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ENERGIE: Wassermangel bringt Versorgung ins Wackeln

In Stauseen und Flüssen fehlt es an Wasser, das AKW Beznau fällt aus: Der Schweiz droht ein Stromengpass. Und der Bund hat einen Krisenstab einberufen.
Blick auf den Zervreila-Stausee, aufgenommen im August dieses Jahres. (Bild: Keystone/Gian Ehrenzeller)

Blick auf den Zervreila-Stausee, aufgenommen im August dieses Jahres. (Bild: Keystone/Gian Ehrenzeller)

Schon seit bald 20 Jahren leitet Hans-Peter Capatt das Kraftwerk Zervreila. Doch so wenig Wasser wie im Moment hatte es um diese Jahreszeit noch nie in seinem Stausee. Auf 46 Prozent ist der Füllungsgrad hinter der 151 Meter hohen Staumauer bereits abgesunken. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass der See in diesem Jahr viel früher leer sein wird als üblich.

Es ist nicht nur der Zervreila-Stausee oberhalb von Vals im Bündnerland, dem es derzeit an Wasser fehlt. In der ganzen Schweiz sind die Stauseen für diese Jahreszeit zu wenig gefüllt. Und die Trockenheit der vergangenen Monate hat noch eine andere Folge: Auch in den Flüssen fehlt es an Wasser. Das ist schlecht für die Energieversorgung, weil über die Hälfte der Stromproduktion vom Wasserstand in den Flüssen und den Stauseen abhängt. Gerade die Stauseen bilden eine Art Energiereserve: Sie werden im Sommer gefüllt, um dann in den Wintermonaten zu Spitzenzeiten den Bedarf abzudecken.

Neue Verkettung der Umstände

Weil seit einiger Zeit auch noch die Blöcke 1 und 2 des Atomkraftwerks Beznau vom Netz sind, ist bei der Stromnetzbetreiberin Swissgrid und beim Bund Hektik ausgebrochen. Denn eine solche Verkettung von Umständen gab es noch nie. Und sie haben dafür gesorgt, dass die Energiereserven knapp geworden sind. Die Situation sei «angespannt» und «aussergewöhnlich», heisst es bei Swissgrid. Christian Schaffner, Direktor des Energy Science Centers der ETH Zürich, spricht von einer Situation, die «sicher speziell» sei. Und für Marianne Zünd, Sprecherin des Bundesamts für Energie, «mag es nichts mehr leiden».

Gefahr eines Blackouts

Nichts mehr leiden mag es vor allem, weil Swissgrid wenig in der Hand hat, um den Engpass zu bekämpfen. Es gibt in Europa zwar genug Strom, den die Schweiz importieren könnte. Doch es gibt auch ein Problem: Sie kann diesen Strom nur begrenzt nutzen, weil es ihr an Transformatoren fehlt, um den Importstrom auf die richtige Spannungsebene umzuwandeln. Deshalb fürchten die Experten des Bundes und der Elektrizitätsbranche derzeit vor allem ein Szenario: einen langen, kalten Winter, der den Stromverbrauch befeuert. Denn damit stiege die Gefahr eines Blackouts. Gegen Ende des Winters könnte es dann knapp werden.

Allerdings deutet derzeit wenig auf einen solchen harten Winter hin: Es bleibt laut Meteo Schweiz zwar bis Ende Jahr trocken, was für die wasserabhängige Stromproduktion keine gute Nachricht ist. Doch es zeichnet sich auch ab, dass der Dezember einer der wärmsten seit Messbeginn wird.

Wie ernst man die Lage beim Bund dennoch nimmt, beweist ein Treffen, zu dem es in der vergangenen Woche gekommen ist: In Bern traf sich der Bundesstab. Auf dieses Gremium greift der Bund zurück, wenn eine Krisenlage droht. Konkret beschlossen wurde vom Gremium, dem Vertreter verschiedener Bundesämter, aber auch führende Köpfe der Armee und der Kantone angehören, noch nichts.

