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ENERGIE: Ein Tal steht unter Strom

Die Wasserkraft steckt in der Krise. Das spüren die Kraftwerke Oberhasli. Doch dank Investi­tionen in den Tourismus und eines grünen Anstrichs sind Kritiker verstummt.
Tobias Gafafer
Die Kraftwerke Oberhasli setzen auch weiter auf Tourismusprojekte. Im Bild: Der Grimsel-Stausee mit dem Hotel Grimsel Hospiz. (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

Die Kraftwerke Oberhasli setzen auch weiter auf Tourismusprojekte. Im Bild: Der Grimsel-Stausee mit dem Hotel Grimsel Hospiz. (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

Tobias Gafafer

Die Kraftwerke Oberhasli (KWO) sind im Haslital im Berner Oberland allgegenwärtig. Die Bummelbahn, die Innertkirchen durch die Aareschlucht mit Meiringen verbindet, bauten sie einst für den Kraftwerkbau. Es ist nicht das einzige Engagement der KWO in der Randregion. Neben dem Kerngeschäft, der Stromproduktion mit teils unterirdischen Kraftwerken, investierten sie in den guten Jahren unter dem Label Grimselwelt in hochwertige Touristenattraktionen, Hotels und Restaurants. In die frühere Werkbahn Gelmerbahn etwa, die steilste Standseilbahn Europas. Oder in das stilvoll renovierte Hotel Grimsel Hospiz, das über Seilbahn und Stollen auch im Winter erreichbar ist, wenn der Pass gesperrt bleibt.

Doch auch die KWO spüren die Probleme auf dem Strommarkt, der unter der tiefen Nachfrage und der massiven Subventionierung erneuerbarer Energien leidet. Zwar ist der Preisdruck nicht so gross wie bei Unternehmen, die ihren Strom nur am Markt verkaufen. Die KWO liefert den Strom ihren Besitzern, der BKW und den Stadtwerken von Bern, Basel und Zürich, zu den Produktionskosten. Diese profitieren davon, dass der Markt für Privatkunden nicht liberalisiert ist. Aber auch die KWO seien von ihren Besitzern unter Druck, sagt Kommunikationschef Ernst Baumberger.

Symbol für Umweltzerstörung

Im Rahmen einer Analyse durchleuchteten sie das touristische Angebot. Trotz der Schwierigkeiten hält der Verwaltungsrat daran fest. «Das Engagement ist für die Verankerung in der Region wertvoll», sagt Baumberger. Für neue Investitionen werde es aber sehr schwierig. So kauften die KWO auf dem Grimsel vor einigen Jahren ein Haus, das in ein Besucherzentrum umgewandelt werden sollte. Nun steht es leer. In den Tourismus stiegen die KWO ein, weil sie in den Neunzigerjahren einen schlechten Ruf hatten. Das Grossprojekt Grimsel West stiess auf massiven Widerstand. «Der Grimsel war das Symbol für die Zerstörung der Umwelt durch die Wasserkraft», sagt Baumberger. Unter ihrem früheren Direktor investierten die KWO viel, damit sie anders wahrgenommen werden. Und bauten eine Abteilung für die Ökologie und den Tourismus auf. Das Engagement soll der Bevölkerung die Stromproduktion in den Alpen näherbringen.

Auch Kritiker räumen heute ein, dass das Unternehmen gute Arbeit leistet. «Die KWO sind gescheiter geworden», sagt Peter Anderegg, Präsident des Grimselvereins. Dieser organisierte an vorderster Front den Widerstand gegen das Projekt Grimsel West und wehrte sich bisher erfolgreich gegen die geplante Erhöhung der Grimsel-Staumauer. Zudem hätten die KWO in den letzten 24 Jahren die Zahl der Arbeitsplätze fast verdoppelt, sagt Anderegg. Das führt aber auch zu Abhängigkeiten, zumal in der Randregion wenige grosse Arbeitgeber dominieren. «Die KWO sind eine Wirtschaftsmacht, die das Tal beherrschen.» Selbst wer auf einem Berg ein Gipfelkreuz aufstellen wolle, müsse das Unternehmen fragen.

Grüne Politikerin engagiert

Der Einfluss der KWO zeigt sich auch in der Politik. Den Verwaltungsrat präsidiert Ständerat Werner Luginbühl (BDP/BE), seit 2011 arbeitet zudem die grüne Nationalrätin Christine Häsler (BE) für die Firma. Dies kam bei der Linken, die schnell kritisiert, Politiker seien gekauft, nicht überall gut an. «Im Milizsystem ist es sinnvoll, dass Politiker einen Beruf haben und sich nicht nur mit abstrakten Fragen auseinandersetzen», entgegnet Häsler. Das Engagement für die saubere, einheimische Wasserkraft sei sinnvoll und im Sinne der Grünen, die die Atomkraftwerke abschalten wollen. Zudem hätten sich die KWO schon länger stark für die Ökologie und den Tourismus engagiert. Ein Engagement, das für das Unternehmen einen Mehrwert geschaffen hat, der sich offenkundig ausgezahlt hat.

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