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EMPFANG: Cassis lässt sich feiern

Der frischgewählte Bundesrat Ignazio Cassis ist mit dem Sonderzug durch die Zentralschweiz in seine Heimat gereist. Im Tessin wurde er wie ein Popstar empfangen.
Tobias Bär
Ignazio Cassis während des Empfangs in Bellinzona. (Bild: Urs Flüeler/Keystone)

Ignazio Cassis während des Empfangs in Bellinzona. (Bild: Urs Flüeler/Keystone)

Tobias Bär

Seit kurz nach 9 Uhr am vergangenen Mittwoch ist Ignazio Cassis gewählter Bundesrat. Seit vergangenem Freitag ist er Aussenminister. Sein Amt antreten wird der Tessiner aber erst Anfang November. Zum Kreis der Bundesparlamentarier, die gestern Vormittag in grosser Zahl vom Bundeshaus zum Extrazug pilgerten, gehört Cassis allerdings auch nicht mehr. Der 56-Jährige lebt in einer Art Zwischenwelt. Sein temporärer Arbeitsplatz befindet sich irgendwo in den Räumen der Bundeskanzlei, wo er sich bis zum Amtsantritt durch haufenweise Akten arbeitet. Gestern aber, da war noch einmal Feiern angesagt.

Von einer Weibelin und von Tessiner Kantonspolizisten wird der neugewählte Bundesrat zum Gleis 8 und dem Salon-de-Luxe- Bahnwagen begleitet. Über die Bahnhofslautsprecher ertönt die Aufforderung zum Einsteigen – auf Italienisch, wohlverstanden. Die Fahrt ins Tessin führt durch die Innerschweiz, die sich nun, da der Tessiner Anspruch befriedigt ist, ihrerseits zunehmend lauter eine Vertretung in der Landes­regierung wünscht. Der Extrazug hält in Altdorf, dem Hauptort des Kantons Uri, der noch gar nie einen Bundesrat gestellt hat. Cassis wird von einer Kinderschar begrüsst, sie schwingen Fähnchen mit dem Uristier und mit dem Wappen des Kantons Tessin. «Das war ein Vorgeschmack auf das, was den ersten Bundesrat aus diesem Kanton erwartet», sagt der Urner FDP-Ständerat Josef Dittli später augenzwinkernd. In der Zwischenzeit ist es Cassis, der die Bedürfnisse des Urkantons in den Bundesrat trägt. Zumindest kündigt er das in seiner kurzen Rede auf dem Bahnsteig an. In Anlehnung an John F. Kennedy schliesst Cassis mit den Worten «Ich bin ein Urner!».

Cassis sieht sich als Brückenbauer, er will das Land noch stärker zusammenschweissen. An diesem Tag ist er aber vor allem Cassis, der Tessiner. Dorthin geht es jetzt in rasanter Fahrt, dem neuen Gotthard-Basistunnel sei Dank. Und wann findet wieder einmal eine Bundesratsfeier in der Ostschweiz statt, Karin Keller-Sutter? «Das weiss ich nicht.» Sicher sei, dass Ende November ein Extrazug nach Wil fahre. Dies zu Ehren von: Keller-Sutter. Die St. Gallerin übernimmt das Präsidium des Ständerats. In Bellinzona wartet herrliches Spätsommerwetter auf die Festgemeinde. Das Tessin sei mehr als die Sonnenstube der Schweiz, sagt Stadtpräsident Mario Branda in seiner Ansprache. Recht hat er. Das Tessin ist wieder Bundesratskanton.

Burkhalter: «Viel Spass beim Drücken des Reset-Knopfs»

Erstmals seit dem Rücktritt von Flavio Cotti vor mehr als 18 Jahren. Ebendieser Cotti posiert nun mit Cassis und dessen Frau Paola. Beim Festumzug durch die Stadt dürfen wiederum die fähnchenschwingenden Kinder nicht fehlen. Der Publikumsaufmarsch ist beeindruckend. «Man sieht, wie viel dem Tessin die Wahl von Cassis bedeutet», sagt der Zuger SVP-Nationalrat Thomas Aeschi.

Dann folgen die Reden vor dem Regierungspalast. Der sichtlich aufgeräumte Didier Burkhalter wünscht seinem Nachfolger Erfolg beim Drücken des «Reset-Knopfs» – diesen will Cassis bei den Verhandlungen über ein Rahmenabkommen mit der EU betätigen. Nach Burkhalter tritt der neue FDP-Bundesrat ans Mikrofon. Unter dem Rednerpult stehen die Übergangenen: Laura Sadis und Jacqueline de Quattro, die sich ebenfalls für die Burkhalter-Nachfolge interessiert hatten. Norman Gobbi und eben Thomas Aeschi, die 2015 gegen Guy Parmelin unterlagen. Sie hören, wie Cassis vom Respekt vor Andersdenkenden und vom nationalen Zusammenhalt spricht. Beim anschliessenden Bad in der Menge ziehen Wolken auf. Die Feierlichkeiten sind zu Ende. Nun wartet die Bürde.

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