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EMPFANGSGEBÜHREN: Berggebiete kämpfen gegen «No Billag»

Alle sprechen von der SRG. Doch ohne Gebühren gäbe es im Berggebiet keine regionalen Radio- und TV-Sender mehr.
Eva Novak
Auch auf der Alp ist Live-Fussball von SRF gefragt. Bild: Arno Balzarini/Keystone (Obersaxen, 18. Juni 2016)

Auch auf der Alp ist Live-Fussball von SRF gefragt. Bild: Arno Balzarini/Keystone (Obersaxen, 18. Juni 2016)

Dass die SRG die «No Billag»-Initiative fürchtet wie der Teufel das Weihwasser, ist spätestens klar, seit der Bundesrat diese Woche seine Nein-Empfehlung zu dem Volksbegehren beschlossen hat, welches die Radio- und Fernsehgebühren abschaffen will. Weniger bekannt ist die Furcht, welche in den Berggebieten herrscht. Viele der über 30 regionalen Radio- und Fernsehsender finanzieren sich ebenfalls aus dem Gebührentopf. Fiele dieser weg, so könnten sie auch einpacken.

Das gilt insbesondere für die Fernsehstationen, denn die Produktion und Ausstrahlung von bewegten Bildern ist teuer. Gemäss Service-public-Bericht des Bundesrats erhalten heute 13 Regionalfernsehsender total 34 Millionen Franken, was 4 Prozent des Gebührenertrags entspricht. Mit der Teilrevision des Radio- und TV-Gesetzes, die diesen Sommer in Kraft getreten ist, werden diese Beiträge auf bis zu 70 Prozent des Betriebsaufwandes erhöht.

Markt für Werbung viel zu klein

Was aber, wenn sie wegfallen, wie es die «No Billag»-Initiative fordert? «Das wäre unser Ende», sagt etwa Vincent Bornet, Direktor von Canal 9/Kanal 9. Der zweisprachige TV-Sender versorgt das Wallis auf Französisch und Deutsch mit Aktualitäten, angefangen beim Kampf ums Gemeindepräsidium über sportliche Hochleistungen bis hin zu Informationen über kulinarische Höhepunkte im Kanton. Trotz Unterstützung aus der Bevölkerung ist Canal 9 auf den Beitrag aus den Konzessionsgeldern angewiesen: Mehr als die Hälfte seiner Kosten – 3,5 von 7,5 Millionen Franken im laufenden Jahr – stammen aus dem Gebührentopf.

Canal 9 ist kein Einzelfall. «Im Berggebiet könnten die regionalen Radio- und Fernsehsender niemals überleben», erklärt Thomas Egger, Direktor der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete (SAB). Denn für Werbung sei der Markt in den Berggebieten viel zu klein. Die Initiative blende dies völlig aus und spreche nur von mehr Wettbewerb. Im Berggebiet aber hätte sie den gegenteiligen Effekt: «Die Medienvielfalt und der Wettbewerb würden abnehmen», so Egger. Als Folge davon würde sich ein neuer Graben zwischen Stadt und Land öffnen.

Für die Bevölkerung in den Bergkantonen geht es auch um eine Frage der kulturellen Identität und der Glaubwürdigkeit, wie der Urner CVP-Ständerat Isidor Baumann betont. Sender, die volksnahe Informationen – von Alpabzügen bis zu wichtigen politischen Entscheiden – in der lokalen Mundart verbreiten, profitierten nämlich von einem Sympathiebonus: «In der Medienwelt spielt es eine wesentliche Rolle, wer eine Botschaft verkündet. Die örtlichen Sender spielen da eine eminent wichtige Rolle», so der ehemalige Präsident der Arbeitsgemeinschaft.

Die Berggebietslobby zieht denn auch in den Kampf gegen «No Billag». Als Nächstes will sich die SAB dafür einsetzen, dass das Parlament die Initiative ohne Gegenvorschlag ablehnt, und vor der Volksabstimmung dafür sorgen, dass Volk und Stände unmissverständlich Nein sagen. Selbstverständlich mit Unterstützung der regionalen Radio- und Fernsehstationen.

Eva Novak

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