ENERGIEWENDE: Schützenhilfe für «alte» Technik

Alternative Energien wie Wind und Sonne werden subventioniert. Das verzerre den Markt, kritisiert Avenir Suisse. Und schade den herkömmlichen Kraftwerken.

Eveline Rutz
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Das Atomkraftwerk Leibstadt einmal aus einer anderen Perspektive: Blick in den dampflosen Kühlturm. Das Bild entstand während einer Revisionsphase im August 2008. (Bild: Keystone/Eddy Risch)

Das Atomkraftwerk Leibstadt einmal aus einer anderen Perspektive: Blick in den dampflosen Kühlturm. Das Bild entstand während einer Revisionsphase im August 2008. (Bild: Keystone/Eddy Risch)

«Die erneuerbaren Energien sind erwachsen geworden», stellte Urs Meister von der Denkfabrik Avenir Suisse gestern an einem Mediengespräch in Zürich fest. «Sie beeinflussen den Marktpreis des Stroms.» Dieser fällt etwa über den Mittag in sich zusammen, wenn sich aus Sonne und Wind viel Energie gewinnen lässt. Die konventionellen Kraftwerke werden verdrängt; sie kommen vor allem dann zum Zug, wenn es Schwankungen auszugleichen gilt. «Sie sind als Back-up dringend nötig», sagt Meister, der eine Studie zur Energiewende verfasst hat. Sie gerieten wirtschaftlich zunehmend unter Druck, da die erneuerbaren Technologien international stark subventioniert würden. Damit sinke der Anreiz, in Gas-, Kohle-, Kern- oder grosse Wasserkraftwerke zu investieren.

Zahlungen an Stromkonzerne

Einige Nachbarstaaten wollen Gegensteuer geben, indem sie Stromkonzerne dafür entschädigen, dass sie derartige Ausweichkapazitäten bereitstellen. Verschiedene Modelle werden derzeit diskutiert. Eine einheitliche Strategie gibt es noch nicht; bis 2014 soll die EU-Kommission gewisse Regeln schaffen. «Die Schweiz ist davon direkt betroffen, weil sie international überproportional vernetzt ist», betonte Meister. Sie tue grundsätzlich gut daran, bei solchen Plänen nicht abseitszustehen. Eine enge Kooperation sei für sie von Interesse. Vorschnell zu handeln, sei indes nicht angezeigt, zeichne sich hierzulande bis 2025 doch kein Versorgungsengpass ab. Zudem bestehe auch bei solchen Entschädigungen die Gefahr von Marktverzerrungen.

Handlungsbedarf sieht Avenir Suisse hingegen bei den Subventionen. «Alternative Energieformen sollen dann produzieren, wenn eine Nachfrage besteht», stellte Meister klar. Der heutige Mechanismus der Kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) sei nicht nachhaltig; er führe zu kostspieligen Überproduktionen. Da immer mehr Strom aus erneuerbaren Energien eingespeist werde, werde das System ineffizienter. Halte die Politik an dieser Förderung fest, sei sie grundsätzlich neu zu konzipieren.

«Es braucht Reformen»

«Es braucht Reformen», räumt Nick Beglinger, Präsident des Wirtschaftsverbandes Swisscleantech, ein. «Der Strom muss zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedlich entschädigt werden.» Das schaffe den Anreiz, in leistungsstarke Batterien zu investieren. Beglinger betont indes, dass sich auch die Produktion der Kohle- und Kernkraftwerke nicht steuern lasse. Ganz auf die KEV verzichten will Beglinger nicht. Man müsse mit den neuen Technologien Erfahrungen sammeln.

Wenig Begeisterung löst die KEV bei Ständerat Roland Eberle (SVP, Thurgau), Verwaltungsratsmitglied der Axpo, aus. «Man muss sie überdenken.» Auch in diesem Punkt stehe die Schweiz nicht alleine da. «Wir können der EU nicht sagen, wie sie alternative Energieformen subventionieren soll.»

Investitionssicherheit gefährdet

So sei etwa bei der Wasserkraft derzeit keine Investitionssicherheit gegeben, räumt Eberle ein. Projekte am Grimsel und am Lago Bianco habe man auf Eis gelegt. Er warnt indes vor zu starken Eingriffen. «Man sollte jene Anlagen laufen lassen, die rentabel sind.»