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Er bestimmt, wo eingelocht wird

Roger Rüegger
Thomas Tresch ist Greenkeeper auf einem Golfplatz in Andermatt. (Bild: Roger Rüegger / Neue LZ)

Thomas Tresch ist Greenkeeper auf einem Golfplatz in Andermatt. (Bild: Roger Rüegger / Neue LZ)

Thomas Tresch ist einer von zwei neuen Greenkeepern auf dem Golfplatz Andermatt, der am 2. Juli mit einem Tag der offenen Tür für Golfinteressierte eingeweiht wird. Der 28-jährige gelernte Forstwart aus Andermatt muss neben dem millimetergenauen Schnitt des Rasens auch das Golfspiel erlernen. Ausserdem muss er wissen, wer auf dem Golfplatz Vortritt hat.

Thomas Tresch, den Job als Greenkeeper stelle ich mir relativ einfach vor: den Rasen mähen und gelegentlich den Kopf vor fliegenden Golfbällen einziehen. Vermutlich steckt aber etwas mehr dahinter?

Thomas Tresch: Es ging mir ähnlich, bevor ich die Arbeit hier auf dem Golfplatz angetreten hatte. Auch ich dachte, dass es vor allem viel ums Rasenmähen geht. Inzwischen weiss ich aber, dass ein Golfplatz nie fertiggestellt ist. Die Arbeiten sind viel abwechslungsreicher, als man sich denken kann.

Zum Beispiel mit dem Rechen im Bunker hantieren?

Tresch: Die Bunker geben viel Arbeit. Die machen wir aber teilweise mit der Maschine. Vorausgesetzt, es befindet sich keine bepflanzte Insel darin. Dann müssen wir sorgfältige Handarbeit vornehmen.

Das ist dann eine Ihrer Paradedisziplinen als Forstwart?

Tresch: Ja, und das Pflegen der Bäume auf dem Golfplatz wäre sicher auch auf mich zugeschnitten. Aber hier machen alle sieben Greenkeeper etwa dieselben Arbeiten.

Welches sind die grössten Herausforderungen für einen Greenkeeper?

Tresch: Da gibt es einige, besonders für einen Neueinsteiger. Zum Beispiel ist es sehr wichtig, mit dem Rasenmäher exakt das Green zu bearbeiten. Ja nicht über die Kanten fahren, sonst vergrössert man das Green, was sofort erkennbar ist, weil es einen gelben Rand gibt. Die Kanten müssen sehr genau nachgezogen werden.

Wobei wir bereits wieder beim Rasenmähen sind.

Tresch: Wir sind auf dem Green. Eine Arbeit, die hier regelmässig ausgeführt wird, ist das Versetzen der Löcher.

Was meinen Sie mit Löcherversetzen?

Tresch: Bei den Löchern auf dem Green findet die meiste Action statt. Jeder Golfer betritt die Nähe des Lochs, was bedeutet, dass der Boden dort arg strapaziert wird. Deshalb werden die Löcher mit einem Locheisen ausgestochen und – eben versetzt. Die Stellen, an die sie platziert werden, werden ebenfalls mit dem Locheisen ausgestochen.

Faszinierend, ähnlich wie beim Gue­tzlen, etwa beim Spitzbuben-Ausstechen. Wie oft werden die Löcher versetzt?

Tresch: Drei- bis viermal pro Woche. An der Stelle, wo das neue Loch entsteht, wird ein Pfropfen in derselben Grösse ausgestochen und dort versenkt, wo das Loch ursprünglich war. Wenn man es richtig macht, sieht man die Stelle nicht, und Einfluss auf die Bahn des Balls hat es auch nicht. Das ist aber vorerst noch nicht die Arbeit, die ich ausführe.

Merken die Golfer anhand der Qualität des Greens, wenn Löcher lange nicht mehr versetzt wurden?

Tresch: Einige schon. Die merken das jedoch auch, wenn die Qualität des Greens top ist. Wenn jemand eine Woche auf demselben Platz spielt, erwartet er eine gewisse Abwechslung und nicht, dass jeden Tag dieselben Löcher gespielt werden müssen.

