EMMEN: Viel Lärm um die neuen Jets

Aus Furcht vor zusätzlichem Lärm sagt der Emmer Schutzverband Nein zum Gripen. Ohne neue Jets könnte es aber noch mehr Lärm geben, warnt der oberste Luzerner Offizier.

Eva Novak
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Ob ja oder nein: Es ist unklar, wie sich das Abstimmungsergebnis zum Gripen auf den Flugplatz Emmen auswirken wird. Im Bild: Start einer F/A-18. (Bild: Keystone/Christian Beutler)

Ob ja oder nein: Es ist unklar, wie sich das Abstimmungsergebnis zum Gripen auf den Flugplatz Emmen auswirken wird. Im Bild: Start einer F/A-18. (Bild: Keystone/Christian Beutler)

Ein Nein zum Gripen biete am ehesten Gewähr für weniger Fluglärm: Mit dieser Begründung hat der Schutzverband der Bevölkerung um den Flugplatz Emmen vor kurzem die Nein-Parole für die Abstimmung über den Kampfjet-Deal vom kommenden 18. Mai gefasst. Doch der Schuss könnte für Emmen nach hinten losgehen. Davor zumindest warnt Florian Ulrich, Präsident der Kantonalen Offiziersgesellschaft (KOG) Luzern.

Denn wenn das Volk die Gripen nicht will, bleiben der Schweizer Luftwaffe nur die 32 F/A-18. Mehr Flieger werde es auf absehbare Zeit nicht geben, beteuern Armee- und VBS-Spitze seit Wochen. Es würden keine neuen Jets gemietet oder gekauft, die verbliebenen 54 Tiger F-5 aber dennoch bald aus dem Verkehr gezogen, da sie veraltet seien und deren Nachrüstung zu teuer käme. Und hier kommt das Problem, das Ulrich sieht: Er fürchtet, «dass es sich auf Dauer nicht rechnet, für nur noch 32 F/A-18 drei Kampfjet-Flugplätze zu betreiben»: nämlich Emmen, Payerne und Meiringen, nachdem Sion gemäss dem neuen Stationierungskonzept ohnehin aufgegeben werden soll.

Keine Pläne, viele Ängste

Über mögliche Folgen eines Neins auf die noch verbliebenen Militärflugplätze wird armeeintern schon länger spekuliert. Konkrete Pläne gibt es noch keine, Ängste – beziehungsweise Hoffnungen – aber sehr wohl. Welchen würde es treffen? Am ehesten Meiringen, glauben die meisten Beobachter. Der Berner Oberländer Flugplatz liegt zwar ebenso wie Emmen in einer Tourismusregion, hat aber im Gegensatz zu diesem keine Ruag vorzuweisen. So gut wie gesetzt ist einzig Payerne: Weil die Gegend rund um den welschen Militärflugplatz verhältnismässig dünn besiedelt ist, übernimmt er zurzeit die Hälfte der 22 000 Jet-Bewegungen pro Jahr.

Wenn also einer der beiden anderen Flugplätze geschlossen würde, müsste Emmen entweder die zusätzlichen Starts und Landungen auffangen, fürchtet Ulrich. Oder der Zentralschweizer Militärflugplatz müsste für die zivile Luftfahrt geöffnet werden. «Das wäre die logische Konsequenz eines Neins zum Gripen», so der Präsident der KOG Luzern. Denn die verhältnismässig spärlichen Ersatz- und Reparaturflüge der Ruag würden nicht ausreichen, um die moderne Infrastruktur des Flugplatzes zu finanzieren. Damit wäre es aber vorbei mit den langen Ruhephasen: Der Flugverkehr wäre nicht mehr auf die Werktage zwischen 9 Uhr morgens und 5 Uhr abends (abzüglich Mittagspause) limitiert. Sondern es gäbe eine permanente Geräuschkulisse an sieben Tagen pro Woche.

Müri: «Ziviler Flugplatz unerwünscht»

Diese Befürchtung teilt auch Felix Müri. Der Luzerner SVP-Nationalrat ist zwar Vorstandsmitglied des Emmer Schutzverbandes, hat aber als Einziger gegen die Nein-Parole zum Gripen gestimmt. Eine zivile Nutzung mit Starts und Landungen auch am frühen Morgen, am Abend und am Wochenende kommt für ihn nicht in Frage: «Es kann nicht sein, dass Private eben mal rasch herfliegen, um im KKL Gelati zu essen.» Ein ziviler Flugplatz rechne sich nicht und sei auch von der Bevölkerung nicht erwünscht, sagt Müri. Er erinnert daran, dass der Schutzverband vor 14 Jahren gegründet wurde, um eben gerade einen Regionalflughafen «Airport Luzern-Emmen» zu verhindern.

Seit dem Bau der Autobahn durchs Knonaueramt sei ein Zentralschweizer Regionalflugplatz erst recht nicht mehr nötig, gibt der SVP-Nationalrat zu bedenken. Und er warnt vor einem anderen Szenario: dass nämlich am Ende Payerne den ganzen Flugbetrieb übernehmen könnte, einschliesslich der Ruag und ihren 1700 Arbeitsplätzen.

Plumpe Drohung?

Nicht nachvollziehen kann diese Szenarien Prisca Birrer-Heimo, Luzerner SP-Nationalrätin und ebenfalls Vorstandsmitglied im Schutzverband Emmen. Mit der Schliessung des Flugplatzes Sion sei leider mehr Lärm für Emmen zu befürchten. «Wenn der Gripen kommt, wird der Lärm mit Sicherheit nochmals zunehmen», sagt sie. Der Militärflugplatz Emmen mit der Ruag bleibe bestehen. Dass der Flugplatz bei einem Nein zum Gripen dereinst zivil genützt werden könnte, sei nichts als eine «plumpe Drohung»: Schon heute würden die Möglichkeiten bei weitem nicht ausgeschöpft; statt der erlaubten 1000 Flugbewegungen gebe es zurzeit kaum mehr als 100 pro Jahr. Und es gäbe genügend Studien, welche zeigten, dass sich eine stärkere zivile Nutzung nicht lohne.