Interview

Er kämpfte gegen die Ausweitung der Antirassismusstrafnorm – «Akzeptanz erreichen wir nur mit Gleichberechtigung und Normalität»

Michael Frauchiger ist homosexuell. Der Zürcher SVP-Politiker kämpfte als Co-Präsident des LGBTI-Komitee «Sonderrechte NEIN!» gegen die Ausweitung der Antirassismusstrafnorm. Und nun engagiert er sich für die Ehe für alle. 

Doris Kleck
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Michael Frauchiger, SVP-Politiker.

Michael Frauchiger, SVP-Politiker.

Bild: Keystone

 63 Prozent der Stimmbevölkerung wollen einen stärkeren Schutz für Homosexuelle. Wie werten Sie die Niederlage?

Michael Frauchiger: Das ist keine Niederlage sondern eine verpasste Chance. Wir wollten ein Zeichen setzten, dass sich ein Gesinnungswandel nicht per Gesetz verordnen lässt. Die Stimmbevölkerung sah das anders.

Die Stimmbürger wollten ein Zeichen setzen gegen Hass!

Ja, das ist ein Zeichen. Aber mit der Erweiterung der Antirassimusstrafnorm werden Hass und Hetzte gegen homo- und bisexuelle Menschen nicht verschwinden. Das Strafrecht bietet heute schon genügend Möglichkeiten, um gegen homophobe Attacken vorzugehen.

Was hilft gegen Homophobie?

Akzeptanz erreichen wir nur mit Gleichberechtigung und Normalität. Wir brauchen die Ehe für alle inklusive dem Adoptionsrecht.

Sie kämpften Seite an Seite mit erzkonservativen Gruppierungen, welche die Öffnung der Ehe ablehnen. 

Wir haben extra ein eigenes Sonderrechtekomitee gegründet. Wir hatten zwar das gleiche Ziel wie das andere Komitee, doch unser Argumentarium war ein anderes. Unser Engagement hat sich gelohnt. Man versuchte, uns mundtot zu machen, doch wir haben eine anständige Diskussion geführt.

Werten Sie das Resultat auch als Signal für die Ehe für alle?

Nein. Ich wünschte mir zwar, dass die Abstimmung über die «Ehe für alle» gleich rauskommt und ich glaube auch, dass sie mehrheitsfähig ist. Aber es besteht keine Verbindung zwischen der Ausweitung des Antirassismusgesetzes und der Öffnung der Ehe.

Was sind Ihre Erwartungen an die Anwendungen des Diskriminierungsverbotes?

Ich erwarte, dass der Artikel nur im Extremfall angewendet und nicht ausgenutzt wird. Ich befürchte etwa, dass bei der Diskussion um die «Ehe für alle» Gegner angezeigt werden könnten. Doch solche politische Diskussionen dürfen nicht durch das Strafgesetzbuch beeinträchtigt werden.

Bei der Ehe für alle ist umstritten, ob lesbische Paare Zugang zur Samenspende erhalten sollen. 

Ich befürworte die Samenspende. Denn homosexuelle Paare sollen die gleichen Rechte haben wie heterosexuelle Paare. 


Der Bundesrat will die Vorlage nicht überladen und die Samenspende erst vertieft prüfen.

Diese Salamitaktik lehne ich ab.