Swissgrid greift in Markt ein

Der Bund will vorderhand die Strombranche in die Pflicht nehmen, um einen Engpass zu vermeiden. Allerdings ist diese sich nicht einig, wie angespannt die Situation denn nun tatsächlich ist. Beim Stromkonzern Axpo etwa heisst es, die Situation sei nicht «so besorgniserregend, wie Swissgrid das darstellt». Sie könne in Zusammenarbeit mit den Marktpartnern gelöst werden. Sprecher Antonio Sommavilla verweist insbesondere auf den zweiten Block des Kernkraftwerks Beznau, der voraussichtlich am 24. Dezember wieder ans Netz gehen soll.

Die Netzbetreiberin Swissgrid hat derweil Massnahmen getroffen, mit denen die Stromproduzenten davon abgehalten werden sollen, in der aktuellen Lage weiterhin Strom zu exportieren. Unter anderem dürfen sie im Januar in gewisse Länder keine Strom-Monatspakete verkaufen, sondern nur die täglichen Überschüsse ins Ausland leiten – ein Eingriff in den Markt, zu dem es so zuvor noch nie gekommen ist. Bei der Axpo will man ihn nicht kommentieren. «Wir haben das zur Kenntnis genommen», sagt Sprecher Sommavilla nur. Klar ist aber: Den Stromproduzenten gefällt es nicht, wenn ihnen reingeredet wird.

Wenn sich die Situation weiter verschärft, wären zusätzliche Massnahmen denkbar, die bis zu einem Exportverbot reichen. Dieses müsste indes vom Energiedepartement (Uvek) von Bundesrätin Doris Leuthard ausgesprochen werden. Der Bund könnte noch weiter gehen, etwa Bevölkerung und Wirtschaft dazu aufrufen, Strom zu sparen. Oder in einem weiteren, drastischen Schritt Stromkontingentierungen aussprechen. Davon sei man allerdings noch weit entfernt, heisst es beim Bund.

Trockenheit wirkt lange nach

Hans-Peter Capatt, der Betriebsleiter des Kraftwerks Zervreila, denkt in diesen Tagen derweil nicht nur an den aktuellen Füllstand des Stausees, sondern auch an den nächsten Sommer. Denn eigentlich müsste jetzt der Schnee fallen, der im nächsten Jahr den Stausee wieder auffüllt. Doch derzeit liegt fast keiner, und ausgiebiger Niederschlag ist nicht in Sicht. Die aktuelle Trockenheit wird also auch im nächsten Jahr noch Folgen haben, weil den Stauseen dann das Schmelzwasser fehlt – und es folglich auch in den Flüssen zu wenig Wasser hat.

Wird der Engpass nun zum Normalfall, muss die Schweiz gar ihre Energieversorgung überdenken? Energieexperte Christian Schaffner sagt, der Klimawandel werde künftig eine stärkere Rolle spielen. «Die Chance extremer Wetterereignisse steigt», sagt er, «darauf muss man sich in der Strombranche vorbereiten, etwa mit grösseren Sicherheitsmargen, denn die Planbarkeit wird schwieriger.»

Dominic Wirth

Gericht untersagt höhere Staumauern

Der Berner Oberländer Energiekonzern KWO AG darf die beiden Staumauern des Grimselsees nicht erhöhen. Das Berner Verwaltungsgericht hat gestern entschieden, dass der Moorschutz diesem Vorhaben entgegensteht.

Das Gericht urteilte, dass der Bundesrat im Jahr 2004 die südliche Grenze der national geschützten Moorlandschaft Grimsel unzulässigerweise auf einer Höhenkote von 27 Metern über dem heutigen Seeufer festsetzte. Das sei ein rein politischer Entscheid gewesen, mit dem einzigen Ziel, der Kraftwerke Oberhasli AG (KWO) die Vergrösserung des Sees zu ermöglichen. Ein Augenschein des Gerichts habe klar gezeigt, dass die Moorlandschaft bis zum heutigen Seeufer hinabreiche.

Das Gericht hiess mit Beschwerden mehrerer Umweltorganisationen gegen eine Änderung jener Gesamtkonzession gut, welche die KWO nutzt, um im Grimselgebiet ihre Kraftwerke zu betreiben.

sda

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