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Engpass bei Impfstoffen gegen tödliche Tollwut-Krankheit – nun soll weniger geimpft werden

Die Impfstoffe gegen die tödliche Tollwut-Krankheit sind in der Schweiz und in ganz Europa knapp. Das Bundesamt für Gesundheit passt deshalb seine Empfehlungen an: Es soll weniger geimpft werden.
Maja Briner
Statt drei Spritzen soll es nur noch zwei geben. (Bild: Keystone)

Statt drei Spritzen soll es nur noch zwei geben. (Bild: Keystone)

Der Impfstoff gegen Tollwut ist knapp – so knapp, dass in der Schweiz derzeit das Pflichtlager angezapft wird. Grund ist ein Lieferunterbruch beim Produkt Mérieux. Dieser werde voraussichtlich bis 2021 dauern, schrieb das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung kürzlich in einer «Vorsorglichen Information». Betroffen sei ganz Europa.

Der alternative Impfstoff, ein Produkt namens Rabipur, könne «die komplette Nachfrage des Marktes voraussichtlich zeitweise nicht abdecken», heisst es im Schreiben weiter. Mit anderen Worten: Es gibt zu wenig Impfdosen. Die Behörde ruft Ärzte und andere Abnehmer deshalb dazu auf, auf Hamsterkäufe zu verzichten und nur wenn nötig zu impfen.

Konkret heisst es im Schreiben:

«Aufgrund der angespannten Situation bitten wir Sie von Hamsterkäufen abzusehen, damit die Versorgung für die lebenswichtigen Indikationen aufrechterhalten werden kann.»

Vor allem Reisende betroffen

Um Impfdosen zu sparen, hat das Bundesamt für Gesundheit nun seine Impfempfehlungen angepasst. Jene Personen, die dringend auf eine Impfung angewiesen sind, sollen diese zwar weiterhin erhalten. Denn diese ist lebenswichtig: Tollwut ist eine Krankheit, die praktisch immer tödlich verläuft. Wer von einem erkrankten Tier gebissen wird, muss sich deshalb rasch impfen lassen.

Für solche Fälle stehen laut Bund dank Pflichtlager in der Schweiz genügend Impfstoffe zur Verfügung. Damit dies so bleibt, muss jedoch anderswo gespart werden. Überwiegend werden in der Schweiz heute Menschen vorbeugend gegen Tollwut geimpft, weil sie in Gebiete reisen, in denen die Viren verbreitet sind.

Weniger sollen geimpft werden

Hier setzt das Bundesamt für Gesundheit nun an, um Impfdosen zu sparen: Für die meisten Risikogebiete empfiehlt es nur noch dann eine Impfung, wenn sich jemand mehr als drei Monate dort aufhält. Bisher hatte der Bund zum Beispiel für die meisten Länder Afrikas eine Impfung bereits ab einem Aufenthalt von 30 Tagen empfohlen.

Eine Ausnahme gilt für Reisende, die – unabhängig von der Dauer der Reise – ein hohes Risiko haben, an Tollwut zu erkranken. Das trifft zum Beispiel auf jene zu, die mit dem Velo oder Motorrad unterwegs sind oder die in Regionen reisen, wo es kaum Zugang zu medizinischer Versorgung gibt.

Vorsicht vor illegal importierten Hunden

In der Schweiz ist die Tollwut praktisch ausgerottet. Laut Bundesamt für Gesundheit kann sie noch selten bei Fledermäusen oder bei illegal importierten Tieren – zum Beispiel Hunden – auftreten. Die letzten Fälle bei einheimischen Tieren – mit Ausnahme der Fledermäuse – wurden laut Bund 1996 beobachtet.

In Westeuropa starben in den vergangenen Jahren aber mehrere Menschen, die sich bei Reisen in Risikogebiete angesteckt hatten.

Übertragen werden die Tollwut-Viren, wenn erkrankte Tiere Menschen beissen oder sie kratzen. Solange noch keine Symptome aufgetreten sind, kann eine Impfung verhindern, dass die tödliche Krankheit ausbricht.

Nur noch zwei statt drei Spritzen

Gesunde Reisende erhalten zudem neu nur noch zwei Impfdosen statt drei. Der Bund folgt mit diesem Schritt den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation. Dadurch sollen weltweit mehr exponierte Menschen geimpft werden können – und gleichzeitig Impfdosen und Kosten gespart werden, wie das Schweizerische Expertenkomitee für Reisemedizin schreibt.

Das Komitee hofft, dass dank dem neuen Impfschema mehr geimpft wird. Viele Reisenden zögerten heute aus finanziellen Gründen, die Impfung zu machen, schrieb es vergangenes Jahr in einem Kommentar. Mit dem neuen Impfschema könnte sich dies ändern, da es dank weniger Dosen günstiger wird. Zudem wird es angenehmer - man muss sich nur noch zwei Mal stechen lassen statt drei Mal. Allerdings: Wenn sich mehr Menschen impfen lassen, läuft das dem Plan des Bundes zuwider, Impfdosen zu sparen.

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