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ENERGIE: Stromfresser sollen auf Diät

Die Digitalisierung hat die Schweiz in ein Rechenzentren-Mekka verwandelt, doch das hat auch seine Schattenseiten. Denn Rechenzentren sind Stromfresser. Jetzt wollen Bund und Branche Gegensteuer geben.
Dominic Wirth
Blick in die neuen Maschinenräume der Weltwirtschaft: In Rechenzentren werden zum Beispiel Daten gespeichert und verwaltet. (Bild: Erik Isakson/Getty)

Blick in die neuen Maschinenräume der Weltwirtschaft: In Rechenzentren werden zum Beispiel Daten gespeichert und verwaltet. (Bild: Erik Isakson/Getty)

Dominic Wirth

Längst sind sie zu einem Lebensnerv der Weltwirtschaft geworden: die Rechenzentren mit ihren langen Reihen von Servern. In ihnen werden wichtige Daten gespeichert und verarbeitet, und weil die Digitalisierung unablässig fortschreitet, wächst der Speicherbedarf immerzu. Jedes Jahr wächst die Datenmenge weiter – und damit steigt die Nachfrage nach geeigneten Rechenzentren.

Auch in der Schweiz sind in den vergangenen Jahren zahlreiche hochmoderne Rechenzentren entstanden. Das liegt an den vielen Dienstleistern, Banken und Versicherungen und dem Datenberg, den sie verwalten müssen. Daneben haben sich hierzulande auch sogenannte Drittanbieter angesiedelt. Ihr Kerngeschäft ist das Betreiben grosser Rechenzentren, in die Firmen die Datenverarbeitung auslagern können. Immer mehr Unternehmen machen von dieser Möglichkeit Gebrauch; sie ist zu einem Trend geworden.

In einer Studie aus dem Jahr 2013 haben Experten berechnet, dass die Gesamtfläche der Rechenzentren im Land sich auf über 230 000 Quadratmeter beläuft. Eine neuere Zahl gibt es nicht, doch sie ist seither bestimmt nicht kleiner geworden. Nur in Irland ist die Rechenzentren-Dichte pro Kopf in Europa höher. Auf der Rangliste der besten Standorte belegte die Schweiz im letzten Jahr den dritten Platz, dank ihrer politischen Stabilität, der guten Infrastruktur und dem Fachkräfteangebot.

Die Hälfte der Mühleberg-Jahresproduktion

Allerdings hat der Boom seinen Preis. Denn die Rechenzentren mit ihren vielen Servern und den Kühlanlagen sind Stromfresser. Mittlerweile brauchen sie drei Prozent des jährlich in der Schweiz verbrauchten Stromes; die Hälfte der Jahresproduktion des Kernkraftwerks Mühleberg ist nötig, um ihren Heisshunger zu stillen. Und ein Ende dieser Entwicklung ist angesichts der voranschreitenden Digitalisierung nicht absehbar. Jetzt wollen der Bund und die Branche Gegensteuer geben. Die Stromfresser sollen auf Diät. Das liegt auch in den Zielen der Energiestrategie 2050, die im Mai vom Volk angenommen wurde. Der Stromverbrauch etwa soll bis 2035 im Vergleich zum Jahr 2000 um 13 Prozent sinken. Ein Mittel auf diesem Weg sind Massnahmen, um die Energieeffizienz zu erhöhen. Und genau hier liegt in den Schweizer Rechenzentren viel Potenzial brach. Experten gehen davon aus, dass bis zu 50 Prozent des Stromverbrauchs eingespart werden könnten.

Adrian Altenburger, Professor an der Hochschule Luzern, hat verschiedene Studien zum Thema Energieeffizienz in Rechenzentren mitverfasst. Während Rechenzentren von Drittanbietern oder grossen Unternehmen seiner Erfahrung nach auch bezüglich Stromverbrauch meist professionell betrieben werden, gibt es bei den KMU viele Einsparmöglichkeiten. «Dort fehlt es oft an der Sensibilisierung für das Thema – und auch am Wissen. Dabei können schon kleine Anpassungen viel bewirken», sagt Altenburger. Ein gutes Beispiel dafür ist laut ihm die Kühlung der Rechenzentren. Vielerorts hält man noch immer an einer Raumtemperatur von 22 Grad fest, obwohl längst bekannt ist, dass eigentlich auch 27 Grad ausreichen.

«Diese fünf Grad machen für den Stromverbrauch viel aus», sagt Altenburger, «und genau das müssen wir den Betreibern der Rechenzentren vermitteln.» Im Zentrum der Energieeffizienz-Kampagne, die der Bund zusammen mit dem Schweizerischen Verband der Telekommunikation (Asut) lanciert hat, steht denn auch die Informationsvermittlung. So gibt es einen Energiecheck für KMU, daneben sind auch Workshops und Beratungen geplant.

Tiefe Strompreise sind ein Faktor

Die Frage ist nur, ob das reicht. Denn ein wichtiger Grund dafür, dass in Rechenzentren oft nicht genug auf den Stromverbrauch geachtet wird, sind die Preise. «In KMU ist die Stromrechnung im Vergleich zu den Personalkosten verschwindend klein», sagt Experte Adrian Altenburger. Der GLP-Nationalrat Jürg Grossen glaubt, dass das Problem unter anderem hier liegt. Der Berner begrüsst die Kampagne und sieht «grosses Effizienzpotenzial», sagt aber auch: «Dieses Beispiel zeigt, dass der Strom einfach zu günstig ist. So entsteht auch kein Druck, etwas zu unternehmen.» Die Lösung wäre für Grossen eine Lenkungsabgabe, die Anreize über den Preis setzt. Doch entsprechende Pläne des Bundesrats hat das Parlament vor kurzem versenkt.

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