Sind Golfspieler tatsächlich so anspruchsvoll?

Tresch: Bei uns bezahlt man zwischen 80 und 160 Franken zum Spielen. Das ist ein relativ hohes Preisniveau. Entsprechend gross sind die Erwartungen – und so ist auch der Service, den wir hier bieten.

Spielen Sie selber auch?

Tresch: Es ist eine der Bedingungen, wenn man hier Greenkeeper sein will. Jeder von uns muss die Platzreife haben. Allerdings werde ich erst in diesen Tagen meine ersten Golflektionen in Angriff nehmen.

Das finde ich cool. Dürfen Sie den Kurs während der Arbeitszeit machen?

Tresch: Nein, das nicht. Aber der Arbeitgeber beteiligt sich an den Kurskosten.

Auf die Gefahr hin, dass ich mir den Zorn von Golfern auflade, frage ich Sie trotzdem: Sind Sie nicht noch etwas zu jung für diesen Sport?

Tresch: Finde ich nicht. Man ist nie zu jung oder zu alt, um etwas Neues auszuprobieren.

Stimmt. Doch warum muss ein Greenkeeper selber spielen können?

Tresch: Unser Chef-Greenkeeper sagt, dass wir wissen müssten, wie Golfer tickten, und dass es wichtig sei, dass wir auch in etwa denken wie Golfspieler. Das bedeutet auch, dass wir die Regeln kennen und den Spielern Unterstützung bieten können, wenn sie das wünschen.

Inwiefern?

Tresch: Wenn etwa einer wissen will, wie schnell das Green ist.

Bitte?

Gerade rechtzeitig betritt der Chef-Greenkeeper Daniel Speer den Werkhof. Die Frage kann er kompetent beantworten, da er sich auf seinem Platz bestens auskennt.

Chef-Greenkeeper Daniel Speer: Es ist wichtig, dass der Goldspieler weiss, wie hoch der Rasen geschnitten ist oder wie schnell der Ball rollt, damit er weiss, wie er seinen Schlag ansetzen muss. Und der Greenkeeper muss wissen, dass der Golfspieler immer den Vortritt hat. Das bedeutet, dass er seine Arbeit unterbrechen muss, damit die Golfer nicht gestört werden beim Spiel. Vorderhand wird der Motor der Maschine, mit der er gerade arbeitet, abgestellt.

Dann legt man sich in den Schatten und wartet, bis die Golfer eingeputtet und das Loch wieder verlassen haben?

Chef-Greenkeeper Speer: Das muss der Greenkeeper selber entscheiden, ob es sich lohnt zu warten oder ob er derweil eine andere Arbeit beginnen soll. Das kommt dann mit der Routine.

Speer zwinkert Tresch zu und verlässt den Werkhof wieder.

Eine besondere Herausforderung dürfte das elende Wetter für Sie sein. Was machen Sie, wenn es andauernd regnet? Rasenmähen ist ja wohl nicht angesagt?

Tresch: Wir können nicht eine Woche alles wachsen lassen. Wenn es irgendwie geht, müssen wir den Rasen trotzdem mähen.

Und was macht ein Greenkeeper im Winter?

Tresch: Ich persönlich bin am Gemsstock und am Nätschen mit dem Pistenfahrzeug unterwegs.

Dann haben Sie im Beruf ja häufig Leute um sich, die in den Ferien sind oder sich amüsieren. Ist das motivierend zum Arbeiten?

Tresch: Das ist so. Und wenn das Wetter dann einmal schön ist, würde ich sicher auch gerne mal ein Runde mitspielen. Aber wir sind ja zum Arbeiten angestellt.

Genau. Und wo Sies gerade sagen: Was macht einen guten Greenkeeper aus, abgesehen davon, dass er den Golfern einen tadellosen Rasen bietet?

Tresch: Der gesamte Golfplatz ist der Ausweis eines Greenkeepers. Er muss nicht nur ein Auge für die Arbeiten haben, sondern wie gesagt auch ein golferisches Verständnis, um auf die Bedürfnisse der Golfer einzugehen.

Roger Rüegger

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