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ENERGIE: «Rechenzentren sind die Fabriken der Industrie 4.0»

Franz Grüter (53) ist Verwaltungsratspräsident der Green.ch AG sowie der Green Datacenter AG. Im Interview äussert sich der Luzerner SVP-Nationalrat zum Stromverbrauch von Rechenzentren.
Franz Grüter, SVP-Nationalrat und Präsident SVP Kanton Luzern (Bild: PD)

Franz Grüter, SVP-Nationalrat und Präsident SVP Kanton Luzern (Bild: PD)

Franz Grüter, als Stromfresser galten bis anhin Industriefirmen, die IT-Branche schien bezüglich Umweltsünden unverdächtig. Warum?

Bei Rechenzentren von Umweltsünden und Stromfressern zu sprechen, finde ich deplatziert. Fakt ist: Alles redet von Digitalisierung. Es ist ein riesiger Wirtschaftszweig am Entstehen. Und das Fundament, die Infrastruktur aller dieser digitalen Dienstleistungen, sind die Rechenzentren. Wie bei der Industrialisierung Fabriken entstanden sind, entstehen bei der Digitalisierung Rechenzentren. Sie sind die Fabriken der sogenannten Industrie 4.0. In der Schweiz wurde in den letzten sechs Jahren mehr als eine Milliarde Franken in Rechenzentren investiert, seit mehreren Jahren steckt die Branche zudem mit Nachdruck Millionen in die Energieeffizienz.

Ihr Rechenzentrum in Lupfig hat 2013 den Energiepreis Watt d’Or erhalten. Dennoch: Die Anlage benötigt für Kühlung und Unterhalt etwa gleich viel Energie wie ein Ort mit 10 000 Einwohnern.

Dass Rechenzentren viel Strom verbrauchen, streitet niemand ab. Man muss aber auch die volkswirtschaftliche Bedeutung sehen. Zahlreiche Firmen haben nicht nur ihre Rechenzentren in die Schweiz gebracht, sondern auch viele Arbeitsplätze. Zudem ist es ein sauberes Geschäft. Rechenzentrum stossen keine Abgase aus, sie machen keinen Lärm.


Das Volumen wird mit der fortschreitenden Digitalisierung weiter zunehmen und damit auch der Stromverbrauch.

Das Datenvolumen wächst hierzulande um 40 bis 50 Prozent. Topmoderne Rechenzentren – ich spreche hier für die gesamte Branche – sind, was die Energieeffizienz betrifft, auf einem hohen Stand. Dass die Politik hier nun handeln will, ist total überflüssig.

Weshalb?

Die Industrie selber hat ein Interesse möglichst energieeffizient zu sein. Der Antrieb für Investitionen ist enorm. Das Senken des Stromverbrauchs um 10 Prozent schenkt dermassen ein. Und die Massnahmen lohnen sich. Bereits nach wenigen Jahren sind die Investitionen amortisiert.

Ein höherer Strompreis könnte die Investitionen beschleunigen.

Der Strom ist sicher nicht zu günstig! Die internationalen Unternehmen entscheiden sich nicht zufällig für die Schweiz. Sie schätzen das stabile Netz und die konstanten Energiekosten. Die Schweiz ist so einer der wichtigsten Datenstandorte Europas geworden. Wir konkurrieren hier mit Irland oder den Niederlanden. Es wäre fatal, wenn wir nun mit bürokratischen Hürden am Erfolgsstandbein sägen würden.

Wo besteht denn noch Potenzial, um den Stromverbrauch zu senken?

Es gibt viele KMU, die die Kosten für die Datenspeicherung gar nicht kennen oder ihre Server in semiprofessionellen Räumen haben. Oft fehlt ihnen das nötige Geld, um grosse Investitionen zu tätigen. Das ist zugegebenermassen mein Geschäft, aber die Zentralisierung von Daten ergibt unter dem Strich einen deutlich tieferen Stromverbrauch. (rom)

Zur Person

Franz Grüter (53) ist Verwaltungsratspräsident der Green.ch AG sowie der Green Datacenter AG. Green.ch betreibt in Lupfig AG und Glattbrugg ZH Rechenzentren. Der Luzerner sitzt für die SVP im Nationalrat.

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