ENTHÜLLUNG: Nun geraten Schweizer Anwälte ins Visier

Immer mehr Details über Finanzgeschäfte in Steuerparadiesen gelangen an die Öffentlichkeit. Auch Kantonalbanken und Schweizer Anwälte werden erwähnt.

Jan Flückiger
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Dreh- und Angelpunkt fragwürdiger Finanzgeschäfte: Institutionen wie diese Niederlassung des «Bermuda Trust» auf den Cook-Inseln. (Bild: Keystone/Reto Sinniger)

Dreh- und Angelpunkt fragwürdiger Finanzgeschäfte: Institutionen wie diese Niederlassung des «Bermuda Trust» auf den Cook-Inseln. (Bild: Keystone/Reto Sinniger)

Gestern veröffentlichte die «Sonntags-zeitung» neue Details aus der Datensammlung über das weltweite Geschäft mit zwielichtigen Steueroasen. Dabei zeigt sich: Nicht nur die Schweizer Grossbanken sind involviert, sondern auch Kantonalbanken aus Zürich, St. Gallen, Graubünden – und Luzern.

Allerdings ist unklar, in welcher Form. Während bei der Zürcher Kantonalbank ein ehemaliger UBS-Angestellter die Kunden offenbar regelrecht «anlockte» und sie beim Anlegen ihres Geldes in Offshore-Konstrukten beraten hat, ist der Fall bei der Luzerner Kantonalbank (LUKB) weniger klar. Gemäss «Sonntags-zeitung» handelt es sich um einen Geschäftsmann, der etappenweise fast 3 Millionen Dollar von einer Offshore-Firma auf ein Konto der LUKB überwiesen hat. Die Bank selber äusserte sich bislang nicht dazu.

Briefkastenfirmen sind nicht illegal

Ob es sich bei diesen Transaktionen um illegale oder zumindest fragwürdige Geschäfte handelt, ist schwer zu beurteilen. Denn das Errichten von Briefkastenfirmen in Steueroasen ist nicht per se illegal. Doch eignen sie sich gut zur Hinterziehung von Steuern: Vermögende Privatleute bringen ihr Geld in ein Unternehmen ein, das es einer Stiftung oder einem Trust der Steueroase überträgt. Damit taucht die Privatperson nicht als Eigentümer der Firma auf. Die Erträge der Stiftung sind steuerfrei. Und stirbt der Eigentümer, lässt sich die Erbschaftssteuer umgehen.

«Glimpflich für die Schweiz»

Die speziellen Regelungen für Trusts sind international schon länger umstritten, doch bisher hat sich wenig bewegt. CVP-Ständerat Konrad Graber ist froh, dass durch die Offshore-Leaks-Affäre nun mehr Druck entsteht: «Es ist gut, das sich die internationale Aufmerksamkeit jetzt darauf richtet – und damit etwas weg von der Schweiz», so Graber. Für die USA und Grossbritannien werde es nun schwieriger, an ihren Steueroasen im Pazifik und in der Karibik festzuhalten. Die Schweiz solle sich im Rahmen der OECD für entsprechende internationale Regeln einsetzen.

«An der Schweiz wird diese Affäre relativ glimpflich vorbeigehen», glaubt Graber, selbst wenn die eine oder andere Schweizer Bank involviert gewesen sei. Wenn lediglich Finanztransaktionen über Schweizer Konten gelaufen seien, sei das nichts Illegales. «Etwas anderes wäre es, wenn man solche Konstrukte aktiv verkauft hat.» Doch gerade in den letzten Jahren seien die Banken hier zurückhaltender geworden, ist Graber überzeugt. «Aber natürlich müssen wir das sauber analysieren», so Graber.

Hunderte von Schweizer Anwälten

Dennoch könnte auch die Schweiz wieder vermehrt ins Visier der internationalen Aufregung geraten. Allerdings nicht wegen der Banken, sondern wegen ihrer Anwälte und Treuhänder. So scheinen Hunderte von Schweizer Anwälten vermögenden, oft prominenten Kunden geholfen zu haben, die umstrittenen Briefkastenfirmen und Trusts in Steueroasen aufzusetzen. Allein von Genf aus haben etwa vierzig Anwälte, Treuhänder und Vermögensberater Hunderte Trusts und andere Gesellschaften im Pazifik und der Karibik errichtet. Die Kanzlei mit den prominentesten Kunden stammt aus Zürich, es ist das Büro «Lenz & Stähelin». Ihre Anwälte gründeten gemäss «Sonntagszeitung» Trusts für Gunter Sachs und Baron Elie de Rothschild, Gründer und ehemaliger Präsident der Zürcher Rothschild-Bank.

Damit stellt sich die Frage, ob nach den Banken die Anwälte und Treuhänder zum Reputationsrisiko für die Schweiz werden und ob der Gesetzgeber hier eingreifen sollte. So unterstehen die Anwälte etwa nicht den Geldwäschereibestimmungen, wenn sie Offshore-Firmen gründen und verwalten. In anderen Ländern sind die Regeln strenger.

«Nicht voreilig handeln»

CVP-Ständerat Konrad Graber will nicht voreilig handeln. «Die Analyse wird zeigen, ob es Handlungsbedarf gibt», sagt er. Er möchte niemanden vorverurteilen. «Die Gründung eines Trusts ist an sich noch nichts Verwerfliches.» Wie bei den Banken stelle sich die Frage, ob die Anwälte solche Konstrukte aktiv zur Vermeidung von Steuern bewerben würden.

Allerdings ist den Anwälten wohl sehr häufig bewusst, dass sie mit ihrer Arbeit Beihilfe zur Steuerhinterziehung leisten. Ausgerechnet der Anwalt von Gunter Sachs, Peter Hafter, sagte bereits vor drei Jahren in einem Interview mit der «Sonntagszeitung», die «Mehrzahl» der Stiftungen und Trusts mit Bankkonten in der Schweiz dienten wohl der Steuerumgehung. Nur im Fall seines Klienten Gunter Sachs streitet er das ab. Es sei alles korrekt deklariert gewesen.