Entführte Kinder sind im Durchschnitt sieben Jahre alt

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Statistik 2016 stellte das Bundesamt für Justiz (BJ) 62 Mal einen Antrag auf Rückführung von ins Ausland entführten Kindern in die Schweiz. Das sind elf mehr als 2015 und so viele wie nie in den letzten 10 Jahren. Das BJ kümmert sich um Fälle, in denen Kinder durch einen Elternteil in ein Land verschleppt werden, welches das Haager Abkommen über die Kindesentführung unterzeichnet hat. Der Vertrag regelt die juristischen Modalitäten bei der Rückführung von Kindern. Rund 100 meist westliche und südamerikanische Länder haben das Abkommen unterschrieben. Bei Entführungen innerhalb von Haager Staaten ist die Täterin zu 75 Prozent die Mutter. Laut Angaben des BJ sind die Kinder im Durchschnitt sieben Jahre alt.

Entführungen passieren auch in die andere Richtung. 29 Mal ersuchte letztes Jahr ein ausländischer Staat die Schweiz, entführte Kinder zurückzuführen.

100 Kindesentführungen ins Ausland

Die Schweizerische Stiftung des internationalen Sozialdienstes (SSI) mit Sitz in Genf vermittelt im Auftrag des Bundes bei internationalen Kindesentführungen. Sie versucht, den Kontakt zwischen den Eltern und den Kindern wiederherzustellen und zum Beispiel Besuche zu organisieren. Der SSI orientiert sich bei seinem Handeln am Kindswohl. Er kümmert sich auch um Fälle, in denen ein Kind von der Schweiz in einen Nicht-Haager-Staat gebracht wurde. Das passierte 2016 rund 30 Mal. Unter dem Strich kam es damit im letzten Jahr fast 100 Mal zu einer Kindesentführung von der Schweiz ins Ausland. Bei Nicht-Haager-Fällen wurden die Kinder meistens in ein Land in Nord- oder Schwarzafrika oder dem Mittleren Osten gebracht. Bei diesen Entführungen sind fast immer die Väter die Täter. Beim SSI landeten im letzten Jahr insgesamt 75 Dossiers auf dem Pult. Bei rund der Hälfte ging es um Prävention von Kindesentführungen. Der SSI wird hauptsächlich von der öffentlichen Hand finanziert, das restliche Geld stammt aus Spenden. (kä)