft wird Migration als negativ angesehen, doch im Fussball hilft sie der Schweiz, mit den besten Teams aus Europa mitzuhalten.

Auch dank sechs albanischstämmigen Spielern.

Iseni: Ja, mit ihnen fiebere ich besonders mit. Es ist toll, was sie leisten. Wir sind aber der Schweiz auch zu Dank verpflichtet. Die Schweiz hat sie ausgebildet und ihnen die Chance gegeben, in der Nati zu spielen, sich zu profilieren. Heute spielen Xhaka, Shaqiri oder Behrami bei grossen Clubs. Sehen Sie, in der Nationalmannschaft des ehemaligen Jugoslawien hat nie ein Albaner mitgespielt, dort haben albanische Spieler nie eine Chance erhalten. Die Schweizer Spieler sind für Albanien wichtige Botschafter. Albaner hatten in der Vergangenheit ja nicht nur gute Presse. Da haben die albanisch-schweizerischen Fussballstars eine enorme Bedeutung.

Auf der anderen Seite steht Albanien, das sieben Spieler im Kader hat, die auch den Schweizer Pass haben.

Iseni: Die albanische Nationalmannschaft rekrutiert sich hauptsächlich aus der Diaspora. Es sind die Kinder von Emigranten oder Flüchtlingen, die in Deutschland und vor allem in der Schweiz aufwuchsen und ihre Ausbildung machten. Im Vorfeld hat man immer davon gesprochen, Albanien habe zwei Teams an der EM. Man muss es aber auch umgekehrt sehen. Auch die Schweiz hat in Frankreich zwei Teams am Start.

Und was bedeutet das Spiel für Albanien?

Iseni: Für Albanien ist die EM eine historische Chance. Man kann sich auf der grossen, internationalen Bühne präsentieren. Das ist etwas Neues für dieses kleine, unbekannte und lange unterdrückte Land. Albanien hat dank der EM viel Aufmerksamkeit erhalten. Darauf haben wir lange gewartet. Albanien ist zwar zur Hälfte orientalisch geprägt, uns zieht es aber stark nach Europa. Ich hoffe, dass das Land von der EM-Teilnahme profitieren kann. Touristisch beispielsweise hat Albanien so viel zu bieten.

Für die sechs albanischstämmigen Schweizer Spieler wird es sehr speziell, gegen das Heimatland zu spielen.

Iseni: Ich möchte nicht in ihrer Haut stecken. All der Druck, dem die Spieler ausgesetzt sind. All die Fragen. Für welches Land spielst du? Bist du Schweizer oder Albaner? Das ist für diese jungen Männer eine schwierige Situation.

Die Sie genau kennen?

Iseni: Ich verstehe die Situation komplett. Ich kenne die albanische Kultur, lebe aber seit langer Zeit in der Schweiz. Anders als die Fussballer muss ich mich auf keine Seite schlagen. Darüber bin ich froh.

Mit Taulant und Granit Xhaka stehen sich zwei Brüder gegenüber. Wie sieht das in albanisch-schweizerischen Familien aus? Gibt es viele Konstellationen, dass ein Teil der Familie die Schweiz unterstützt und ein anderer Teil Albanien?

Iseni: Diese Situation gibt es in jeder Familie. Der Konflikt steckt heute in jedem Albaner, der in der Schweiz lebt. Es schlagen zwei Herzen in einer Brust. Allerdings findet der Konflikt nur auf dem Spielfeld statt. Wie die Xhaka-Brüder dies meistern, ist beachtenswert. «Wir sind Brüder, aber Gegner auf dem Spielfeld», sagen sie.

Hand aufs Herz – einem Team drücken Sie schon etwas mehr die Daumen.

Iseni: Das müssen Sie mir nicht glauben, aber das tue ich nicht. Ich freue mich auf heute Abend. Für mich ist es in erster Linie ein Fest. Denn egal, wie es ausgeht, ich kann eigentlich nur gewinnen.

Und wer gewinnt?

Iseni: 2:1 für die Schweiz. Sie sind erfahrener und technisch wohl versierter. Sie dürfen aber die Motivation des albanischen Teams nicht unterschätzen. Sie werden alles geben.

Zur Person

* Bashkim Iseni (45) leitet das Newsportal albinfo.ch, das Nachrichtenmagazin für die albanisch sprechende Bevölkerung in der Schweiz. Iseni kam mit 18 Jahren in die Schweiz. Er hat an der Universität Lausanne Politologie studiert und absolvierte die Eliteschule in Betriebswirtschaft, die Idheap.

MEHR ZUM THEMA

Eine Vorschau auf das EM-Spiel Schweiz - Albanien aus sportlicher Sicht lesen Sie im Sportbund auf Seite 37 dieser Ausgabe.

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